Integrierter Güterverkehr in Ballungsräumen - Stand in Theorie und Praxis

Das Forschungsvorhaben verfolgt das Ziel, geeignete integrierte Ansätze zu identifizieren, die dazu beitragen, den Wirtschaftsverkehr nachhaltig und stadtverträglich zu gestalten. Zudem sollen die Umsetzungsbedingungen analysiert werden, um zielgerichtete Handlungsempfehlungen formulieren und damit politische Grundsatzentscheidungen vorbereiten zu können. Es wurde unter anderem eine umfassende Fallbeispielsammlung erarbeitet, die hier online einsehbar ist.


Laufzeit: 01.10.2001 bis 30.06.2003

Auftraggeber/Finanzierung: Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen
Forschungsprogramm Stadtverkehr 2001

Bearbeitung: Heike Flämig (Leitung), Cand.-Ing. Christian Blank, Dipl.-Geogr. Christof Hertel


Hintergrund und Problemstellung

Die jüngeren Entwicklungen im Bereich von Konsum, Ökonomie und Technologie verändern die Anforderungen an die klassische Logistik. Eine relativ junge Triebkraft in diesem Transformationsprozess bilden die internetbasierten Technologien, die zur Neugestaltung traditioneller Geschäftsprozesse (E-Business, E-Logistics usw.) beitragen.

Infolge dieser veränderten Rahmenbedingungen eröffnen sich für die Unternehmen andere Mög­lichkeiten der räumlich-organisatorischen Markterschließung. Es kommt zu einem mengenmäßig und räumlich veränderten Güter- und Warenangebot, da die Ablauforganisation (z. B. Cross-Docking ), die Standort­wahl (regionale E-Logistikzentren usw.) und die logistische Infrastruktur (z. B. Pickup-Points) an diese neuen Herausforderungen unter einzelwirtschaftlichen Interessen angepasst werden. Die unter ökonomischen Effizienz- und Effektivitätskriterien optimierte Unternehmensstrategie und Logistik hat die Zusammensetzung, Struktur und Abwicklung des Wirtschaftsverkehrs stark verändert.

Heute liegen viele theoretische und praktische Lösungsansätze für eine nachhaltige und stadtverträgliche Gestaltung des Wirtschaftsverkehrs vor. Es fehlt jedoch an einer strukturierten Übersicht. Des weiteren fällt bei einer genaueren Betrachtung auf, dass sich Lösungsansätze entweder überhaupt nicht oder nicht im ursprünglich gedachten Umfang realisieren ließen. Dabei sind Erkenntnisse über die technisch-organisatorischen Umsetzungsbedingungen ebenso von Bedeutung wie die Erfolgs­bedingungen und Umsetzungsbarrieren des Planungsprozesses selbst, die heute entweder nicht bekannt sind oder zumindest im Prozess keine Berücksichtigung finden.

Ziel und Forschungsfragen

Das Forschungsvorhaben verfolgt das Ziel, geeignete integrierte Ansätze zu identifizieren, die dazu beitragen, den Wirtschaftsverkehr nachhaltig und stadtverträglich zu gestalten. Zudem sollen die Umsetzungsbedingungen analysiert werden, um zielgerichtete Handlungsempfehlungen formulieren und damit politische Grundsatzentscheidungen vorbereiten zu können.

Daraus leiten sich folgende Untersuchungsfragen ab:

1. Welche Strategien, Ansätze, Konzepte und Maßnahmen sind in Praxis und Theorie vorzufinden (Bestandsaufnahme)?

2. Wie lassen sich die innovativen, erfolgreichen Lösungsansätze in den Ballungsräumen charakterisieren und strukturieren? Lassen sich Good-Practice-Erfahrungen in ?win-win?-Situationen benennen?

3. Welche Lösungsansätze wurden geplant und sind tatsächlich realisiert worden (Hand­lungswirkungsanalyse)?

4. Wie sind diese Lösungsansätze vor allem hinsichtlich ihrer ökonomischen und ökologischen Wirkung zu bewerten (Maßnahmenwirkungsanalyse)?

5. Wie lassen sich innovative, integrierte Lösungsansätze im Bereich des Wirtschaftsverkehrs in Ballungsräumen umsetzen (Prozessanalyse)?

6. Welche Handlungsempfehlungen ergeben sich daraus für Kommunen, Unternehmen, Staat usw. (Handlungsempfehlungen)?

Spezifischer Forschungszugang

Hintergrund des Forschungszugangs bildet die Erkenntnis, dass eine reine Bestands­aufnahme der in Theorie und Praxis dargestellten bzw. diskutierten Lösungsansätze für den Wirtschaftsverkehr in Ballungsräumen allein nicht ausreicht, um praxisrelevante Lösungsansätze und Steuerungsebenen identifizieren und politische Handlungsempfehlungen ableiten zu können.

Der Untersuchungsansatz ist daher umsetzungs- und handlungsorientiert. Im Mittelpunkt des empirisch-analytischen Teils des Forschungsvorhabens steht der Nachvollzug der Umsetzungsbedingungen der als Good Practice eingestuften Beispiele von integrierten Wirtschaftsverkehrskonzepten in Ballungsräumen. Um Handlungsstrategien im Bereich des Wirtschaftsverkehrs beurteilen zu können, erfolgt in Anlehnung an das Instrument der Politikanalyse nach v. Prittwitz eine Maßnahmen-, Wirkungs- und Verfahrensanalyse.

Auf der Grundlage der vergleichenden Dokumentation, der systematisch dargestellten innovativen Lösungsansätze und der ermittelten Erfolgsbedingungen werden abschließend Steuerungsebenen benannt und Handlungsempfehlungen formuliert.

Kontakt:

Prof. Dr.-Ing. Heike Flämig

Professur für Transportketten und Logistik

Telefon: +49 40 42878 - 3907 | Fax: +49 40 42731 - 4198
E-Mail: flaemig(at)tuhh.de

Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik W8
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