Supply Chain Risikomanagement

Besonders getrieben von den Trends zur Globalisierung und zu schlanken Wertschöpfungsnetzwerken (Lean Supply Chain) sind Unternehmen zunehmenden Supply Chain Risiken ausgesetzt. Dabei ist ein Supply Chain Risiko ein mit seiner Auftretenswahrscheinlichkeit bewerteter Schaden, dessen Eintreten mehr als ein Unternehmen der Supply Chain betrifft und dessen Ursachen innerhalb eines Unternehmens, innerhalb seiner Supply Chain oder in deren Umfeld liegen.

Es gilt, dass Risiken von Supply Chain Partnern unabhängig von ihrer eigentlichen Quelle von einem anderen Unternehmen ihrer Supply Chain als Versorgungs- bzw. Nachfragerisiken wahrgenommen werden. Somit löst das Eintreten eines Risikos bei einem Unternehmen des Wertschöpfungsnetzwerkes Folgeschäden bei seinen Partnern aus. Dieser Effekt wird als "Verwundbarkeit" (vulnerability) von Supply Chains bezeichnet. Risiken aus dem Bereich der Supply Chain stellen damit, wie auch eine empirische Untersuchung des Instituts bestätigt, die gefährlichsten Risiken für Unternehmen dar.

Der Umgang mit Risiken aus dem Bereich ihrer eigenen Supply Chain und deren Umfeld wird für Unternehmen unabhängig von ihrer Größe oder Branche zunehmend bedeutsamer. So zeigt eine im vierten Quartal 2005 selbst durchgeführte Untersuchung, dass der Anteil der Unternehmen, die dem SCRM eine hohe Bedeutung beimessen seit dem Jahr 2000 stark gestiegen ist. Ebenfalls zu erkennen ist, dass sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen wird. Supply Chain Risk Management ist dabei als der Baustein innerhalb des Supply Chain Managements zu verstehen, der alle Strategien und Maßnahmen, alles Wissen, alle Institutionen, alle Prozesse sowie alle Technologien umfasst, die auf technischer, personeller und organisatorischer Ebene dazu geeignet sind, das Risiko innerhalb einer Supply Chain zu verkleinern. Im Umgang mit Supply Chain Risiko können folgende drei generischen Strategien angewendet werden:

  • Vermeiden von Risiko durch das proaktive Beseitigen der Risikoursachen
  • Übertragen von Risiko an Außenstehende über Versicherungen oder Outsourcing
  • Beherrschen der Schäden von Risiken durch vor dem Schadensfall vereinbarte Notfallmaßnahmen.

Zur methodischen und operativen Unterstützung des Supply Chain Risk Managements besonders in kleinen und mittelständischen Unternehmen bietet sich der Einsatz eines in sich geschlossenen Software-Tools an.

Derzeit laufen mehrere Projekte mit Industrieunternehmen zum Thema Supply Chain Risk Management. Auch der Start eines Arbeitskreises ist geplant. Interessierte Unternehmen können sich gerne jederzeit an uns wenden.

