Im feierlichen Rahmen des Banketts der Microwave Theory and Technology Society (MTT-S) des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) wurde auch in diesem Jahr der IEEE MTT-S Microwave Application Award vergeben. Es war einer der Höhepunkte des in diesem Jahr in Boston stattfindenden International Microwave Symposiums. Ausgezeichnet wurde Prof. Alexander Kölpin, Leiter des Instituts für Hochfrequenztechnik an der TU Hamburg. Kölpin nahm den Preis für seine Arbeit im Bereich interferometrischer Radare für medizinische Anwendungen entgegen.
Das von Kölpin und seinem Team entwickelte Verfahren ermöglicht es, beispielsweise bei im Bett liegenden, aber bekleideten Personen Mikrovibrationen auf der Körperoberfläche zu messen – und das, ohne sie zu berühren. Dabei werden Atembewegungen und die vom Herzen ausgestoßene Pulswelle sowie akustische Herztöne erfasst. Mit Methoden des Maschinellen Lernens lassen sich aus diesen Parametern Aussagen zur aktuellen Herzfrequenz, Herzkreislaufproblemen, der Atmung und sogar Krankheiten wie Epilepsie oder Parkinson treffen.
Ehrung für 15 Jahre Pionierarbeit
Das grundsätzliche Konzept, Radar für Vitaldatenmessungen einzusetzen, ist nicht neu. Doch die Gruppe um Alexander Kölpin ist die einzige weltweit, die mit dem sehr speziellen Ansatz eines Millimeterwellen-Interferometers statt eines üblichen Radars arbeitet. Damit erhält man um mehrere Größenordnungen präzisere Messungen, als das üblicherweise der Fall ist.
Prof. Alexander Kölpin: „Auch wenn ich die Ehre habe, die Auszeichnung entgegenzunehmen, ist diese Anerkennung tatsächlich eine Teamleistung. Daher widme ich diesen Preis den mehr als 20 Promovierenden, die ich in den vergangenen 15 Jahren zu diesem Thema betreuen durfte. Durch ihre Begeisterung, Kreativität, harte Arbeit und unzählige innovative Ideen haben sie dazu beigetragen, das interferometrische Radar für medizinische Anwendungen von einem akademischen Forschungsthema zu einer vielversprechenden medizinischen Messtechnik für den zukünftigen klinischen Einsatz zu machen.“
Der IEEE MTT-S Microwave Application Awards wurde 2026 erst das vierte Mal in 50 Jahren nach Deutschland verliehen – und in diesem Fall an einen Wissenschaftler der TU Hamburg. Vergeben wird diese jährliche Auszeichnung von der Microwave Theory and Technology Society, die zum IEEE gehört. Die Fachorganisation IEEE mit Hauptsitz in New York ist die wichtigste und weltweit agierende Berufsvereinigung der Elektrotechnik und Ingenieurwissenschaften. Aktuell umfasst sie rund eine halbe Million Mitglieder weltweit.