1 Vorbemerkung

Die derzeitige Situation in Hamburg und in der Bundesrepublik ist geprägt durch Mittelknappheit und durch die Erwartung an Staat und Hochschulen, mehr zu leisten und eine zukunftsorientierte Entwicklung einzuleiten. Die qualitativen und quantitativen Leistungsanforderungen wachsen, ein verstärkter Rechtfertigungsdruck gegenüber der Gesellschaft tritt in Erscheinung, die Entscheidungsabläufe werden kritisch beobachtet, die gesamte Situation führt folglich zu einem schärfer werdenden Wettbewerb sowohl zwischen den Hochschulen als auch zwischen den unterschiedlichen Politikbereichen.

Ausgehend von dieser Situation werden intelligente Managementkonzepte verlangt. Es werden zunehmend "Globalhaushaltssysteme" etabliert; anstelle des Verwaltens tritt das effiziente Wirtschaften mit ziel- und ergebnisbezogenem Denken und Handeln.

In der Hamburger Hochschullandschaft wurde sehr frühzeitig das Instrument "Globalhaushalt" eingeführt, in der TUHH bereits 1993 und in allen anderen Hamburger Hochschulen 1996. Die Hamburger Hochschulen haben sich gerade in den letzten Jahren als weit über die Grenzen Hamburgs hinaus geachtete Impulsgeber für Hochschulreformprojekte hervorgetan - und dies vor dem Hintergrund, daß die Hamburger Hochschulen bezüglich ihrer Struktur, ihres Profils sowie ihrer fachlichen Ausrichtung sehr unterschiedlich und nur in wenigen Punkten unmittelbar vergleichbar sind.

Bereits seit 1994 ist von der Hamburger Politik das Instrument der "Produktinformation" eingeführt, die nach einer ausführlichen Diskussion in politischen Gremien, mit der Behörde für Wissenschaft und Forschung sowie mit den Hamburger Hochschulen entwickelt und optimiert wurde. In einem nächsten Schritt wird jetzt das Instrument der "Leistungsvereinbarung" entwickelt, was eine konsequente Folge der Einführung des Globalhaushaltes in allen Hochschulen darstellt.

Die Technische Universität Hamburg-Harburg versteht sich nicht als "Befehls-empfänger", sondern als Partner der Politik und insbesondere der Gesellschaft. Die TUHH entwickelt ihr eigenes Profil. Sie versucht, Kreativität für neue Ideen und neue Prozeßabläufe zu entfalten und Impulse für neue Entwicklungen in Wissenschaft und Lehre zu geben sowie "Querdenker" für die Einleitung neuer Entwicklungen in der Hochschullandschaft zu sein.

In dieser Situation, geprägt durch zunehmende und bewußt gewollte Autonomie der Hochschulen mit ihren jeweiligen "Globalhaushalten", könnte auch die Rolle der zuständigen Behörde mit ihren Fachbereichen als führendes und kontrollierendes Organ für Hochschulen neu überdacht und definiert werden. Die Behörde für Wissenschaft und Forschung in Hamburg könnte sich im wesentlichen auf die Entwicklung von Strategien und Visionen für die gesamte Hochschullandschaft beschränken. Sie könnte die Hochschulen auf ihrem Weg beraten sowie informieren über in anderen Bundesländern laufende Entwicklungen, über gesamtgesellschaftliche Interessen sowie insbesondere über die Entwicklung der Finanzlage. Weiterhin benötigen die Hochschulen von ihrer Behörde Rechtsberatung und Hilfestellungen bei der Entwicklung ihrer hochschulspezifischen Konzepte. Eine funktionierende Hochschule wie die TUHH, welche offensichtlich die an sie gestellten Aufgaben gut erfüllt, könnte von der Behörde weitgehend frei gelassen werden. So würde sich weiterhin ein unternehmerischer wettbewerbsorientierter Stil in der TUHH entwickeln.

Konsequenterweise gehört zu der Einführung eines Globalhaushaltes die flankierende Einrichtung von "Produktinformationen" und "Leistungsvereinbarung". Die Leistungsvereinbarung besteht im Prinzip aus einer hochschulspezifischen Beschreibung der Leistungen, welche die Hochschulen für die zur Verfügung gestellten Ressourcen zu leisten imstande sind. Diese Leistungsvereinbarung ist ein Vertrag zwischen zwei Partnern, der den Charakter eines "Lastenheftes" besitzt.

Zu der Leistungsvereinbarung gehört selbstverständlich ein Instrument, um die Erfüllung der vereinbarten Leistungen zu überprüfen (Qualitätskontrolle). Dieses Instrument zur Überprüfung der Leistungsfähigkeit von Hochschulen wurde bereits in Form der o. g. "Produktinformationen" entwickelt und in einem durchaus langwierigen Prozeß seit 1994 mit der Behörde bzw. den politischen Gremien und den Hochschulen im Prinzip akzeptiert.

Im vergangenen Berichtszeitraum spielte für die TUHH die Formulierung der Leistungsvereinbarung eine wesentliche Rolle, und zwar insbesondere auch deshalb, weil dabei zwangsläufig die Fragen innerhalb der TUHH noch dem "Wo stehen wir?" und "Wohin wollen wir?" verbunden mit "Wie kommen wir dort hin?" diskutiert und beantwortet werden mußten. Dabei wurde deutlich, daß die TUHH ganz bewußt und konsequent weiterstrebt auf dem Weg nach wissenschaftlicher Exzellenz sowie internationaler Öffnung und Anerkennung, verbunden mit unternehmerischem Denken und professionellem Management.

Mit der in jüngster Vergangenheit vollzogenen Gründung des privatwirtschaftlich betriebenen "Northern Institute of Technology" (NITHH GmbH) in "Public-Private-Partnership" zur staatlichen TUHH ist ein weiterer wesentlicher Schritt der TUHH zu einer Modellhochschule der Zukunft gelungen.

Dieser Jahresbericht des Präsidenten besteht, wie bereits im Vorjahr, aus drei Teilen; nämlich einer kurzen zusammenfassenden Darstellung wesentlicher Fakten und neuer Entwicklungen, der Produktinformation für das Jahr 1998 sowie der zwischen der Behörde für Wissenschaft und Forschung (BWF) und der TUHH abgeschlossenen Leistungsvereinbarung.