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Mit Laser, Leidenschaft und Social Media

Drei Personen stehen nebeneinander in einem Labor und blicken in die Kamera: Dr. Alexandra Tsouka, Prof. Felix Löffler und Dr. Ondrej Havelka.
Foto: TUHH/Ferdinand Stoll
Auf Wachstumskurs: Institutsleiter Prof. Felix Löffler mit seinen Mitarbeitenden Dr. Alexandra Tsouka und Dr. Ondrej Havelka

Erst ein gutes halbes Jahr ist das Institut von Prof. Felix Löffler an der TUHH alt. Doch es hat schnell für Aufmerksamkeit gesorgt – auch dank eines weltweit erfolgreichen Instagram-Kanals

Treffen sich ein Deutscher, ein Tscheche und eine Griechin – so fangen normalerweise schlechte Witze an. In diesem Fall aber ist es der Anfang der bemerkenswerten Geschichte eines neuen Instituts an der Technischen Universität Hamburg (TUHH).

Gegründet wurde das Institut für Molekulare und Multimaterial-Fertigung bzw. Molecular and Multimaterial Manufacturing (i4M) im Herbst 2025. Initiator und Leiter des Instituts ist Prof. Felix Löffler. Der Physiker hatte zuvor unter anderem am Karlsruher Institut für Technologie gearbeitet. Zuletzt war er Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam. Mit seiner Erfindung, dem Multimaterial-Nano-3D-Drucker, hat er neue Wege eröffnet, funktionale Oberflächen zu gestalten, die aktiv auf Umwelteinflüsse reagieren können.

An Löfflers neuen Arbeitsplatz im i4M sind inzwischen die ersten Mitarbeitenden hinzugekommen: der tschechische Laser-Nanotechnologie-Experte Dr. Ondrej Havelka und die griechische Organische Chemikerin Dr. Alexandra Tsouka. Sie gehören zu einem der jüngsten Institute an der TUHH – und forschen gemeinsam in einem hochinnovativen Bereich.

Nanopartikel neutralisieren Rückstände von Antibiotika

Nahaufnahme mehrerer Mikropipetten, die in einem Halter im Labor stehen.
Foto: TUHH/Ferdinand Stoll
Wichtiges Arbeitswerkzeug: Mikropipetten im Labor des Instituts für Molekulare und Multimaterial-Fertigung

Das Team arbeitet an der Entwicklung neuer Methoden zum Drucken winziger Strukturen. Diese Methoden nutzen Laser, um Materialien mit hoher Präzision zu formen – sogar im Nanometermaßstab. Das ist weitaus präziser als herkömmliche 3D-Druck-Technologien. Dabei kommen verschiedene Materialien zum Einsatz, von Kunststoffen über Verbundwerkstoffe bis hin zu speziellen Mischungen aus organischen und anorganischen Substanzen. Ziel ist es, komplette Bibliotheken verschiedener Stoffe und Materialien zu erstellen.

In einer wichtigen Forschungsrichtung entwickeln Prof. Löffler und sein Team neue Methoden zur Erzeugung vielfältiger Nanopartikel. Viele dieser Nanopartikel zeigen hohe Leistungsfähigkeit in katalytischen Prozessen. Insbesondere auf Basis der Expertise von Dr. Ondrej Havelka im Bereich Laser-Nanotechnologie bezieht sich ein Anwendungsbeispiel auf mit Antibiotika belastetes Wasser. Antibiotika im Wasser können zur Entstehung multiresistenter Keime führen. Diese stellen eine große Gefahr für Menschen dar. Nanopartikel können Antibiotika neutralisieren, bevor sie die Umwelt verunreinigen. Darüber hinaus ermöglicht Havelkas Laseransatz die Nanopartikelsynthese im Wasser ohne den Einsatz toxischer Lösungsmittel oder Chemikalien. Dies verdeutlicht das breite Potenzial solcher Nanomaterialien für nachhaltige Technologien, etwa bei der Entwicklung effizienter Katalysatoren. Somit passt die Forschung am i4M perfekt zur Arbeit des Sonderforschungsbereichs SMART Reactors sowie des Exzellenzclusters BlueMat an der TUHH.

