16.07.2026

Abschlussarbeiten mit Karl H. Ditze-Preis prämiert

Studierende der TU Hamburg erhalten Preis für herausragende wissenschaftliche und soziale Leistungen
Foto: TU Hamburg/Bittcher
TU-Präsident Prof. Andreas Timm-Giel (links) und der Vertreter der Karl H. Ditze-Stiftung Rüdiger Schramm (rechts) gratulieren den Preisträger*innen zu ihren herausragenden akademischen Leistungen. Fritz Engeln erhält den Preis für seine Masterarbeit, Carla Roskothen für ihre Bachelorarbeit und Dr. Kathrin Kramm für die beste Doktorarbeit. Tutor und AStA-Mitglied Michael Schädel nimmt den Preis stellvertretend für die „Starting@TUHH“-Initiative entgegen

Exzellenz findet Anerkennung: Von brillanten Abschlussarbeiten, neuen Lösungen für die Industrie und gelebtem Teamgeist auf dem Campus – die Vergabe des fachübergreifenden Karl H. Ditze-Preises an der Technischen Universität Hamburg (TUHH) würdigte auch in diesem Jahr die enorme Bandbreite studentischer Leistungen. TUHH-Präsident Prof. Andreas Timm-Giel und der Vorsitzende der Karl H. Ditze-Stiftung, Rüdiger Schramm, ehrten im Karl H. Ditze-Hörsaal drei akademische Einzelleistungen sowie eine studentische Initiative. Das Preisgeld betrug insgesamt 6.000 Euro.

Datenreduktion für kürzere Rechenzeiten

Den Auftakt der Ehrungen machte Carla Roskothen. Sie studiert Informatik-Ingenieurwesen im Bachelor und erhielt den Preis für die beste Abschlussarbeit. Roskothen befasste sich mit der computergestützten Vorverarbeitung von Daten. Das Ziel ihrer Arbeit war es, komplexe und zeitaufwendige Rechenaufgaben für Computer mathematisch zu vereinfachen. Dafür wendete sie ein theoretisches Reduktionsverfahren an, das die Problemgröße auf einen wesentlich kleineren Kern beschränkt, sodass der Computer die Aufgabe theoretisch schneller lösen kann.

Roskothen untersuchte dies am Beispiel des sogenannten Zahlenpartitionierungsproblems, bei dem eine Menge von Zahlen möglichst gleichmäßig aufgeteilt werden muss. Für die Umsetzung wählte sie die Programmiersprache Rust. In der Praxis bewies sie, dass diese Reduktion die Laufzeit des nachgelagerten Korf-Algorithmus massiv verkürzen kann. Ihre Arbeit lieferte dabei auch eine wichtige Erkenntnis für die Praxis: Ein in der Theorie populärer, hochkomplexer Teilansatz bremste den Computer in den Tests sogar aus und erwies sich im Alltag als selten nötig.

Schlaue Steuerung für komplexe Maschinen

Im Bereich der Master-Arbeiten überzeugte der Mechatronik-Student Fritz Engeln. Er widmete sich einem zentralen Problem der modernen Regelungstechnik: Um das zukünftige Verhalten von komplexen Systemen wie Energienetzen und Windkraftanlagen vorausschauend anzupassen, nutzen Fachleute oft rein datengetriebene Modelle aus Messdaten. Das bereits vorhandene, physikalische Vorwissen über das System bleibt dabei jedoch häufig unberücksichtigt.

Engeln entwickelte eine neue Methode, die diese Lücke schließt. Er konstruierte mathematische Filter für die Ein- und Ausgangsdaten, wodurch das physikalische Vorwissen – wie etwa bekannte Eigenfrequenzen des Systems – direkt in ein datengetriebenes Modell einfließt. Systemverläufe werden dabei über eine strukturierte Matrix dargestellt. Durch die Einbindung dieser Vorinformationen sinkt der Einfluss von Störgrößen auf die Vorhersage deutlich, während die Genauigkeit der Zustandsbeschreibung steigt.

Brombeer-Struktur vs. Milchpulver-Klumpen

Den Preis für die beste Doktorarbeit des Jahres erhielt Dr. Kathrin Kramm. Ihre Arbeit am Institut für Feststoffverfahrenstechnik und Partikeltechnologie entstand in Zusammenarbeit mit dem Lebensmittelkonzern Nestlé. Kramm erforschte, wie sich pflanzliche Milchpulver besser in Wasser auflösen lassen. Bisher bilden sich beim Anrühren von Hafer-, Erbsen- oder Sojapulver oft unschöne Klumpen, was die Anwendung im Alltag erschwert.

Die Forscherin zeigte, dass man das Problem durch ein gezieltes Partikeldesign lösen kann. Durch die Steuerung von Prozessbedingungen und Materialeigenschaften verband sie Primärpartikel zu größeren, porösen Agglomeraten, die in ihrer Form einer Brombeere ähneln. Diese Morphologie verbessert die Benetzung und das Auflöseverhalten. Zudem lieferte sie durch ihre vierjährige Forschung mathematische Modelle, die zeigen, wie sich diese Struktur vom Labor direkt in den industriellen Produktionsmaßstab übertragen lässt.

Großer Einsatz für den optimalen Studienstart

Neben der Forschung stand auch das soziale Miteinander im Rampenlicht. Zum 25-jährigen Bestehen des Programms wurde die Tutor*innen-Initiative „StartING@TUHH“ ausgezeichnet. Dort helfen ältere Studierende Erstsemestern in wöchentlichen Tutorien dabei, Kontakte zu knüpfen und die Selbstorganisation im Studium zu meistern. Die Initiative hat auf diese Weise bereits über 20.000 Erstsemester erfolgreich in den „Universitätskosmos“ begleitet, wie die AStA-Vorsitzende Anna Miora Gerull in ihrer Laudatio betonte. Der Einsatz der Tutor*innen geht dabei weit über die Pflicht hinaus: Oft entstehen aus der Tätigkeit jahrelange, ehrenamtliche Netzwerke, die rund 80 Prozent aller Erstsemester erreichen.

Über den Preis

Die Karl H. Ditze-Stiftung fördert Hamburger Hochschulen und unterstützt gemeinnützige und soziale Projekte. Aus Mitteln der Stiftung werden an der TUHH unter anderem Studierende mit dem Deutschlandstipendium gefördert und studentische Projekte unterstützt. Die Stiftung vergibt den Karl H. Ditze-Preis an der TUHH für herausragende Bachelor- und Masterarbeiten sowie Dissertationen, studentische Initiativen oder Studierende, die sich in besonderer Weise um die TUHH verdient gemacht haben.