Sie bestehen zu fast hundert Prozent aus Luft und bilden die leichtesten Feststoffe der Welt. Und das ist nur einer von mehreren Einträgen, mit denen Aerogele im Guinness-Buch der Rekorde stehen. Seitdem das erste Aerogel 1931 synthetisiert werden konnte, ist die Faszination für diesen ungewöhnlichen Stoff ungebrochen.
Um sich über den neuesten Stand der Forschung und Anwendung auszutauschen, kamen jetzt rund 160 internationale Fachleute aus insgesamt 24 Ländern an der TU Hamburg zusammen. Unter der Leitung von Prof. Irina Smirnova, Leiterin des Instituts für Thermische Verfahrenstechnik und Vizepräsidentin für Forschung an der TU Hamburg, fand hier das mittlerweile achte „International Seminar on Aerogels“ statt.
Vielversprechendes Hightech-Material
Die Veranstaltung gehört zu den bedeutendsten Fachtagungen zu diesem Thema weltweit. In diesem Jahr erwartete die Teilnehmenden nach dem Grußwort von Prof. Smirnova an drei Konferenztagen in den Gebäuden I und A insgesamt rund 50 Vorträge und 70 Poster, die die unterschiedlichsten Bereiche der Aerogel-Forschung abdecken.
Einer der Referenten war Dr. Baldur Schroeter, Koordinator des CampusLab Circular Economy. Das CampusLab bündelt institutsübergreifend Kompetenzen und Infrastruktur rund um nachhaltige Materialien und Prozesse. Ein künftiger Schwerpunkt soll dabei auch auf Wasserstofftechnologien liegen – einem Forschungsfeld, in dem auch Kohlenstoffaerogele eine wichtige Rolle spielen können.
„Aerogele gelten als einer der vielversprechendsten Hightech-Materialien der Zukunft“, erklärt Schroeter. „Und das völlig zurecht. Das Besondere an diesem Forschungsbereich ist ganz sicher seine Vielfalt. Die Bandbreite der Forschungs- und Anwendungsbereiche ist extrem groß – von Medizin über Wärmedämmung bis zur Funktion von Aerogelen als Katalysatoren. Ich denke, das hat die Konferenz mit ihren vielen Teilnehmenden sehr gut abgebildet. Noch ist gar nicht erschlossen, was mit diesen Materialien alles möglich ist. Genau das macht diesen Bereich so spannend.“
Schroeter selbst referierte über Kohlenstoff-Aerogele als Plattform für die Elektrokatalyse. Sein Institutskollege Dr. Pavel Gurikov wurde in seiner Keynote grundsätzlich. Er sprach in seinem Vortrag darüber, wie die Aerogel-Forschung ihre Experimente, Messmethoden und Daten kritisch hinterfragen und weiterentwickeln müsse, um neue Technologien wie KI und automatisierte Labore sinnvoll nutzen zu können.
Wenn Aerogele zu Kunst werden
Auch Einblicke aus der Industrie standen auf der Agenda. So sprach etwa Dr. Marc Fricke von der Firma aerogel-it – zu deren Gründungsteam auch Mitarbeitende der TU Hamburg gehören – über die Dekarbonisierung der Industrie durch nachhaltige Hochleistungsdämmung. Eine weitere Anreise hatten die Vertreter von IBIH Advanced Materials aus Henan (China). Sie präsentierten im Hörsaal und am Stand ihre Arbeit, in der sie sich auf Großserienproduktion von Aerogel-Materialien spezialisiert haben. Konkret ging es um die strukturelle Optimierung und multifunktionale Anwendungen in den Bereichen Wärmemanagement, Landwirtschaft und Medizin.
Zwischen den Vorträgen und danach gab es für die Teilnehmenden viele Gelegenheiten, sich im direkten Gespräch persönlich auszutauschen. So auch in Gebäude A, wo eine kleine Kunstausstellung zum Thema Aerogele präsentiert wurde. Wer einmal eine aus dem hochporösen Material gefertigte Designerhandtasche gesehen hat, weiß: Mit Aerogelen ist praktisch alles möglich.


