Die Ernte fällt schlechter aus als im Vorjahr. Pflanzen sind betroffen, manche Felder bleiben stellenweise kahl. Obwohl ausreichend gedüngt und bewässert wurde, scheinen die Böden ihre Fruchtbarkeit in einigen Gegenden zu verlieren. Was Landwirtinnen und Landwirte in vielen Regionen der Welt bereits beobachten, könnte künftig auch in Europa häufiger auftreten: Die Böden versalzen. Salze sind ein natürlicher Bestandteil des Bodens, doch zu hohe Konzentrationen können den Pflanzen schaden und die Bodenproduktivität beeinträchtigen. Steigen dort die Salzkonzentrationen, wird es für Pflanzen zunehmend schwieriger, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Infolgedessen sinken die Erträge, die Bodenorganismen werden geschwächt und die Ökosysteme geraten unter Druck. „Bodenversalzung stellt eine ernsthafte Herausforderung für die landwirtschaftliche Produktivität und die Bodengesundheit dar“, sagt Prof. Nima Shokri vom Institut für Geo-Hydroinformatik der TU Hamburg. „Dabei kann sie erhebliche Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktivität und die langfristige Gesundheit von Böden haben.“
Lange galt Bodenversalzung vor allem als Problem trockener Regionen wie Nordafrika, Australien oder des Nahen Ostens. Doch inzwischen zeigen Studien, dass auch in Europa immer mehr Flächen gefährdet sind. Die Ursachen sind vielfältig. Längere Trockenperioden lassen Wasser verdunsten, während die darin gelösten Salze im Boden zurückbleiben. Intensive Bewässerung kann den Prozess zusätzlich verstärken. In Küstenregionen kann es sogar so weit kommen, dass Meerwasser ins Grundwasser eindringt. Und auch Starkregenereignisse verändern die Wasserhaushalte und damit das natürliche Gleichgewicht der Böden.
Europas Böden aus dem All beobachten
Die Forschenden des SaliNova-Projekts verfolgen einen ungewöhnlich umfassenden Ansatz. Sie möchten europaweit vergleichbare Daten erheben, um zu prognostizieren, welche Regionen künftig besonders betroffen sein werden und welche Maßnahmen tatsächlich helfen. Dabei setzen sie auf Satelliten, die großflächig die gewünschten Informationen über Bodenoberflächen und Vegetation liefern. Ergänzt werden diese Daten durch Bodenproben, Wasseranalysen und Messungen direkt vor Ort. Dadurch entsteht erstmals ein europaweites Bild der Bodenversalzung. „Wir können heute Umweltprozesse beobachten, die vor wenigen Jahren noch unsichtbar waren“, erklärt Shokri. „Die Kombination aus Erdbeobachtung, Sensorik, KI und Datenanalyse eröffnet völlig neue Möglichkeiten.“ Die gewonnenen Daten fließen in Modelle ein, die nicht nur den aktuellen Zustand beschreiben, sondern auch zukünftige Entwicklungen simulieren können. So lassen sich Risikogebiete identifizieren, bevor Schäden sichtbar werden.
Von der Forschung in die Praxis
Das EU-Horizon-Projekt SaliNova will jedoch nicht bei wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen bleiben. An sechs Demonstrationsstandorten werden nachhaltige, naturbasierte Lösungen wie Drainageoptimierung, organische Bodenverbesserungen und salztolerante Pflanzen entwickelt und erprobt. Durch enge Zusammenarbeit mit EU-Institutionen und über 400 Stakeholdern stärkt SaliNova die Umsetzung von Minderungsmaßnahmen und trägt direkt zur EU-Mission „A Soil Deal for Europe“ sowie zum EU-Bodengesundheitsgesetz bei.
Die Forschenden untersuchen dabei nicht nur ökologische Effekte, sondern auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen. Schließlich müssen neue Methoden nicht nur funktionieren, sondern auch für Landwirtinnen und Landwirte praktikabel sein. Die Ergebnisse sollen in digitale Entscheidungshilfen einfließen. Landwirt*innen, Behörden und politische Entscheidungsträger*innen können damit Risiken frühzeitig erkennen und geeignete Maßnahmen auswählen und so dazu beitragen, die Böden in Europa widerstandsfähiger gegen die Folgen der Ursachen und Auswirkungen der Bodenversalzung zu machen.
Über SaliNova:
SaliNova wird mit 5,9 Millionen Euro über das EU-Forschungsprogramm Horizon Europe gefördert. Die TU Hamburg, bei der die Projektleitung liegt, erhält davon knapp 1,2 Millionen Euro. Geleitet wird das Projekt vom Institut für Geo-Hydroinformatik von Prof. Nima Shokri. Beteiligt ist ein Konsortium von 19 Partnerorganisationen aus 11 Ländern – darunter Forschungseinrichtungen und die United Nations University Institute for Water, Environment and Health. Das Projekt ist am 01.07.2026 gestartet und läuft 48 Monate.
Weitere Informationen: Mission Soil Platform
