KI liefert Code, Simulationen und Entwürfe in Sekunden – beurteilen kann sie nur, wer die Grundlagen beherrscht. Mit dem Projekt „AI in Education“ gestaltet die Technische Universität Hamburg ihre Lehre für dieses Zusammenspiel von Mensch und Maschine.
KI schreibt Code, rechnet Simulationen und liefert erste Entwürfe in Sekunden. Das verführt zu dem Schluss, man brauche künftig weniger Grundlagen. Das Gegenteil ist der Fall. Wer beurteilen will, ob ein maschinelles Ergebnis physikalisch hält, herstellbar und sicher ist, muss die Physik dahinter verstanden haben. Der Mensch wird zum Maßstab, an dem die Maschine gemessen wird, und einen Maßstab, den man nicht besitzt, kann man nicht anlegen. Genau hier setzt die Technische Universität Hamburg an und verbessert ihre Lehre in einer Balance aus Grundlagen, kritischer Kompetenz im Umgang mit neuen Werkzeugen und notwendiger Bewertungs- und Entscheidungsfähigkeit.
Diese Justage ist kein Verlust von Bestehendem, sondern die Chance für eine neue Form des Lehrens und Lernens. In dieser Ergänzung unserer Lehrmöglichkeiten werden die Grundlagen weiterhin durch reale Persönlichkeiten vermittelt, die für ihr Fach brennen. Gerne unterstützt durch KI-Werkzeuge, die unter Verantwortung der Lehrenden arbeiten. Diese Werkzeuge kuratieren persönliche Übungen, stellen Challenges, geben Rückmeldung zu jeder Tageszeit und passen sich dem Lernstand an, auch in großen Lehrveranstaltungen. Die fachliche Kontrolle und der sorgsame Umgang mit Lerndaten liegen dabei bei den Lehrenden. Lehre wird dadurch handlungsorientierter, weil Studierende, dem Leitbild der TU Hamburg folgend, praxisnahe Fragestellungen in Teams und mit ihren Dozierenden zusammen bearbeiten, während das KI-Werkzeug in Abstimmung mit den Lehrenden Hilfestellung gibt oder gezielt den Schwierigkeitsgrad erhöht. Selbst das Prüfen verändert sich. Künftig geht es weniger darum, reproduzierbares Wissen abzufragen, und mehr darum, eigene Entscheidungen zu beurteilen und zu vertreten. Die Grundlagen werden weiterhin ohne KI erworben und nachgewiesen.
Die Wirkung reicht über die Lehre hinaus. Wo KI-Werkzeuge die Verwaltung entlasten, wollen wir die frei werdende Zeit bewusst in die persönliche Betreuung der Studierenden investieren, denn die kann keine Maschine ersetzen. Handlungsorientierte Lehre und menschliche Begegnung sind seit Jahrtausenden der Schlüssel zum Lernen. Die neuen Werkzeuge erlauben nun, die Ausbildung auch in einem stark veränderlichen Berufsfeld so auszurichten, wie sich die Tätigkeit in der Praxis bereits abzeichnet. Der Mensch entscheidet und steht dafür ein, die KI erzeugt und assistiert. Die TU Hamburg folgt damit ihrer Vision von der Einheit aus Forschung und Lehre, mit soliden und fundamentalen Grundlagen als unveränderliche Qualifikation, aber getragen von persönlicher Betreuung und Präsenz im Erleben von Entscheidungen und Projekten auf dem Campus.
Um all das zu ermöglichen, verfolgen wir seit Anfang 2026 das Projekt „AI in Education“. In sieben Arbeitsgruppen (Working Groups) erarbeiten wir die technische, organisatorische und didaktische Basis, um KI in der Lehre der TU Hamburg systemisch zu etablieren, getreu unserem Leitbild „Technik für den Menschen“. Dabei bleibt klar, dass KI Fehler macht und deshalb nie unkontrolliert bewertet und prüft. Projektziel ist eine Umgebung, die ermöglicht und befähigt, mit klaren Regeln zu Rechtsfragen und Datenschutz, mit Wahlfreiheit für Lehrende und mit einer Ethik, die einem nachhaltigen ingenieurwissenschaftlichen Selbstverständnis folgt.