Softrobotik

Softrobotik - Mit Nachgiebigkeit zu neuen Anwendungen für Roboter.

Motivation

© Ferdinand Stoll / TUHH
© Ferdinand Stoll / TUHH

Das Wachstum der Robotik wird hauptsächliche durch die Erschließung neuer Anwendungsbereiche vorangetrieben. Roboter sollen zunehmend mit Menschen sowie empfindlichen Objekten interagieren oder navigieren durch wandelbare, unstrukturierte Umgebungen. Herkömmliche Roboter bestehen meist aus steifen Materialien, sind auf hohe Kräfte und Präzision sowie repetitive Aufgaben ausgelegt. Sie können daher ein erhebliches Gefahrenpotenzial für ihre Umgebung darstellen.

Softroboter bieten hierfür einen vielversprechenden Ansatz. Durch ihre nachgiebigen Materialien ermöglichen sie große elastische Verformungen, begrenzen Kontaktkräfte und passen sich passiv an unterschiedliche Formen und Oberflächen an. Dadurch eignen sie sich besonders für Anwendungen in der Mensch-Maschine-Interaktion, im medizinischen Bereich sowie für das Greifen empfindlicher oder geometrisch variierender Objekte, wie etwa bei der Obsternte.

Die weiche Struktur bringt jedoch neue Herausforderungen für Aktuierung, Sensorik, Modellierung und Regelung mit sich. Starre Komponenten und konventionelle Modellierungsansätze sind nur eingeschränkt übertragbar. Ziel unserer Forschung ist es daher, die Propriozeption, Steuerung und Genauigkeit weicher Roboter durch integrierte Sensorik sowie moderne dynamische Modellierungs- und Regelungsmethoden zu verbessern.

Modellierung

Modell mit abschnittsweise konstanter Krümmung - piecewise constant curvature model (PCC).
Geometrisch exakte Balkentheorie - cosserat rod.

Für die Simulation sowie die modellbasierte Steuerung und Regelung von Softrobotern sind geeignete Modelle von zentraler Bedeutung. Dabei müssen Modellgenauigkeit, Generalität und Rechenaufwand gegeneinander abgewogen werden. Balkenmodelle, wie die Annahme stückweise konstanter Krümmung oder die geometrisch exakte Balkentheorie, bilden dabei eine vielversprechende Grundlage:

Aktorik

Sehnenaktuierter Softroboterarm.
Softroboterarm aktuiert durch Formgedächtnislegierungen (FGL) - shape memory alloy (SMA).
Fluidbasierte Aktuierung.

Herkömmliche Aktoren können nur eingeschränkt in Softroboter integriert werden, da diese starren Komponenten der weichen Struktur entgegenwirken. Aus diesem Grund werden in der Softrobotik alternative Aktuierungskonzepte entwickelt und angewandt. Typische Beispiele sind sehnenbasierte Aktuierung, das Verwenden von Formgedächtnislegierungen (FGL), sowie fluidbasierte Aktuierung:

Sensorik und Sensordesign

Resisitver Krümmungssensor.
Kapazitiver Kraft- und Momentensensor.
Resisitver Kraftsensor.
Faseroptischer Krümmungssensor.
Weicher Greifer mit integriertem Formsensor.

Sensorfeedback ist für die präzise Trajektorienverfolgung, zuverlässige Positionierung und anspruchsvolle Greifanwendungen von Softrobotern unerlässlich. Neben einer geeigneten Ansteuerung ist insbesondere die Kenntnis der aktuellen Position und Orientierung des Roboters erforderlich. Dazu werden Formsensoren zur Erfassung der Roboterkrümmung sowie Kraftsensoren zur Regelung der Griffkraft benötigt. Herkömmliche Sensoren sind hierfür nur eingeschränkt geeignet, da sie meist weder für große elastische Verformungen ausgelegt sind, noch diese zuverlässig mitvollziehen können. Zudem sind sie häufig zu starr, wodurch sie die Nachgiebigkeit und Beweglichkeit der weichen Roboter beeinträchtigen.

Ein untersuchtes Sensorkonzept zur Erfassung der Segmentbiegung ist ein resistiver Krümmungssensor basierend auf elektrisch leitfähigem Schaumstoff. Durch die Biegung eines damit ausgestatteten Softrobotersegments ändert sich der elektrische Widerstand des Schaumstoffs. Die gemessenen Widerstandswerte können anschließend mithilfe neuronaler Netze ausgewertet werden, um auf den Biegewinkel des Segments zu schließen.

Weitere Konzepte beinhalten unter anderem kapazitive Kraft- und Momentensensoren, resistive Kraftsensoren sowie faseroptische Krümmungssensoren.

Steuerung und Regelung

Zur Ausführung komplexer Aufgaben ist eine präzise Bewegungsführung von Softrobotern erforderlich. Dafür werden geeignete Steuerungs- und Regelungskonzepte benötigt, mit denen die notwendige Aktuierung berechnet und gegebenenfalls auch angepasst werden kann. Unsere Forschungsgruppe untersucht hierzu sowohl modellbasierte als auch datenbasierte Vorsteuerungsansätze. Durch den Einsatz geeigneter Sensorik kann der Regelkreis geschlossen und die Bewegungsgenauigkeit weiter verbessert werden. Die Regelung von Softrobotern bildet daher einen weiteren zentralen Schwerpunkt unserer Forschung. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf schnell-bewegten dynamischen Softrobotern.

 

Quasi-Statische Trajektoriensteuerung

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Dynamische Trajektoriensteuerung

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Studentische Mitarbeit

Der Forschungsbereich Softrobotik verbindet unterschiedliche Themen der Mechanik und Regelungstechnik und bietet viel Raum für studentische Arbeiten. Wer Interesse hat, im Rahmen einer Bachelor-/Projekt-/Masterarbeit bei dieser Forschung mitzuwirken, kann sich gerne direkt an uns wenden.