Ein Leben für den Kanusport

Ernst Libudas Spagat zwischen Sport und Beruf

Im Jahr 1968 machte Ernst Libuda einen Schritt, der sein Leben bis in die Gegenwart prägen und beeinflussen sollte: Er begann mit dem Kanusport.

Nachdem der heute 44jährige Angestellte der TU-Harburg als Kind mit Begeisterung den Lederball kickte, schlug als Jugendlicher sein Herz nun für den Wassersport. Geboren wurde Ernst Libuda in Sangenstedt nahe der Stadt Winsen an der Luhe. Seine ersten acht Lebensjahre verbrachte Ernst Libuda dort, bevor seine Familie nach Harburg zog. Schon bald merkten seine Betreuer und Trainer beim W.V.-Süderelbe, daß sich bei Ernst Libuda Talent und Trainingsfleiß vereinten. "Damals war ich so gerne beim Training, daß meine Eltern mich bremsen mußten", erinnert sich der Regierungsoberinspektor. Die Erfolge ließen bei soviel Feuereifer natürlich nicht lange auf sich warten: Bereits ein Jahr, nachdem er seine Liebe zum Wildwasserrennsport entdeckt hatte, wurde Ernst Libuda bei den Deutschen Jugendmeisterschaften Vize-Meister. Auch im Jahr darauf brachte er die Silbermedaille mit nach hause. Trotz der vielen Trainingseinheiten bereitete ihm der Abschluß der Handelsschule keine großen Probleme. Als Beruf wählte er den des Industriekaufmannes. Eine Ausbildung bei der Harburger Phoenix AG wurde im Anschluß an die Schulzeit erfolgreich absolviert. 1972 mußte Ernst Libuda seinen Wehrdienst antreten. Aufgrund seiner errungenen Erfolge war er zu diesem Zeitpunkt bereits Mitglied des C-Kaders der Nationalmannschaft. Damit war für ihn der Weg frei in die Sportkompanie der Bundeswehr in Sonthofen. Hier fand der Ausnahmeathlet sehr gute Trainingsbedingungen vor, so daß weitere sportliche Erfolge nur eine Frage der Zeit waren. 1975 begann eine Siegesserie, die bisher einmalig im deutschen Kanusport ist: Die erste von insgesamt 45 Deutschen Meisterschaften im Einzelwettbewerb wurde gewonnen. Mit dieser Anzahl an Titeln hält Ernst Libuda den nationalen Rekord im gesamten Kanusportbereich.

Auch auf internationaler Ebene sammelte Ernst Libuda Erfolge wie kaum ein anderer: Seinen ersten Weltmeister-Titel holte er 1977 in Österreich.

Im Jahr 1987 beendete er erneut die Weltmeisterschaft auf dem obersten Treppchen. Insgesamt gewann Ernst Libuda zehn Medaillen bei Welttitelkämpfen. Aufgrund seiner sportlichen Erfolge wurde dem Harburger Ausnahme-Kanuten 1979 die höchste nationale Auszeichnung für Sportler verliehen: Der damalige Bundespräsident Carl Carstens steckte ihm das Silberne Lorbeerblatt ans Sakko.

Seinen zweiten Weltmeistertitel konnte Ernst Libuda 1987 im französischen Bourg-St. Maurice gewinnen. In diesem Jahr wurden auch beruflich die Weichen gestellt: Nachdem Ernst Libuda schon bei der Bundeswehr vier Jahre die Schulbank gedrückt hatte, entschloß er sich zu einem Studium an der Verwaltungs-Fachhochschule in Hamburg. Mit dem Abschluß als Regierungsinspektor in der Tasche stand einem beruflichen Einstieg an der Technischen Universität nichts mehr im Weg.

"V 42" hieß die Abteilung in der Ernst Libuda seit Oktober 1990 für die Drittmittelverwaltung zuständig war. Der neue Arbeitsplatz war allerdings nicht die einzige Veränderung im Jahr 1990. Von einer Trainingsausfahrt kehrte er mit einem "dicken Fisch" am Haken zurück: Vereinskollegin Jacqueline eroberte bei einer gemeinsamen Ausfahrt auf der Elbe das Herz des zweimaligen Weltmeisters.

Die Kinder Phillipp (6) und Eric (3) vervollständigen die glückliche Ehe der beiden Wassersportler. Trotz seines beruflichen Engagements als Regierungsoberinspektor im Haushaltsreferat der TU trainiert Ernst Libuda noch heute täglich und nimmt zusätzlich an Wettkämpfen teil. "Im kommenden Jahr wird die Weltmeisterschaft wieder auf meiner Lieblingsstrecke in Garmisch-Partenkirchen auf der Loisach ausgetragen, ein erneuter Titelgewinn wäre der krönende Abschluß meiner Karriere," so Ernst Libuda, der sich ein Leben ohne Sport nicht vorstellen kann.

Christian Bittcher