1.1 Lehre

Im folgenden werden die im vergangenen Jahr wesentlichen Ereignisse im Zusammenhang mit der Lehre an der TUHH zusammengefaßt.

  • Im Sommer 1998 wurde das neue Hochschulrahmengesetz (HRG) verabschiedet. In diesem Gesetz werden bestimmte Randbedingungen für die Hochschulen verändert. Für die Technische Universität Hamburg-Harburg wird damit der bereits begonnene Weg zu einer innovativen, modellhaften Hochschule bestätigt bzw. die TUHH fühlt sich dadurch ermuntert, diesen Weg konsequent weiter zu verfolgen. Insbesondere werden in diesem Zusammenhang genannt: die Aufforderung zur verstärkten Profilierung einer jeden Hochschule, die Aufforderung zur verantwortungsvollen Leistungsbereitschaft, die verstärkte Internationalisierung und schließlich das bewußte Anstreben von mehr Autonomie für die Hochschulen. Aus dem Geist des neuen Hochschulrahmengesetzes ergeben sich Konsequenzen, welche von der TUHH durch konkrete Maßnahmen im vergangenen Jahr bereits eingeleitet bzw. fortgesetzt wurden. Diese sind im folgenden beispielhaft dargestellt.
     
  • Aufgrund der Freigabe von neuen Bachelor- und Master-Studiengängen für praktisch alle Hochschulen in Deutschland setzte eine Flut von Anmeldungen für neuartige Master-Studiengänge ein, welche zum Teil bereits inflationäre Maßstäbe angenommen hat. Die TUHH hat zusammen mit den guten Technischen Universitäten in Deutschland eine Initiative gestartet, um durch geeignete sogenannte Akkreditierungsinstitutionen einen Verfall des Ansehens deutscher Master-Abschlüsse im internationalen Raum zu verhindern. Ganz konkret wurde ein sogenannter Akkreditierungsverein von den zwölf bekannten großen deutschen Technischen Universitäten gegründet. Eines der Gründungsmitglieder ist die Technische Universität Hamburg-Harburg. Dieser Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, die Standards für die Verleihung von den Graden Master M(Sc) und Bachelor B(Sc) zu definieren und möglicherweise auch deren Einhaltung zu kontrollieren. Aufgrund der Tatsache, daß die Titel Master und Bachelor keine gesetzlich geschützten Titel darstellen, wurde vom Präsidenten der TUHH vorgeschlagen, die Tatsache der Akkreditierung bei den betreffenden Titel kenntlich zu machen durch den Buchstaben G, jeweils vor den Titeln. Dann würden die Titel GM(Sc) bzw. GB(Sc) bedeuten, daß die damit beschriebenen Studiengänge den deutschen hohen Ansprüchen gemäß Akkreditierungsfeststellung genügen - vergleichbar mit der Bezeichnung "Made in Germany" würde der hier vergebene Grad nunmehr German Master bzw. Bachelor of Science heißen. Mit dieser Maßnahme könnte durchaus das in den letzten Jahren verspielte Renommee der deutschen Ausbildung im internationalen Raum zum Teil wiedergewonnen werden. Die entsprechenden Diskussionen laufen z. Z. noch.
     
  • Gemäß HRG wird von den Hochschulen eine Qualitätssicherung in der Lehre gefordert. Die TUHH hat bereits die Studiengänge des Maschinenbaus sowie der Elektrotechnik in Verbindung mit einem zum Teil international und überregional zusammengesetzten Evaluierungsverbund evaluieren lassen. Die entsprechenden Evaluierungsberichte liegen vor und sollen in nächster Zukunft veröffentlicht werden. Die in den Evaluierungsberichten niedergelegten Anregungen und Kritikpunkte für die Ausbildung an der TUHH werden derzeitig diskutiert und - soweit es als sinnvoll angesehen wird - in Form von veränderten Studienabläufen berücksichtigt.
     
  • Das an der TUHH bereits existierende Programm von auslandsorientierten Master-Studiengängen wurde auch im vergangenen Jahr weiter ausgebaut. Es wurde ein weiteres Master-Programm Structural Engineering Science und ein internationaler Bachelor in der TUHH: General Engineering Science eingeführt. Beide Studiengänge wurden erstmalig im Oktober 1998 an der TUHH begonnen. Es ist zu erwarten, daß im Oktober 1999 weitere Master-Studiengänge begonnen werden können.
     
  • Zur Verbesserung der internationalen Kompatibilität der Lehre an der TUHH und insbesondere zur Erleichterung von internationalen Austauschprogrammen wurde die Einführung des sogenannten European Credit Transfer Systems ECTS weiter vorangetrieben. In einem weiteren Schritt sollen in sämtlichen Prüfungsordnungen der TUHH das ECT-System und studienbegleitende Prüfungen verankert werden. Die Studiendekanate einigten sich auf ein einheitliches Umrechnungssystem von SWS in Kreditpunkte.
    Die Informationspakete sowie kommentierte Vorlesungsverzeichnisse stehen auf deutsch und englisch zur Verfügung.
     
