"Dr. Faust" - Draufhauen für die Wissenschaft

Eine ungewöhnliche Journalistenfrage erreichte die TUHH vor einigen Wochen: können Wissenschaftler der TUHH Schlagkräfte von Boxern messen?

Die Bestimmung der Schlagkräfte für die prominenten Sportler Vitali und Wladimir Klitschko sollte im Auftrag einer großen deutschen Jugend-Zeitschrift erfolgen. Die Wissenschaftler, Privatdozent Dr. Michael Morlock und die Diplom-Ingenieure Roman Nassutt, M. Vollmer, Eric Groß und Gerd Huber aus den Arbeitsbereichen Biomechanik und Mechanik I stellten sich dieser Aufgabe im Forschungslabor und in einem Box-Trainingszentrum in Hamburg.

Ein Sandsack, gefüllt mit Stoffresten und Sand, wurde mit zwei Beschleunigungssensoren instrumentiert. Die Sensoren wurde auf einer kleinen Blechplatte gegenüberliegend der Trefffläche im Sandsack plaziert. Zudem wurde ein dritter Beschleunigungssensor auf der Schlaghand des Boxers mit Tape und selbstklebenden Bandagen angebracht. Versuche im Labor gingen der Praxis im Ring voraus. Diese Messungen im Labor wurden benutzt, um die im Traningszentrum gemessenen Werte zu kalibrieren, also um Rückschlüsse über die Größenordnung der wirkenden Kräfte machen zu können.

Kurz: Vitalis linke Schlaghand hatte eine Geschwindigkeit von 9,4m/s (33,8km/h) beim Aufprall auf den Sandsack. Wladimir zeigt mit seiner Linken leicht höhere Werte: eine Geschwindigkeit von 9,5m/s (34,2km/h). Vergleichbar in der Übersetzung etwa mit einem Baseballschläger, der mit einer Geschwindigkeit von 32km/h an den (gepolsterten) Kopf getroffen würde. Zu bemerken ist noch, daß sich beide Boxer nicht aufgewärmt hatten, keine entsprechende Kleidung angelegt und auch nicht mental auf die Messungen vorbereitet hatten. Bei einem echten Boxkampf liegen die Werte vermutlich deutlich höher. Nachzulesen ist die „Bestimmung der Schlagkräfte beim Boxen von Vitali und Wladimir Klitschko” in einer Zusammenfassung von Dr. Morlock. (ih)