USA - The American way of life for one year

Alles fing mit einem Freudenschrei an, und zwar Anfang 1997, als die Zusage der Fulbright-Kommission für ein Einjahresstipendium in den USA in meinem Briefkasten lag. Die Frage war nur, wo genau in den USA würde ich landen, denn das kann man sich beim Fulbrightprogramm nicht aussuchen. Die Frage wurde zwei Monate später beantwortet: Louisiana State University (LSU), Baton Rouge. Das sagte mir nicht viel. Also wurde erst einmal im Internet nachgeschaut, was Baton Rouge denn so zu bieten hat, vom Studium einmal ganz abge-sehen. Neben dem Wetterbericht, der allerdings sehr vielversprechend war, habe ich aber nicht sehr viele Informationen gefunden, unter denen ich mir etwas vor-stellen konnte. Mittlerweile weiß ich, daß die Nähe zu New Orleans einer der besten Standortfaktoren in Baton Rouge ist.
Anfang August 1997 ging somit die Fahrt ins Ungewisse zusammen mit einem zweiten Hamburger Fulbrighter dann los. Nach sage und schreibe 27 Stunden kamen wir in Baton Rouge an und wurden gleich vom Flughafen von einem Studenten abgeholt und zu einem Wohnheim gebracht, wo wir bleiben konnten bis wir eine eigene Wohnung fanden.
Eine Wohnung zu finden stellte sich als recht einfach heraus. Deshalb dachte ich schon, die Bürokratie sei in den USA schlanker als in Deutschland. Da hatte ich aber auch noch nicht versucht, eine Sozialversicherungsnummer zu bekommen und mir eine Arbeitserlaubnis zu besorgen.
Dann ging alles Schlag auf Schlag. Nach zwei Wochen fing das Semester an, und man kam überraschend schnell in das amerikanische Alltagsleben hinein. Das bedeutet, daß man sich an Dinge wie 24 Stunden am Tag einkaufen, bei Rot rechts abbiegen, Professoren, die immer für einen da sind, Swimmingpools bei jedem Apartmentkomplex und an andere Annehmlichkeiten mehr gewöhnte. Das hieß allerdings auch: Hausaufgaben wie in der Schule, nur wesentlich mehr, kein Bierchen in der Öffentlichkeit, schon gar nicht auf dem Campus und deutlich höhere Lebenshaltungskosten.
Durch das Studium weitestgehend ausgelastet verging die Zeit bis zu den Weihnachtsferien wie im Fluge. Glücklicherweise war es kein Problem, den englischsprachigen Vorlesungen zu folgen. Schwieriger war es schon, mit der Umgangssprache unter den amerikanischen Bekannten zurechtzukommen. Den Slang der Schwarzen verstehe ich bis heute nicht, aber das tun viele weiße Amis auch nicht, was ein wenig beruhigt.
Die fünfwöchigen Weihnachtsferien wurden dann erst einmal zum Urlaub genutzt, schließlich ist Florida gleich um die Ecke. Die Erholung war auch notwendig, denn das zweite Semester ließ nicht lange auf sich warten.
Bevor es allerdings anfing, kam die große einwöchige Heimwehphase. Schließlich war eine Woche vor Semesterbeginn nicht viel zu tun, die meisten Freunde waren noch nicht zurück, und Baton Rouge war tot. Ich hatte aber nicht lange Zeit, nachzudenken, denn ich bekam die Zulassung zum Masters Pro-gramm, was bedeutete, daß neben dem Studium noch eine Thesis, also eine schriftliche Arbeit, zu schreiben war. Dafür habe ich aber meinen Aufenthalt noch um das Sommersemester verlängern können, was den positiven Nebenef-fekt hatte, daß ich die College-Baseball Saison bis zum Ende verfolgen konnte. Immerhin wurde meine Uni Vierte in den USA. Übertroffen wurde Baseball allerdings vom Football. Das Stadion auf dem Campus war bei jedem Heimspiel mit 80.000 Leuten ausverkauft. Die meisten Zuschauer kamen schon einen Tag vorher und campten auf den Parkplätzen. Vor den Spielen war dann richtig Party, sogar Bier in der Öffentlichkeit wird an Spieltagen geduldet. Wenn Berufstätige in den ersten fünf Jahren nur zwei Wochen Jahresurlaub haben, erhöht sich der Stellenwert des Wochenendes halt gewaltig, ganz im Gegensatz zum Reiz dort zu arbeiten.
Während des Frühjahrssemesters standen zwei große Ereignisse an, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Zum einen der Spring Break in Panama City Beach, wo allerdings das Wetter nicht gerade überzeugte und wir mit drei Leuten zwei Nächte im Kleinwagen übernachteten, und der Mardi Gras (Fasching) in New Orleans, wogegen der Spring Break ein Waisenfest war.
Eins fix drei war dann auch das Frühjahrssemester vorüber, und von 15 deutschen Studenten, die mit mir im August 1997 an der LSU anfingen, gingen 13 wieder zurück nach Deutschland. Die vierzehnte entschied sich, ihren Doktor an der LSU zu machen, und ich begann den Endspurt für die Thesis. Das lief aber alles problemlos, so daß ich nach ziemlich genau einem Jahr in den USA mit Hut und Umhang bekleidet mein Diplom in die Hand gedrückt bekam. Ein weiterer Pluspunkt für die USA, denn so eine Veranstaltung ist doch schon netter, als sich sein Zeugnis im Studiensekretariat abzuholen.
Nachdem ich noch ein paar Touristenziele besichtigt habe, die mich davon überzeugten, daß die USA ein hervorragendes Urlaubsland ist, ging es Ende August zurück ins verregnete good ol” Germany. Bleibt nur noch ein Fazit zu zie-hen: Es hat ungeheuer viel Spaß gemacht, in einer anderen Welt zu leben und die Vor- und Nachteile des Lebens in Deutschland von einer ganz anderen Perspektive zu sehen. Ein paar Eindrücke habe ich angeführt, aber wenn man irgendwie die Möglichkeit hat, in die USA zu gehen, beispielsweise zum Studieren, sollte man sie nutzen und sich ein eigenes Urteil bilden. Mir wurde dies von der Fulbrightkommission und der Friedrich-Naumann-Stiftung ermöglicht, wofür ich beiden ganz herzlich danke.

Merten Jung