  • Im Rahmen der im Zusammenhang mit dem sogenannten Kossak-Gutachten als notwendig erachteten Neustrukturierung der Ausbildung im Studiengang Städtebau/Stadtplanung an der TUHH wurde ein zukunftsweisendes Konzept entwickelt, welches den Geist des neuen Hochschulrahmengesetzes nach Auffassung der TUHH in idealer Weise wiedergibt. Das von der TUHH im Akademischen Senat beschlossene Konzept sieht vor, daß ein inhaltlich gut durchdachtes innovatorisches, grundständiges Studium für Städtebau/Stadtplanung an der TUHH aufgebaut wird. Dabei wurde insbesondere darauf geachtet, daß dieses Studium die Anerkennung auch der internationalen Hochschulwelt findet, eine enge Verzahnung mit Studieninhalten aus dem Grundstudium des Bauwesens an der TUHH sicherstellt und darüber hinaus eine im Sinne des Hochschulrahmengesetzes sowie der von der BWF formulierten Vorgaben bezüglich der Kooperation mit der Hamburger Fachhochschule sowie der Hochschule für Bildende Künste ermöglicht. Die letztgenannte Vorgabe wurde dadurch zumindest teilweise befriedigt, daß das gesamte Studium Städtebau/Stadtplanung in international übliche Module aufgeteilt wurde, und daß jeweils zum Beginn eines neuen Moduls im Rahmen eines definierten Überganges der Zugang von Studierenden von den anderen Hochschulen zur TUHH ermöglicht wird bzw. der Wechsel von TUHH - Studierenden zu den anderen Hochschulen sichergestellt werden kann. Mit diesem Konzept wurde erreicht, daß die TUHH auch in diesem Studiengang, im Rahmen der klaren Definition der o. g. Module, ein eigenes Profil entwickelt und außerdem durch die enge Verzahnung mit dem Studiengang Bauwesen dieses sehr ressourcensparend realisiert werden kann. Außerdem wird wie gewünscht die Kooperation mit den anderen Hochschulen wesentlich verbessert.
     
  • Nach Integration des Instituts für Schiffbau in die TUHH zum 01.01.1998 haben zahlreiche Diskussionen stattgefunden zur Bildung einer modernen leistungsfähigen Forschungs- und Ausbildungsinstitution für Schiffssystemtechnik. Diese Diskussionen fanden statt u. a. mit zahlreichen auswärtigen Gutachtern und eigenen Fachleuten. Es besteht Einvernehmen darüber, daß moderne Schiffssystemtechnik sich an den Erfordernissen zukünftiger Zeiten orientieren muß. Eine Schwierigkeit scheint immer noch darin zu liegen, diese Erfordernisse definieren zu können. Die entsprechenden Berufungen von Professoren haben bereits begonnen.
     
  • In den vergangenen Jahren wurde an allen deutschen Hochschulen eine negative Entwicklung bezüglich der Studierwilligkeit in den Ingenieur-Studiengängen beobachtet. Es wurden z. B. im Maschinenbau an allen deutschen Hochschulen Rückgänge bezüglich der Studienanfängerzahlen von mehr als 50 % registriert. Diese sowohl für den Arbeitsmarkt in Deutschland als auch für die gedeihliche Entwicklung der ingenieurwissenschaftlichen Hochschulen gefährliche Entwicklung wurde vielfach diskutiert und analysiert. Die Technische Universität hat in konsequenter Weise eine weitgehende Werbung für das Studium der Ingenieurwissenschaften an der TUHH durchgeführt. Insbesondere sei hier die sogenannte ThinkIng-Kampagne im Verbund mit zahlreichen Industriebetrieben und Berufsverbänden sowie der Fachhochschule in Hamburg erwähnt. Weiterhin wurden in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Freien Hansestadt Hamburg entsprechende Aushänge plakatiert, es wurden zahlreiche Informationsveranstaltungen abgehalten und insbesondere alle Gymnasien im Großraum Hamburg von den Professoren der TUHH systematisch umworben bzw. informiert. Weiterhin wurde für eine konsequente Veröffentlichung von positiven Aspekten des Ingenieurstudiums an der TUHH in zahlreichen Medien gesorgt. Das Ergebnis dieser systematisch durchgeführten Werbeaktionen und insbesondere auch die Auswirkungen der Einführung neuer zukunftsorientierter Studiengänge an der TUHH - nämlich Allgemeine Ingenieurwissenschaften, Informatikingenieur sowie Auslandsorientierte Master-Programme - haben im Herbst 1998 zu einer sichtbaren und sehr erfreulichen Trendwende hinsichtlich der Studienanfängerzahlen an der TUHH beigetragen. Die TUHH konnte ihre Studienplatzkapazität mit rund 91 % auslasten.