
Challenge-Based Learning – kurz: CBL – ist ein didaktisches Konzept und eine Lernpraxis, bei denen Kompetenzerwerb durch Selbsttätigkeit und Kollaboration der Lernenden im Zentrum steht. In interdisziplinärer Teamarbeit und unterstützt von Lehrpersonen – hier in der Rolle von Lernbegleiter*innen und Co-Lernenden, engl. teamcher – entwerfen die Teilnehmenden Lösungsbeitäge für reale gesellschaftliche Herausforderungen. Dafür durchlaufen sie im CBL einen Zyklus (oder auch mehrere Zyklen) mit drei Phasen:
ENGAGE! Den Ausgangspunkt bildet eine umfassende, noch eher abstrakt formulierte Vision bzw. ein Großvorhaben (engl. big idea) mit echter gesellschaftlicher Relevanz – Beispiele wären etwa “Klimagerechtigkeit”, “barrierearmer Campus” oder “KI-Kompetenz für ältere Menschen”… Innerhalb solch bewusst locker gesteckter Themenrahmen suchen die Lernenden nun einen Aspekt bzw. eine Problemstellung, die ihnen besonders interessant und zugleich realistisch zu bewältigen scheint – kurz, eine Herausforderung ("Challenge"), an der sie gemeinsam, d.h. in multidisziplinär zusammengesetzten Teams, arbeiten möchten.
INVESTIGATE! DieTeam-Mitglieder führen Recherchen durch, eigenen sich zusätzliches Wissen an, diskutieren und verbinden ihre unterschiedlichen Fach-Perspektiven und/oder holen sich (temporär) externe Kompetenz ins Boot. So schaffen sich die Teams die Wissens- und Handlungsgrundlage, um innovative, praxistaugliche und nachhaltige Lösungen für ihre Challenge zu entwerfen.
ACT! Jetzt wird die jeweilige Lösung entwickelt und in die Tat umgesetzt – also ein bestimmtes Tool gebaut, eine konkrete Maßnahme durchgeführt, eine Kampagne gelauncht… Was auch immer die Teams erarbeitet haben, wird in einem authentischen Setting zur Anwendung gebracht und erprobt. Die Act-Phase umfasst auch die Evaluation der entstandenen Produkte und erzielten Ergebnisse.
Fortlaufende Reflexion, Austausch und Feedback sind integrale Bestandteile des CBL-Prozesses – sowohl innerhalb der Teams wie auch im Gespräch mit den teamchers und weiteren stakeholders. Dazu gehören auch das Besprechen und Dokumentieren von Erwartungen, Arbeitsfortschritten, Schwierigkeiten und (Zwischen)Ergebnissen.
Obwohl Engage-, Investigate- und Act-Phase aufeinander aufbauen, müssen bzw. können sie nicht immer linerar bzw. zyklisch durchlaufen werden – zeigt sich etwa in der Act-Phase, dass sich das geplante Vorhaben so nicht realisieren lässt und es für einen neuen Entwurf weiterer Untersuchungen bedarf, sollte eine (kurzzeitige) Rückkehr in den Investigate-Modus möglich sein.
Die Rolle des*der teamchers (der lernbegleitenden Lehrpersonen) besteht primär darin, die Studierenden durch den Prozess zu (beg)leiten und die Teammitglieder zu unterstützen, indem sie ihnen Wissen, praktische Ratschläge und Feedback etwa zu folgenden Themen anbieten:

CBL baut auf Interdisziplinarität, auf Kollaborationen zwischen Angehörigen verschiedener Studiengänge, Fakultäten und Fachkulturen. Darüber hinaus sollte die Zusammenarbeit auch externe Partner*innen wie etwa Forschende, Unternehmen, NGOs oder Gemeinden einbeziehen. Auch für continuous learners, die nicht (mehr) bzw. nur punktuell studieren und die ihre Berufs- und Lebenserfahrung in die Teams einbringen, möchte CBL offen sein.
CBL hat damit das Potenzial, eine große Spannbreite an Wissensgebieten, Wissensformen und Wissensproduzierenden zusammenzubringen. Und zwar nicht nur auf lokaler Ebene: Die Learning Opportunities der ECIU University verbinden Studierende, Lehrende und Regionen von elf europäischen Partner-Hochschulen.
Denn zum einen erfordern gesellschaftliche Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft mehrdimensionale Analysen, transnationale Zusammenarbeit und komplexe Lösungen.
Zum anderen verlangt CBL bewusst ein hohes Maß an Kommunikation und Interaktion – innerhalb der divers zusammengesetzten Teams wie auch mit der “Außenwelt” jenseits der Hochschule. Das bietet Teilnehmenden die Chance, umfangreiche personale und soziale Kompetenzen zu erwerben. Und Erfahrungsschätze, die weit über den Studienalltag hinausweisen.

Siska Simon
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Dr. Dorothea Ellinger
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