Start für DECARBOMILE

Hamburg testet urbane Logistik auf dem Wasser

sechs Personen stehen auf einem kleinen Boot im Hamburger Hafen, vor ihnen eine gelbe Postkiste mit Briefen.
Briefe und Pakete werden per Schiff in die Hamburger Innenstadt gebracht. Auf der Barkasse sind die Projektpartner*innen dabei: Arne Wiard Ditzmann, DHL Projektpartner DeCarboMile, Anna-Lena Tutlys, Auszubildende DHL, Katharina Beck, TU Hamburg, Dean Dressler, Flotte Hamburg, Peter Seipolt, Flotte Hamburg, Prof. Heike Flämig, TU Hamburg (v.l.n.r.). Fotos: TU Hamburg/Kai Hornburg

Die Paketdienstbranche in Deutschland boomt: Seit Jahren steigt die Zahl verschickter Pakete – und damit auch der CO2-Ausstoß, der durch den Transport entsteht. Um die Auslieferung klimaneutral und für die Menschen verträglich zu gestalten, müssen alternative Transportmittel gefunden werden. Wie das gelingen kann, hat das Horizon EuropeProjekt „DECARBOMILE – Five pillars to DECARBOnize the last MILE logistics“ nun getestet.

Ziel des Projekts ist es, Lösungen für eine klimafreundliche Logistik auf der letzten Meile zu erproben. Ein Schwerpunkt liegt auf der Nutzung von Wasserwegen für den Pakettransport, um städtische CO2-, Lärm- und Schadstoffemissionen zu senken und die Straßeninfrastruktur zu entlasten. Die Projektpartner haben seit 2023 Konzepte für den Einsatz innovativer Transportmittel entwickelt. Für das „Living Lab Hamburg“ wurde in der sechswöchigen Testphase ein Boot eingesetzt, das mit dem erneuerbaren Kraftstoff HVO100 betrieben wird. Dieser kann die CO2-Emissionen im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen deutlich reduzieren und ermöglicht realitätsnahe Demonstrationen auf Kanälen und Fleeten.

Um dieses Szenario Wirklichkeit werden zu lassen, haben Heike Flämig, Professorin für Transportketten und Logistik an der TU Hamburg gemeinsam mit ihren wissenschaftlichen Mitarbeitenden Katharina Beck, Fabian Fermazin und Jutta Wolff, mehrere Jahre mit Projektpartnern aus Hamburg und ganz Europa zusammengearbeitet. Jetzt konnte im Rahmen des DECARBOMILE- Projekts eine Paketzustellung unter Einbindung der Wasserstraße erstmals in Hamburg getestet werden.

Innovative Logistik in der Stadt einsetzen

Auf der vorletzten Meile werden Pakete mithilfe einer Barkasse aus Billbrook über das Fleet- und Kanalnetz in die Innenstadt transportiert. Die letzte Meile erfolgt anschließend emissionsfrei per Elektrolastenrad. Während der Vorbereitung wurden wichtige Erkenntnisse zur urbanen Logistik und zur Nutzung der Hamburger Wasserstraßen gewonnen. Sie fließen in die aktuelle Erprobung und in zukünftige Projekte zu emissionsfreien Transportketten ein. Prof. Dr.-Ing. Heike Flämig erklärt: „Durch das Living Lab können wir zeigen, dass Transporte für die (vor-)letzte Meile über das Wasser auch in Hamburg möglich sind. Die vielen gewonnenen Erkenntnisse werden wir für zukünftige Projekte aufbereiten, um einen maximalen Nutzen für die Stadt, die Gesellschaft, die Umwelt und die Wirtschaft realisieren zu können.“

Für die Deutsche Post ist emissionsfreie und -arme Zustellung ein wichtiges Thema. Katharina Putz, Deutsche Post DHL Niederlassungsleiterin Hamburg sagt: „Wir stellen bereits heute unsere Sendungen im gesamten Hamburger Stadtgebiet zu mehr als 80 Prozent emissionsfrei zu. Dennoch haben wir uns gerne an dem Projekt beteiligt, um gemeinsam mit der Stadt eine mögliche Nutzung der Hamburger Wasserwege zu testen.“

In Hamburg arbeiten TU Hamburg, Logistik-Initiative Hamburg, Bezirk Hamburg-Mitte, Senatskanzlei, die Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation, Deutsche Post DHL und NMS New Mobility Solutions zusammen. Das Projekt baut auf Erkenntnissen der Machbarkeitsstudie „Water Cargo Barge“ und des EU-Projekts „AVATAR“ auf.  Neben Hamburg testen auch Logroño (Spanien), Nantes (Frankreich) und Istanbul (Türkei) bimodale Zustelllösungen. DECARBOMILE ist Teil des EU-Forschungsprogramms Horizont Europa und trägt dazu bei, Wasserwege als nachhaltige Verkehrsachsen der Zukunft weiterzuentwickeln.

Mehr Informationen: DECARBOMILE in Hamburg: Was passiert? - hamburg.de

 

ein Mann trägt zwei gelbe Postkisten
Die Post wird von der Barkasse auf ein Elektrolastenrad verladen