Für sein herausragendes wissenschaftliches Lebenswerk ehrte die Deutsche Gesellschaft für Akustik e.V. (DEGA) den TUHH-Professor Otto von Estorff mit der Helmholtz-Medaille 2026 – einer der höchsten Auszeichnungen der Fachgesellschaft. Die Auszeichnung würdigt seine wegweisenden Beiträge in Forschung und Anwendung numerischer Berechnungsverfahren auf dem Gebiet der Akustik.
Prof. Sabine Langer, Leiterin des Instituts für Akustik und Dynamik an der TU Braunschweig, würdigte in ihrer Laudatio auf der Jahrestagung für Akustik (DAGA) in Dresden von Estorffs fachliches und persönliches Wirken: „Als Gutachter meiner eigenen Dissertation bist du ein wesentlicher Bestandteil meines wissenschaftlichen Stammbaums. Deine Leidenschaft für Forschung, Lehre und Transfer ist außergewöhnlich. Deine optimistische und mitnehmende Art und deine große Gestaltungskraft ist Vorbild für die nachfolgenden Generationen.“
Von Estorff bedankte sich herzlich für die Auszeichnung, stellte aber auch klar: „Eine Laudatio hat eine wunderbare Eigenschaft – sie erzählt den Weg meist etwas geradliniger, als er tatsächlich war. Die kleinen Umwege, Zweifel und Experimente zwischen den Erfolgen bleiben dabei meist diskret im Hintergrund. Gerade deshalb weiß ich: Diese Auszeichnung gehört nicht nur mir. Sie gehört auch den Menschen, die mich begleitet haben.“
Geboren 1957 in Menden, begann von Estorff sein Studium des Bauingenieurwesens an der Ruhr-Universität Bochum, wo er 1986 mit einer Dissertation zur dynamischen Wechselwirkung von Bauwerken und ihrer Umgebung promovierte. Nach einem Forschungsjahr am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) und mehreren Jahren in der Industrie folgte er 1997 dem Ruf an die Technische Universität Hamburg. Dort übernahm er die Professur für Strukturdynamik im Arbeitsbereich Mechanik und Meerestechnik.
2004 gründete er das Institut für Modellierung und Berechnung an der TUHH. Hier widmete er sich sowohl der Grundlagenforschung, etwa als Sprecher des Graduiertenkollegs Meerestechnische Konstruktionen, sowie der konkreten Anwendung, unter anderem in Kooperation mit der Luftfahrtindustrie zu Kabinenakustik.
Neben seiner Forschungsarbeit gestaltete er die TUHH vielfältig mit – unter anderem als Studiendekan, Sprecher des Forschungsschwerpunkts Luftfahrttechnik und Vizepräsident für Forschung. Mit der Einführung eines der ersten Universitätskurse in Numerischer Akustik in Deutschland hat er zudem die akademische Ausbildung auf diesem Spezialgebiet maßgeblich geprägt. Als kommissarischer Präsident des Northern Institut of Technology Management (NIT) bleibt er der TUHH bis heute erhalten.

