22.10.2026

Was Studierende von KI im Studium erwarten

Erste Ergebnisse aus „AI in Education“: Über 500 Studierende geben in der Bedarfserhebung Einblick in ihren KI-Alltag
Über 500 Studierende haben sich an der Befragung zu ihrer KI-Nutzung beteiligt. Foto: TU Hamburg

Mit dem Chatbot „inTU“ für Erstsemesterstudierende ist das Projekt „AI in Education“ der Technischen Universität Hamburg (TUHH) Anfang Oktober sichtbar gestartet. Im Hintergrund arbeiten seit dem Sommer mehrere Working Groups daran, den Einsatz von KI in Studium und Lehre zu gestalten. Damit bereiten sie eine KI-Strategie für die TU Hamburg vor. Eine wichtige Grundlage dafür sind die Bedarfe derjenigen, die KI täglich nutzen. Die Working Group 6 „Empowerment und Stakeholder“ hat deshalb vom 1. bis 17. Juli 2026 eine Bedarfserhebung unter den Studierenden durchgeführt. Beteiligt haben sich über 500 Studierende aus allen Studiendekanaten, das sind ca. 8 Prozent aller Studierenden der TU Hamburg.

Die Ergebnisse zeigen, wie selbstverständlich KI im Studium bereits ist. 55 Prozent der Befragten nutzen KI-Tools täglich oder sogar mehrmals täglich, weitere 32 Prozent mehrmals pro Woche. Am häufigsten setzen die Studierenden KI ein, um Verständnisfragen zu klären. 87 Prozent sagen, dass KI sie bei schwierigen Aufgaben unterstützt, und 76 Prozent haben den Eindruck, effizienter zu lernen.

Zwischen Effizienzgewinn und Halluzinationen

Einen unkritischen Umgang mit KI zeigen die Ergebnisse nicht. 78 Prozent der Befragten sehen das Risiko, dass KI Fehler und Falschaussagen erzeugt. 85 Prozent geben an, KI-generierte Inhalte regelmäßig auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Viele beobachten auch Veränderungen an sich selbst: 77 Prozent fühlen sich stärker von technischen Hilfsmitteln abhängig, und 42 Prozent sagen, dass sie oberflächlicher lernen. 65 Prozent befürchten, das Verfassen von Texten zu verlernen.

Deutlich wird außerdem der Wunsch nach Orientierung. Im Umgang mit den rechtlichen Vorgaben zur KI-Nutzung in Prüfungsleistungen fühlt sich nur gut ein Drittel der Befragten sicher. Klare Richtlinien zur KI-Nutzung halten 75 Prozent für sehr wichtig. Noch höher bewertet wird nur ein Punkt: 78 Prozent ist es sehr wichtig, dass Gruppenübungen erhalten bleiben. Auch die Frage der Chancengleichheit beschäftigt viele. 43 Prozent nutzen kostenpflichtige KI-Abonnements, und 46 Prozent machen sich Gedanken darüber, dass nicht alle den gleichen Zugang zu KI-Tools haben.

Datenschutz im Blick

Die Ergebnisse zeigen auch, warum der Ansatz von „AI in Education“ bei den Studierenden auf Zustimmung stoßen dürfte. Bei der Mehrheit der Befragten (72 Prozent) bestehen Datenschutzbedenken beim Gebrauch von KI-Tools. Einige wünschen sich in den offenen Antworten ausdrücklich eine lokale KI der TU Hamburg. Die Anwendungen des Projekts laufen auf eigenen Servern der Universität und nutzen lokale Modelle, ganz ohne kommerzielle Anbieter. Ähnlich differenziert bewerten die Studierenden den Einsatz von Learning Analytics, also die Auswertung von Lerndaten. KI-gestützte Kurs- oder Literaturempfehlungen befürworten 73 Prozent, Feedback zu Aufgaben 64 Prozent. Bei der Benotung von Studienleistungen sind es dagegen nur 18 Prozent.

Vertiefung in Fokusgruppen

Wie verändert KI das Lernen? Welche Regeln braucht es an der TU Hamburg? Und welche Kompetenzen und technischen Angebote wünschen sich Studierende? Diesen Fragen geht die Working Group 6 im Oktober in moderierten Gruppendiskussionen nach, sogenannten Fokusgruppen. Sie sollen die Ergebnisse der Bedarfserhebung vertiefen. Im Mittelpunkt steht der Austausch der Studierenden untereinander, das Projektteam gibt lediglich Impulse.

Wie es weitergeht

Bedarfserhebung und Fokusgruppen bilden die Grundlage, um die nächsten KI-Tools und Schulungsangebote an der TU Hamburg zielgruppengerecht zu planen. Damit diese Angebote auch zu den Bedürfnissen von Lehrenden und Verwaltung passen, folgen weitere Bedarfserhebungen in der Verwaltung von Studium und Lehre sowie unter den Lehrenden. Die Ergebnisse der Studierenden, einschließlich erster Erkenntnisse aus den Fokusgruppen, stellt die Working Group 6 beim Tag der Lehre am 12. November 2026 auf dem Markt der Möglichkeiten vor.

Weitere Informationen zum Projekt „AI in Education“

Kontakt
 Laura Daldrop
 Referentin für Lehrangelegenheiten
 AI in Education, Working Group 6
 laura.daldrop(at)tuhh(dot)de