Große Mengen an Abwasser und Lösungsmittelabfällen sind ein häufiges Problem der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Die Ursachen dafür liegen vor allem in den komplexen Produktionsprozessen mit vielen Lösungsschritten. Eine direkte Wiederverwendung der Stoffe ist oft schwierig – entweder wegen gesetzlicher Vorgaben oder weil passende, effiziente Trennverfahren fehlen.
Genau an diesem Punkt setzt die Forschung von Dr. András Tóth an. Seit März verstärkt er als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung für zwei Jahre das Team des Instituts für Systemverfahrenstechnik der Technischen Universität Hamburg (TUHH) unter der Leitung von Prof. Mirko Skiborowski.
Neue Dekarbonisierungsstrategie für die chemische Industrie
Tóth widmet sich der Entwicklung und Optimierung innovativer Trenntechnologien zur Abfallbehandlung in der chemischen Industrie. Sein Ziel ist es, Verfahren zu entwickeln, die möglichst wenig Energie verbrauchen, dabei maximal wirtschaftlich sind und gleichzeitig den CO₂-Ausstoß minimieren. Er verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Membranverfahren, Destillation und Prozesssimulation, zuletzt als Forschungsgruppenleiter und Assistenzprofessor an der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest (BME).
Gängige Verfahren zur Trennung von Flüssigkeiten in der Industrie basieren überwiegend auf der Destillation. Diese Methode ist seit langem etabliert, verbraucht allerdings sehr viel Energie und verursacht hohe CO₂-Emissionen. Da die EU bis 2050 eine klimaneutrale Wirtschaft anstrebt, besteht ein großer Bedarf, diese Prozesse umweltfreundlicher zu gestalten. Mögliche Lösungsansätze liegen im Einsatz spezieller Kolonnenteile, die durch intelligente Strömungsführung den Energieverbrauch senken, sowie die Nutzung von Abwärme aus anderen Prozessschritten. Auch Wärmepumpen, die niedrige Temperaturen effizient nutzen, und Hybridverfahren, die verschiedene Trennmethoden kombinieren, stehen im Fokus von Tóths Forschung. Sein ambitioniertes Ziel ist es, eine neue Dekarbonisierungsstrategie für die chemische Industrie zu entwerfen.
Über die Förderung
Die Alexander von Humboldt-Forschungsstipendien bieten herausragenden Wissenschaftler*innen aus aller Welt die Möglichkeit, ein selbst gewähltes, langfristiges Forschungsvorhaben in Kooperation mit einer Forschungseinrichtung in Deutschland durchzuführen. Für die sechs bis 24 Monate laufenden Stipendien können sich sowohl Postdocs als auch erfahrene Wissenschaftler*innen bewerben.
https://www.humboldt-foundation.de/bewerben/foerderprogramme/humboldt-forschungsstipendium
Weitere Informationen zu Dr. András Tóth und seine Forschungsarbeiten finden sich auf seinem ORCID-Profil.