Zerspanung von Faserverbundkunststoffen

Einleitung

Faserverbundwerkstoffe (FVW) gewinnen aufgrund ihrer vorteilhaften Eigenschaften zunehmend an Bedeutung. Zu ihren Vorteilen gehören Korrosions- und chemische Beständigkeit, eine herausragende spezifische mechanische Leistungsfähigkeit sowie eine sehr geringe thermische Ausdehnung. Aufgrund ihrer richtungsabhängigen (anisotropen) mechanischen Eigenschaften bieten FVW, insbesondere kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe (CFK), ein hohes Potenzial für den Leichtbau, da eine lastrichtungsabhängige Konstruktion ermöglicht wird. FVW bestehen aus zwei Komponenten: Fasern und eine Polymermatrix. Die Fasern beeinflussen die mechanischen und thermischen Eigenschaften des Verbunds, während die Matrix für die Formgebung, die Lastweiterleitung zwischen den Fasern, die Abstützung der Fasern gegen Querbelastungen und den Schutz vor Umwelteinflüssen sorgt. Aufgrund der Anisotropie ist die Zerspanung von FVW herausfordernd.

Das IPMT erforscht systematisch Zerspanung von FVW, insbesondere CFK. Unsere Arbeit umfasst sowohl Grundlagen- als auch angewandte Forschung und Auftragsforschung. Wir konzentrieren uns hauptsächlich auf die Themengebiete

  • Bohrtechnologie,
  • Umrissbearbeitung und
  • Grundlagen der Zerspanbarkeit.

Bohrtechnologie

Das Bohren ist ein zentrales Fertigungsverfahren bei der industriellen Bearbeitung von CFK. Nach eigenen Angaben führt AIRBUS jährlich rund 150 Millionen Bohrungen in CFK im Rahmen der Flugzeugproduktion durch. Das IPMT untersucht die Bohrbearbeitung mit den in der Luftfahrt üblichen Verfahren: von handgeführten Maschinen und semi-automatischen Bohrvorschubeinheiten über Roboter bis hin zu Werkzeugmaschinen. Unser Fokus liegt auf der Entwicklung, Optimierung und Untersuchungen von Bohrergeometrien, Diamantbeschichtungen und Kühllösungen für das Bohren von CFK sowie CFK-Metall-Stacks. Ein zentrales Ziel ist dabei die Sicherstellung der erforderlichen Bauteilqualität und die Vermeidung von Nacharbeit. In diesem Zusammenhang analysieren wir den Einfluss der Bohrergeometrie, der Diamantbeschichtung und des Werkzeugverschleißes auf Qualitätsmerkmale wie Peel-up- und Push-out-Delamination sowie Faserüberstände.

Ansprechpartner

Malte Flehmke
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Umrissbearbeitung

FVW-Bauteile werden möglichst endkonturnah hergestellt. Nichtsdestotrotz ist eine spanende Umrissbearbeitung des Bauteils notwendig. Gründe hierfür können sein: die Entfernung erstarrten Abflusses von überschüssigem Harz, die Entfernung überlappender Ecken im Tape-Lege-Prozess etc. Ein zentrales Element der Umrissbearbeitung ist das Sicherstellen der erforderlichen Qualität der Schneidkante. Diese wird anhand der Qualitätskriterien Delamination, Faserüberstände, Größe der Wärmeeinflusszone sowie Schnittflächenrauheit und -welligkeit gekennzeichnet. FVW- und insbesondere CFK-Bauteile weisen einen hohen abrasiven Werkzeugverschleiß auf, sodass dieser stets ein Untersuchungsschwerpunkt ist. Beim IPMT werden die Fertigungsverfahren Fräsen, Schleifen oder Sägen für die Umrissbearbeitung eingesetzt. Zur Verbesserung der Kantenqualität optimieren wir die Prozesse kontinuierlich weiter. So haben wir beispielsweise das gekurvte Trennschleifen für eine hohe Produktivität oder das Anritzen der Decklage zur Vermeidung von Delamination bei verschlissenen Werkzeugen entwickelt.

Gekurvtes Trennschleifen oder Sägen (curved circular cutting) CCC

Das IPMT hat ein Verfahren zum gekurvten Trennschleifen bzw. Sägen entwickelt und patentieren lassen (WO002014131823A1). Konventionelle Verfahren zur Umrissbearbeitung wie Fräsen, Trennschleifen, Sägen oder Laserstrahlschneiden weisen große prozessspezifische Nachteile auf. Beim Fräsen ist die Produktivität durch eine geringe Vorschubgeschwindigkeit sowie durch Delaminationen, die durch Verschleiß bedingt auftreten, begrenzt. Beim Trennschleifen und Sägen sind nur gerade Schnitte bei ebenen Bauteilen möglich. Das Laserstrahlschneiden eignet sich nur für dünnwandige Bauteile und verursacht eine große thermische Schädigung. Das CCC-Verfahren ermöglicht durch die kontinuierliche Anstellung der Werkzeugachse beim Trennschleifen bzw. Sägen das Fahren gekurvter 3D-Schnittkanten. Durch den Einsatz galvanisch beschichteter Diamantschleifscheiben können die Werkzeugkosten reduziert und thermische Schäden minimiert werden. Dadurch sind höhere Vorschubgeschwindigkeiten und somit eine hohe Produktivität möglich. Kritische Delaminationen sind bei der Bearbeitung mit dem CCC bisher nicht aufgetreten.

Anritzen der Decklage beim Fräsen von CFK

Beim Umfangsfräsen von CFK treten Delaminationen der Decklage mit zunehmendem Verschleiß des Werkzeugs auf. Um dies zu unterbinden, hat das IPMT einen Ansatz entwickelt: In einem vorgelagerten Prozess wird die Decklage, die die Delamination auslöst, in einer Tiefe von wenigen Mikrometern entfernt. Durch das „Anritzen“ der Decklage wird die Delamination selbst bei stark verschlissenen Fräsern unterbunden, da die unteren Schichten weiterhin durch die oberen Lagen gestützt sind. Am IPMT wurden mehrere Methoden für das Anritzen, beispielsweise Laserschneiden oder Einstichschleifen, umgesetzt.

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Alexander Brouschkin
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Grundlagen der Zerspanbarkeit

Um die Zerspanung von FVW zu verstehen, betreibt das IMPT Grundlagenforschung zur Zerspanbarkeit von FVW, insbesondere von CFK. Im Rahmen von DFG-Projekten (Deutsche Forschungsgemeinschaft) werden die Aspekte Standzeit, Zerspankräfte, Zerspantemperatur, Spanbildung und Oberflächengüte der Schnittoberfläche untersucht. So entwickelt das IMPT mechanistische und analytische Modelle zur Vorhersage der Zerspantemperaturen, -kräfte und der Oberflächentopographie der Bearbeitungsoberfläche von CFK.

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