Missglückte Experimente, überraschende Ergebnisse und Situationen, die viele Forschende aus ihrem Laboralltag kennen: Dr. Ondřej Havelka von der Technischen Universität Hamburg (TUHH) macht daraus humorvolle Kurzvideos – und erreicht damit ein Millionenpublikum. Für seine Wissenschaftskommunikation ist der Forscher vom Institut für Molekulare und Multimaterial-Fertigung nun von der American Chemical Society (ACS) ausgezeichnet worden. Geehrt wurde er im Rahmen des ACS Fall 2026, die in Chicago stattfand. In der neu eingeführten Kategorie „Leadership in Science Outreach and Engagement“ würdigt die ACS Havelka für sein besonderes Engagement, Wissenschaft auch über die akademische Gemeinschaft hinaus zugänglich zu machen.
Auf seinem Instagram-Kanal „ChemLab.X“ greift Havelka Situationen und Herausforderungen auf, die Forschende aus ihrem Arbeitsalltag kennen. Insgesamt wurden seine Kurzvideos mehr als 20 Millionen Mal aufgerufen. Mit Humor geben sie nicht nur Einblicke in Wissenschaft selbst, sondern auch in ihre Kultur und den Forschungsalltag. Über Social Media hinaus hat Havelka mehr als 50 populärwissenschaftliche Artikel veröffentlicht, darunter Beiträge für die tschechische und slowakische Ausgabe von WIRED, und an internationalen Projekten zur Wissenschaftskommunikation mitgewirkt.
Humor verbindet über Fachgrenzen hinweg
„Humor funktioniert in der Wissenschaft, weil so viele von uns ähnliche Situationen wiedererkennen – unabhängig von der jeweiligen Fachrichtung“, sagt Ondřej Havelka. „Ich bin Prof. Felix Löffler und dem Studiendekanat Verfahrenstechnik besonders dankbar für ihre Unterstützung im Nominierungsprozess und freue mich sehr, Teil des Instituts für Molekulare und Multimaterial-Fertigung zu sein. Zum Glück bleiben die meisten unangenehmen Situationen, die in den Videos vorkommen, auf eben diese Videos beschränkt, während wir die schönsten Seiten des wissenschaftlichen Lebens tatsächlich selbst erleben dürfen.“
Für Havelka ist Humor jedoch mehr als eine Möglichkeit, Wissenschaft unterhaltsam zu vermitteln. Er kann auch einen leicht zugänglichen Einstieg bieten, um die Welt hinter wissenschaftlichen Ergebnissen besser zu verstehen. „Wir sind oft sehr gut darin, die Ergebnisse von Wissenschaft zu vermitteln, aber deutlich weniger gut darin, die Welt zu erklären, in der diese Ergebnisse entstehen“, sagt Havelka.
Künftig möchte Havelka diesen Ansatz über einzelne wissenschaftliche Ergebnisse hinaus weiterentwickeln. „Die nächste große Aufgabe der Wissenschaftskommunikation besteht nicht darin, Wissenschaft immer einfacher zu machen, sondern darin, das Wissenschaftssystem selbst verständlich zu machen“, sagt Havelka. „Menschen sollten nicht erst dann von Entdeckungen erfahren, wenn sie erfolgreich waren. Sie sollten auch verstehen, warum wir in Forschung investieren, bevor wir wissen, wohin sie führen wird, warum auch ein erfolgloser Weg zum Fortschritt beitragen kann und warum der Wert von Grundlagenforschung manchmal erst Jahre oder sogar Jahrzehnte später sichtbar wird.“
Internationale Anerkennung im Jubiläumsjahr
Havelkas Auszeichnung durch die ACS ist besonders bemerkenswert in ihrem internationalen Kontext. Von den weltweit insgesamt 64 Ehrungen in der Kategorie „Leadership in Science Outreach and Engagement“ des Graduate Student and Postdoctoral Scholars Recognition Program ist Havelka einer von nur zwei Ausgezeichneten, die einer europäischen Institution angehören, und der einzige von einer deutschen Institution.
Mit mehr als 150.000 Mitgliedern in 140 Ländern gehört die American Chemical Society zu den größten wissenschaftlichen Fachgesellschaften der Welt. In ihrem 150. Jubiläumsjahr wurde die Kategorie „Leadership in Science Outreach and Engagement“ erstmals vergeben.