Projekte

HAZARD
Häfen, Terminals und Lagereinrichtungen sind häufig in der Nähe von Wohngebieten angesiedelt und setzen damit eine große Anzahl von Menschen den Folgen durch potenzielle Notfälle aus. Das HAZARD Projekt befasst sich mit dieser Situation, indem es Rettungsdienste, Behörden, Logistikdienstleister sowie etablierte Wissenspartner zusammenbringt.
SCRM Auditierung
Durch die komplexen Strukturen heutiger Supply Chains erhöht sich nicht nur die Abhängigkeit zwischen den Akteuren, sondern es steigt auch die Verwundbarkeit gegenüber Risiken im Netzwerk. In der Vergangenheit haben einschneidende Ereignisse, wie Naturkatastrophen oder Terroranschläge, zeitweise zu einer Unterbrechung der Lieferkette geführt und somit die Aufmerksamkeit hinsichtlich des Risikomanagements zusätzlich verstärkt. Supply Chain Risiken unterscheiden sich durch ihre unternehmensübergreifende Schadenswirkung von klassischen unternehmensinternen Risiken. Deshalb gehen Unternehmen zunehmend dazu über weiterentwickelte Methoden zur Analyse und Steuerung zu nutzen und ein so genanntes Supply Chain Risk Management (SCRM) zu implementieren.
4. Auflage der Studie zum Supply Chain Risk Management
Die Windenergiebranche steht infolge dynamischer Marktentwicklungen und zunehmender Globalisierung ihrer Zulieferer- und Distributionsnetzwerke vor erheblichen Herausforderungen. Die stetige Weiterentwicklung von Windenergieanlagen insbesondere im Offshore-Segment geht mit einer verstärkten Bedeutung funktionierender Lieferketten einher. Aus diesem Grund hat das Institut für Logistik und Unternehmensführung (LogU) der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) in Zusammenarbeit mit der PUTZ & PARTNER Unternehmensberatung AG bereits dreimal eine Studie zum unternehmensübergreifenden Risikomanagement durchgeführt. Die Ergebnisse geben detaillierten Einblick in den Stand des Supply Chain Risk Managements in der deutschen Windenergiebranche und zeigen Erfolgsfaktoren und Hindernisse auf.
SitRisk
Die zunehmende Abhängigkeit von Supply Chain Partnern erhöht das Risiko von Störungen in immer komplexer werdenden Wertschöpfungsketten. Studien haben gezeigt, dass die Unternehmensperformance und damit die Wettbewerbsfähigkeit durch ein systematisches Risikomanagement signifikant verbessert werden kann. Zudem ist die gestiegene Zahl von Insolvenzen, insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen in den letzten Jahren nicht zuletzt auf ein mangelndes Risikomanagement zurückzuführen.
Analysen der Lieferketten in der Windenergiebranche
Das Institut für Logistik und Unternehmensführung der Technischen Universität Hamburg-Harburg begleitet den Aufbau dieser wichtigen dynamischen Industrie durch anwendungsorientierte Forschung im Bereich Logistik und Supply Chain Management. Die noch junge Branche steht vor erheblichen Herausforderungen. Zusätzlich zu dem hohen Wachstum in aufstrebenden Märkten wie Nordamerika und Asien wird erwartet, dass auch in Märkten mit hoher Installationsleistung wie in Deutschland durch Repowering und den Aufbau von Offshore Windparks die Absatzzahlen steigen werden.
Industrieprojekt zum Risikomanagement in der Medizintechnik
Innerhalb des Projektes stand die Analyse der Beschaffungsprozesse innerhalb der Lieferkette des Projektpartners im Fokus. Ziel war es, potenziell problematische Lieferungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend handhaben zu können. Das Institut für Logistik und Unternehmensführung hat unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Kersten im Verlauf dieses Projektes ein Supply Chain Mapping durchgeführt sowie eine Segmentierung der Zulieferteile erarbeitet.
Internationale Studie mit der Ohio State University (USA) zum Risikomanagement in Supply Chains
Ziel der Untersuchung war es, eine Bestandsaufnahme über die in der Praxis vorhandenen Risikomanagement-Aktivitäten vorzunehmen sowie Faktoren zu identifizieren, die ein gemeinsames Risikomanagement in der Supply Chain fördern oder erschweren können. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Identifikation und Bewertung von Risiken in der Supply Chain.
Projekt zum Supply Chain Risk Management Navigator
Der SCM-Gedanke findet beim Risikomanagement bisher wenig Berücksichtigung. Empirische Studien belegen, dass Supply Chain Risk Management in der Praxis im Hinblick auf Verbreitung und Umsetzung erhebliche Defizite aufweist. Der geringe Grad an Umsetzung von Supply Chain Risk Management-Ansätzen ist vor allem durch einen Mangel bei der Entwicklung von praxisnahen Methoden und Instrumenten bedingt. Dies gilt in besonderem Maße für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), denen häufig die Ressourcen für ein aktives SCRM fehlen. Eine praktikable Betrachtung der Risiken von der SC- bis zur Unternehmensebene mit Typisierung der SC-Risikosituation und einer systematischen Ableitung von Handlungsempfehlungen steht also bislang aus. Ziel des Projektes war es daher, einen umfassenden methodischen Rahmen für ein effektives und effizientes Management von Unternehmens- und Supply Chain-spezifischen Risiken zu entwickeln: den Supply Chain Risk Management Navigator.
Studie zum SCRM in der deutschen Windenergiebranche
Die Windindustrie ist eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsbranchen. Dadurch ergeben sich für die immer noch junge Windenergiebranche erhebliche Herausforderungen. Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen, kommt auch in stürmischen Zeiten funktionierenden Lieferketten eine besondere Bedeutung zu. Das Institut für Logistik und Unternehmensführung (LogU) an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) hat aus diesem Grund zusammen mit der Pleyma GmbH bereits in den Jahren 2008 und 2010 die Lieferketten der deutschen Windenergiebranche untersucht und dabei erhebliche Defizite im unternehmensübergreifenden Risikomanagement festgestellt. Die Feldphase der dritten Auflage dieser Studie wurde unter wissenschaftlicher Leitung von Herrn Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Kersten im Jahre 2012 erfolgreich durchgeführt.
Studie zum Supply Chain Risk Managemen
Aus der zunehmenden Bedeutung der Windenergiebranche ergab sich die Motivation zur Studie „Supply Chain Risk Management in der deutschen Windenergiebranche“. Ziel der Studie war es, zu erfahren, wie in der Windenergiebranche mit diesen Herausforderungen und Risiken umgegangen wird. Dabei sollten Unterschiede in der Position in der Lieferkette ebenso erarbeitet werden wie die unterschiedlichen Methoden und Verantwortlichkeiten.
Neuauflage der Studie zum Supply Chain Risk Management in der deutschen Windenergiebranche (2010)
Die immer noch junge Windenergiebranche steht vor erheblichen Herausforderungen. Während es kurzfristig gilt, die Folgen der letzten Wirtschaftskrise abzufangen, ist mittel- bis langfristig wieder ein starkes Wachstum zu erwarten (BWE: „Verdoppelung der Installierten Leistung bis 2020“). Zusätzlich beschleunigen der Einstieg in neue Leistungsklassen und den Offshore-Bereich die technologische Weiterentwicklung der Anlagen. Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen, kommt auch in stürmischen Zeiten funktionierenden Lieferketten eine besondere Bedeutung zu.