Als Felix Löffler 2024 das prestigeträchtige Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gewann, standen dem gefragten Wissenschaftler praktisch alle Türen offen. Doch unter den vielen Angeboten stach die TUHH heraus. „In vielen großen, etablierten Forschungseinrichtungen muss man sich in bestimmte Strukturen einfügen“, sagt Prof. Löffler. „Der größte Vorteil der TUHH war die enorme Freiheit, die mir hier eingeräumt wurde. Entscheidungen wurden extrem schnell und unkompliziert getroffen. So etwas habe ich vorher noch nie erlebt.“

Instagram-Video mit über fünf Millionen Aufrufen

Wie er die ersten Monate des neu gegründeten Instituts mit drei Worten zusammenfassen würde? Prof. Felix Löffler muss nur kurz überlegen: „Herausfordernd. Inspirierend. Und extrem vielversprechend. Wir haben praktisch bei Null angefangen. Natürlich bedeutet das viel Arbeit. Aber es gibt auch die Chance, alles neu zu gestalten. Es fühlt sich an wie eine Art Startup.“

Das passt auch zur Kommunikationsstrategie des Instituts. Löfflers Kollege Ondrej Havelka ist nicht nur ein erfolgreicher junger Wissenschaftler, sondern auch ein bekannter Content Creator. Er gründete den Instagram-Kanal ChemLab.X bereits an der Technischen Universität Liberec in Tschechien. Mit seinen selbstgemachten, humorvollen Kurzvideos über den Laboralltag erreicht Havelka heute ein weltweites Publikum. Das Video „Acid to Water“ – über die Gefahren beim Mischen von Wasser und Säure – wurde bisher mehr als fünf Millionen Mal angesehen.

„Wissenschaftskommunikation funktioniert heute oft so: Forschende erklären, und das Publikum hört zu“, sagt Ondrej Havelka. „Das ist wichtig. Aber wir brauchen auch etwas Unmittelbares, etwas mit Tempo, Humor und das visuell wirkt.“ Genau das liefern die Instagram-Videos auf dem ChemLab.X-Kanal. „Das ist eines der Grundsätze dieses Instituts: nicht nur anspruchsvolle wissenschaftliche Forschung, sondern sie auch mit viel Freude betreiben. Es gibt noch viele witzige Geschichten aus dem Labor zu entdecken.“

International und interdisziplinär

Die beliebten Videos helfen dem jungen Institut, sichtbarer zu werden und sich zu präsentieren – ebenso wie die TUHH insgesamt. Gleichzeitig vermitteln sie die Begeisterung der i4M-Mitarbeitenden für die Forschung. Das gilt auch für Dr. Alexandra Tsouka. Die Chemikerin wechselte im März von dem Biotechnologie-Unternehmen PEPperPRINT, mit dem das i4M eng zusammenarbeitet, an die TUHH. Für Tsouka war der Wechsel eine Rückkehr zur akademischen Forschung. „Was mich an der Arbeit hier fasziniert“, sagt Alexandra Tsouka, „ist, dass wir durch die Wissenschaft versuchen, das Leben der Menschen zu verbessern. Mein Fokus liegt besonders auf biologischen Anwendungen, wie der Entdeckung von Biomarkern für Krankheiten. Gleichzeitig ist die Arbeit für mich ein kontinuierlicher Lernprozess. Ich begann als reine Organische Chemikerin, habe aber im Laufe der Jahre viel über Biotechnologie, Immunologie und Ingenieurwissenschaften gelernt.“

Auch für Institutsleiter Felix Löffler liegt genau darin der Reiz: „Ein Grund, warum ich noch in der Forschung bin, ist, dass ich jeden Tag etwas Neues lernen kann, von dem ich zuvor keine Ahnung hatte. Wenn ich jeden Tag das Gleiche machen müsste, würde ich schnell die Motivation verlieren. Hier können wir gemeinsam wachsen und Neues ausprobieren.“

Die einzigartige interdisziplinäre Kultur des Instituts schafft ideale Voraussetzungen für diesen Ansatz. Das i4M geht weit über das hinaus, was man selbst in deutlich größeren Instituten typischerweise findet. „Diese Vielfalt sieht man schon in unserem Gründungsteam: eine Organische Chemikerin, ein Nanowissenschaftler“, sagt Prof. Löffler. „Und ich selbst bin eigentlich Physiker, der nie nur rein physikalisch gearbeitet hat, sondern immer in vielen verschiedenen Feldern. Es ist einfach spannend, in so einem vielfältigen, interdisziplinären und internationalen Team zu arbeiten.“

Und dieses Team soll in Zukunft weiter wachsen. Neue Kolleginnen und Kollegen werden hinzukommen und die Bereiche Ingenieurwesen und Biotechnologie erweitern. Auch das Institut selbst wird größer: Noch im Sommer zieht das i4M in neue Räumlichkeiten um. Mehr Platz für Spitzenforschung – und neue Drehorte für Laborvideos.

Institut für Molekulare und Multimaterial-Fertigung (i4M): https://www.tuhh.de/i4m/homepage

ChemLabX: https://www.instagram.com/chemlab.x/