07.05.2026

Die geheimen Muster der Musik

Bei der ersten Future Lecture des Jahres ging es um faszinierende Ähnlichkeiten von Strukturen in Natur und Kunst
Foto: TU Hamburg/ Bittcher
Bereit für die Future Lecture: Vizepräsident für Lehre Prof. Thorsten Kern, Vizepräsident für Forschung Prof. Irina Smirnova, Dr. Simon Linke, Prof. Georg Hajdu und Präsident Prof. Andreas Timm-Giel

Was haben Blumenkohl, neuronale Netze und maurische Mosaike gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Wer aber genauer hinschaut, erkennt auffällige Parallelen: Überall zeigen sich Strukturen, die sich auf jeder Betrachtungsebene wiederholen. Dass dies auch für die Musik gilt, zeigte die neueste Future Lecture an der TU Hamburg. Der Titel: „Wenn Strukturen sich selbst zitieren – Fraktale, Selbstorganisation, Selbstähnlichkeit und warum alles tief in der Musik steckt“.

Die beiden Referenten des Abends im Audimax II sind Experten auf diesem Gebiet. Prof. Georg Hajdu ist Komponist und Professor für Multimedia-Komposition an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Darüber hinaus leitet er das interdisziplinäre ligeti zentrum – Heimat für Forschungsprojekte, in denen Künste und Wissenschaft, Kultur und Technik sowie Musik und Medizin zusammenkommen.

Sein Kollege, Dr. Simon Linke, ist Dozent für Systematische Musikwissenschaft an der Universität Hamburg und wissenschaftlicher Mitarbeiter am InnoLab der HAW Hamburg. Linke betonte in seinem Vortrag, wie sich in der Natur wiederholende Muster auf allen Ebenen erkennen lassen: „Die Selbstähnlichkeit ist ein grundlegender Mechanismus, den wir überall finden: Ich zoome eine Ebene tiefer, und es sieht wieder genauso aus. In der Musik ist es ebenso. Auch die Grundlage einer Saitenschwingung zum Beispiel ist ein fraktales Phänomen.“ Musik, so Linke weiter, bewege sich stets im Spannungsfeld zwischen Chaos und Ordnung, zwischen Komplexität und Einfachheit.

Außergewöhnlicher Raum für interdisziplinären Austausch

Wie Linke spielte auch Prof. Georg Hajdu in seinem Vortrag zahlreiche Musikbeispiele ein, darunter von Johann Sebastian Bach und György Ligeti (1923-2006), dem das liegti zentrum seinen Namen verdankt. Doch Hajdu – selbst nicht nur Komponist, sondern auch studierter Molekularbiologe – spannte den Bogen noch weiter. Er zeigte, wie Forscher und Künstler unterschiedlichster Bereiche sich in ihrer Arbeit mit den ähnlichen Strukturen und Mustern beschäftigten – darunter der britische Mathematiker Roger Penrose und der niederländische Grafiker M. C. Escher.

Im Anschluss an die Vorträge gab es Gelegenheit für die Zuhörenden und Referenten, sich bei Getränken auszutauschen. Prof. Irina Smirnova, Vizepräsidentin für Forschung an der TUHH: „Die Future Lectures bringen regelmäßig unterschiedliche Perspektiven auf zentrale Zukunftsfragen der Wissenschaft zusammen. Die heutige Lecture macht dabei besonders deutlich, wie fruchtbar das Zusammenspiel von Wissenschaft und Kunst sein kann: In der Zusammenarbeit entstehen neue Ausdrucksformen und Sichtweisen. Das ligeti zentrum schafft hierfür einen außergewöhnlichen Raum für interdisziplinären Austausch. Umso mehr freut es uns, dass das ligeti zentrum in Harburg beheimatet ist und eng mit der TU Hamburg zusammenarbeitet.“

Inhaltlich war die Veranstaltung die perfekte Einstimmung auf die International Computer Music Conference (ICMC) des ligeti zentrums. Bei der Konferenz wird Hamburg-Harburg vom 10. bis 16. Mai zum internationalen Zentrum für computergestützte Musik: Rund 300 Wissenschaftler*innen, Musiker*innen und Entwickler*innen aus aller Welt kommen zur ICMC zusammen. Neben einem umfangreichen Fachprogramm richten sich zahlreiche Konzerte und Veranstaltungen auch an die breite Öffentlichkeit.

Weitere Informationen zur ICMC 2026:

https://icmc2026.ligeti-zentrum.de/