Forschende des Instituts für Organisationsdesign und Collaborative Engineering (ODCE) an der Technischen Universität Hamburg (TUHH) haben nachgewiesen: Ein einziges informelles Mittagessen zwischen unbekannten Personen aus verschiedenen Unternehmen kann die Wahrscheinlichkeit neuer Berufskontakte, kreativen Wissensaustauschs und nachhaltiger Zusammenarbeit drastisch steigern — auch über Branchen-, geografische und Geschlechtergrenzen hinweg.
Harold Gamero, Prof. Dr. Tim Schweisfurth und Harini Marudavanan vom ODCE führten vier Runden Feldexperimente in einem Technologiepark in Hamburg durch, in dem rund 800 Mitarbeitende aus 120 kleinen und mittelständischen Unternehmen tätig sind. Teilnehmende wurden per Zufall Tischen bei kostenlosen „Lunch-Roulette"-Mittagessen zugeteilt — informelle Begegnungen, die gezielt Menschen aus verschiedenen Firmen zusammenbrachten. Auf Basis von 876 dyadischen Interaktionen zeigte das Team, dass ein einziges gemeinsames Mittagessen berufliche Beziehungen initiieren, vertiefen und erhalten kann. Die Ergebnisse sind für alle Führungskräfte und Organisationen relevant, die kostengünstig und pragmatisch grenzüberschreitende Zusammenarbeit fördern möchten.
Teilnehmende, die beim Lunch-Roulette am gleichen Tisch saßen, knüpften mit 21,98-fach höherer Wahrscheinlichkeit neue berufliche Verbindungen, zeigten 3,68-fach stärkere bestehende Beziehungen und waren fünfmal mehr bereit, kreativ zusammenzuarbeiten, in Kontakt zu bleiben und ein Folgetreffen zu vereinbaren. Eine Metaanalyse über alle fünf Outcomes bestätigte starke, konsistente Effekte ohne Heterogenität (I² = 0,0 %).
Die Studie untersuchte zudem, ob die Intervention typische Kooperationsbarrieren überbrückt. Geografische Distanz und Branchenunterschiede — üblicherweise bedeutende Hindernisse — wurden in der Interventionsgruppe vollständig neutralisiert. Geschlechterunterschiede wurden weitgehend überbrückt. Netzwerk-Nicht-Redundanz und funktionale Unterschiede wurden teilweise überwunden. Hierarchische Distanz erwies sich gegenüber kurzen, zufälligen Begegnungen als am widerstandsfähigsten.
Eine qualitative Folgebefragung acht Monate nach der Intervention zeigte, dass einige Beziehungen durch sporadischen Kontakt, Vertrauen und Vertrautheit fortbestanden und vereinzelt zu konkreten Kooperationsplänen führten. Viele Teilnehmende hoben zudem den sozialen und psychologischen Mehrwert hervor — das Gefühl, wahrgenommen zu werden, sich wohlzufühlen und dazuzugehören. Dies deutet darauf hin, dass konstruierte Zufälle nicht nur unmittelbare Zusammenarbeit fördern, sondern auch relationale Infrastruktur aufbaut.
Ergebnisse interaktiv erkunden: timtisc83.github.io/odce-research-news/odce-results-dashboard.html
Ansprechpersonen:
Prof. Dr. Tim G. Schweisfurth
Institute for Organizational Design and Collaboration Engineering
Hamburg University of Technology
Am Schwarzenberg-Campus 4
Room 3.019/Building D
21073 Hamburg
phone: +49 (0)40 42878-4070