23.04.2026

Softrobotik - mit flexiblen Materialien empfindliche Objekte handhaben

Foto: TU Hamburg/ Ferdinand Stoll
Softroboter bestehen aus nachgiebigen Materialien, die sich sanft, aber kontrolliert bewegen.

Statt harter Metallstrukturen stehen bei der Softrobotik nachgiebige Materialien, flexible Körper und sanfte Bewegungen im Mittelpunkt. So entsteht die Möglichkeit, sicher mit Menschen zu interagieren und empfindliche Objekte zu handhaben.

Bei dem Wort „Roboter“ denken Laien meist noch an eine Art „Mensch aus Metall“, mit Armen, Beinen, Torso und Kopf. So wie der goldige C-3PO aus „Star Wars“. Oder der böse T-800 aus „Terminator“. Solche Wesen sind noch immer Sci-Fi.

In der Praxis hat sich eine andere Art Roboter jedoch schon längst breit durchgesetzt: ein meist stationärer, starrer, hochpräziser 6-Achs-Knickarm, der für seine Aufgabe optimiert ist. Dieser kann zum Beispiel Teile greifen, vereinzeln und sortieren. Er kann stundenlang gleichmäßige Schweißnähte ziehen, Großserien lackieren und beschichten, Dichtmasse, Klebstoff oder Verguss präzise auftragen, Waren auf Paletten stapeln oder von diesen herunternehmen, schleifen, polieren und entgraten. Doch die Aufgaben müssen wiederholbar und klar definiert sein und in einer kontrollierten Umgebung stattfinden.

Die „Softrobotik“, an der Dr. Malte Grube am Institut für Mechanik und Meerestechnik der TU Hamburg forscht, dreht das Bild der menschlichen Maschine um. Softroboter bestehen aus nachgiebigen Materialien, die sich biegen, drehen und sicher berühren können. „Wir wollen die Verformungen der weichen Materialien nicht loswerden, sondern produktiv nutzen“, erklärt Grube.

Lebensnahe Anwendungen

So erreicht Robotik Bereiche, die bisher zu empfindlich oder zu menschlich waren, von der Pflege über die Rehabilitation bis zur Lebensmittelherstellung. Die zentrale Idee der Softrobotik ist nicht mehr maximale Kraft und Präzision, sondern kontrollierte Sanftheit. So entsteht eine Technologie, die Menschen entlastet, ohne sie zu gefährden.

In der nahen Zukunft wären dann Anwendungen beispielsweise in der Herstellung, der Logistik sowie im Gesundheitswesen denkbar. Weiche Greifer könnten Obst, Gemüse oder Backwaren schonend handhaben. Textile Exosuits könnten Hüft- oder Schulterunterstützung bieten beim Heben, bei Arbeiten über Kopf oder bei langen Stehschichten. Reha-Handschuhe und Soft-Orthesen erlauben ein intensiveres, alltagsnahes Training nach Schlaganfällen. Weiche, sichere Greifmodule an Rollstuhl oder Bett helfen beim Umsetzen, Waschen, Anziehen. Soft-endoskopische Tools schlängeln sich sanft durch enge anatomische Räume. Spezialisierte Inspektionsroboter übernehmen die Arbeit in gefährlichen oder schwer zugänglichen Bereichen, beispielsweise der Flughafentechnik, oder auch nach Naturkatastrophen.

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