ECTL Working Paper


  • Max Bohnet , Jens-Martin Gutsche, Axel Menze (2006):
    Standortabhängigkeit der Verkehrswirkung von Projekten des Wohnungsbaus und des Einzelhandels. Möglichkeiten des Einsatzes von Verkehrsmodellen bei der Standortbewertung für Einzelvorhaben

    ECTL Working Paper 33 Hrsg.: Technische Universität Hamburg-Harburg Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Hamburg 2006.
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1 Einleitung

Abschätzung der Verkehrswirkung von Bauvorhaben als Aufgabe der Stadt- und Regionalplanung

Ein wichtiges Ziel der Stadt- und Regionalplanung ist es, durch die räumliche Verteilung von Nutzungen in der Stadtregion Arbeitsplätze, Schulen, Einkaufs- und Freizeitgelegenheiten für die Bewohner und Bewohnerinnen erreichbar zu machen. Dabei soll der Verkehrsaufwand minimiert und die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel durch kurze Wege und eine gute ÖPNV-Anbindung gefördert werden. Zudem sollen sensible Nutzungen wie Wohngebiete möglichst wenig vom Verkehrsaufkommen belastet werden.

Daher stellt sich für die Stadt- und Regionalplanung die Aufgabe, verkehrsintensive Einzelvorhaben im Hinblick auf ihre Raumverträglichkeit – und damit auch auf ihre Verkehrsfolgen – zu prüfen. Bislang können jedoch die verkehrlichen Folgen von Einzelvorhaben kaum quantifiziert werden. Eine solche Quantifizierung könnte die Argumentationskraft der Stadt- und Regionalplanung in der jeweiligen Planungsdiskussion deutlich schärfen.

Im Forschungsprojekt „Verkehrliche Wirkungen einer dezentral-konzentrierten Siedlungsentwicklung - Entwicklung einer Methodik der Folgenabschätzung regionaler Siedlungskonzepte für die Regionalplanung“, das durch die TU Hamburg-Harburg und die Region Hannover durchgeführt wurde , wurde u.a. untersucht, ob sich Verkehrsmodelle für eine differenziertere verkehrliche Standortbewertung von städtebaulichen Vorhaben aus verkehrlicher Sicht einsetzen lassen .

Trotz nach wie vor vorhandener Limitationen steckt in den heute verfügbaren Verkehrsmodellen eine erhebliche Forschungsleistung zur Abbildung der Abhängigkeiten zwischen Raumstruktur und Verkehr. In vielen Bereichen der Verkehrsplanung kommen Verkehrsmodelle routinemäßig zum Einsatz, in einer Reihe von Bewertungs- und Planungsverfahren sind sie inzwischen quasi vorgeschrieben. Dabei beschränkt sich ihre Anwendung jedoch im Wesentlichen auf die Bewertung der verkehrlichen Auswirkungen von Straßenbau- oder ÖPNV-Maßnahmen. Im Bereich der Stadt- und Regionalplanung werden diese Modelle bisher jedoch kaum genutzt.

In diesem Forschungsprojekt wurden zwei Anwendungsbereiche ausgewählt, die sich in der Arbeit der Regionalplanung der Region Hannover aufgrund häufiger Anfragen von Investoren und Gemeinden als besonders relevant herausgestellt haben. Dies sind die Bereiche Wohnen und Einzelhandel.

Dieses Working Paper zeigt die Einsatzmöglichkeiten und –grenzen der verschiedenen Werkzeuge zur Verkehrsaufkommensabschätzung auf (Kapitel 2), dokumentiert Methodik und Ergebnisse eines Vergleichs der Verkehrsleistung von Wohngebieten (Kapitel 3) und von verschiedenen Einzelhandelsvorhaben (Kapitel 4) an unterschiedlichen Standorten. In Kapitel 5 wird am Beispiel des Berner Fahrleistungsmodells gezeigt, wie Verkehrsfolgenabschätzungen in der regionalplanerischen Planungs- und Genehmigungspraxis eingesetzt werden können. Kapitel 6 fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf zusätzliche Einsatzmöglichkeiten der Modelle.

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
2 Verkehrswirkungen von Bauvorhaben
2.1 Welche verkehrlichen Folgen haben städtebauliche Vorhaben?
2.2 Das Bosserhoff-Verfahren zur Verkehrsaufkommenschätzung von städtebaulichen Einzelvorhaben
2.3 Nutzung von Verkehrsmodellen zur Vorhabensbewertung
3 Verkehrswirkungen von Wohngebieten
3.1 Definition des Standardwohngebiets
3.2 Standortauswahl
3.3 Ergebnisse der Modellrechnung „Wohngebiet“
3.4 Zusammenfassung: Verkehrswirkungen unterschiedlicher Wohnstandorte
4 Einzelhandel
4.1 Anmerkungen zum methodischen Vorgehen
4.2 Innenstadtrelevante Großfläche
4.3 Vorhabenstyp „Nichtinnenstadtrelevante Großfläche“
4.4 Vorhabenstyp „Innenstadtrelevantes EKZ / Mall“
5 Das „Berner Fahrleistungsmodell“
6 Schlussfolgerungen und Ausblick
6.1 Verkehrsfolgenabschätzung in 11 Schritten
6.2 Ausblick