Anlässlich des diesjährigen DUOday lud die TU Hamburg Menschen mit Behinderung zum nunmehr zweiten Mal zu einer Entdeckungstour auf den Campus der Universität ein. Der jährlich stattfindende Aktionstag ermöglicht es Menschen mit Beeinträchtigungen seit 2017, einen Tag lang Einblick in unterschiedliche Berufe zu gewinnen. Gleichzeitig bietet er Institutionen und Unternehmen die Chance, die Fähigkeiten und das Potenzial von Menschen mit Beeinträchtigung kennenzulernen. Hierfür bilden sie ein Duo und verbringen gemeinsam einen Arbeitstag.
Die Inklusionsbeauftragte Mareike Theeß sowie TU-Kanzler Arne Burda begrüßten die Teilnehmenden. Dabei stellten sie kurz die TU Hamburg vor, von deren 1.700 Beschäftigten rund 100 eine Schwerbehinderung haben oder einer solchen gleichgestellt sind. Anschließend lernten sich die Duos bei Franzbrötchen, Kaffee und Tee näher kennen, ehe es in die verschiedenen Arbeitsbereiche ging. Insgesamt kamen sieben Duos aus sieben Bereichen zusammen – dazu zählen das Rechtsreferat, das WorkingLab, das Career Center, das Institut für Produktionsmanagement und -technik, die Finanzabteilung, der BEM-Beauftragte (Betriebliches Eingliederungsmanagement) sowie die Inklusionsbeauftragte.
Mareike Theeß, die den Tag mit Bärbel Urbanek-Urbach und in Zusammenarbeit mit der Hamburger Arbeitsassistenz GmbH und den Elbewerkstätten organisiert hatte, gab Einblick in einen Teil ihrer Arbeit. Gemeinsam mit dem Politikwissenschaftler Daniel Fassian, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, und seiner Assistenz Hanna Braun inspizierten sie den Campus auf Barrierefreiheit. Sind die Zugänge gut erreichbar und sichtbar beschildert? Sind Toiletten uneingeschränkt nutzbar, mit leicht erreichbarem Waschbecken und Beleuchtung? Funktionieren automatische Türöffner zuverlässig und wie lange bleiben Türen offen? Was für viele Menschen unbemerkte Randnotizen des Alltags bleiben, sind für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen entscheidende bauliche Details, die darüber entscheiden, wie frei sie sich in ihrer Umwelt bewegen können.
Daniel Fassian wünscht sich deshalb, dass die Perspektiven von Menschen mit Beeinträchtigung bereits in der Planung eines Bauvorhabens einbezogen werden, sodass Barrierefreiheit nicht nachträglich dazu gedacht werden muss. „Wenn der Artikel 1 des Grundgesetzes ‚Die Menschenwürde ist unantastbar', mit Leben gefüllt werden soll, darf Barrierefreiheit kein Privileg sein", sagte Fassian. „Vielmehr muss sie eine Selbstverständlichkeit in der Gesellschaft werden. Die Universität als Abbild gesellschaftlicher Diversität sollte sich diesen Grundsatz ebenso zu eigen machen wie die Gesellschaft als Ganzes."
Arbeitskreis soll Campus inklusiver machen
Mareike Theeß empfand gerade den Perspektivwechsel, der durch den DUOday ermöglicht wird, als besonders wertvoll: „Der Tag hat mir vor Augen geführt, wie viel Organisation, Aufmerksamkeit und Energie Menschen im Rollstuhl im Alltag aufbringen müssen. Und ich war beeindruckt, mit wie viel Offenheit, Klugheit und Ehrgeiz Daniel diesen Herausforderungen begegnet." Theeß zeigte sich auch überrascht von den vielen Details, die ihr bei der Begehung des Campus ohne Daniel Fassian gar nicht aufgefallen sind: „Trotz persönlicher Sensibilisierung habe ich gemerkt, wie leicht Hindernisse übersehen werden, wenn man sie nicht selbst erlebt." Auch wenn auf dem Campus schon vieles für die Barrierefreiheit getan wurde, gibt es laut Theeß noch Dinge, die verbessert werden können. „In den begangenen Gebäuden gab es Rampen, automatische Türöffner oder entsprechende Zugänge und Behinderten-WCs. Leider waren diese nicht immer funktionstüchtig – das spricht meiner Meinung nach dafür, dass diese Hindernisse in den Köpfen noch präsenter werden müssen."
Seit Anfang des Jahres gibt es an der TU Hamburg deshalb den Arbeitskreis „Barrierefreier Campus", dem unter anderem die Schwerbehindertenvertretung, die Pressestelle, die Inklusionsbeauftragte, die Abteilung Arbeitssicherheit sowie die Beauftragten für Studierende mit Beeinträchtigung angehören. Zu den Aufgaben des Arbeitskreises gehört die Bestandsaufnahme der Gebäude hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit. Um Informationen zur Barrierefreiheit der TUHH-Gebäude möglichst unkompliziert zugänglich zu machen, sollen diese Daten anschließend in der „Wheelmap"-App von Raul Krauthausen, einem Aktivisten für Inklusion und Barrierefreiheit, erfasst und veröffentlicht werden.
Der Hamburger DUOday wird von alsterarbeit gGmH, ARCHE NOVA gGmbH, ARINET GmbH, Impuls Reha & Arbeit gGmbH, Das Rauhe Haus, Die Fähre gGmbH, Elbe-Werkstätten GmbH, Hamburger Arbeitsassistenz GmbH und Leben mit Behinderung Hamburg organisiert.