300 Gespräche geführt

Zu Gast auf der Bildungsmesse in Jakarta, Indonesien

"Technical University of Hamburg-Hargug". In silbernen Lettern prangt dieser Name über dem Messestand, der die kommenden vier Tage unser Arbeitsplatz sein wird. Scheinbar sind wir nicht die einzigen, die bis zur letzten Minute Vorbereitungen treffen und teilweise improvisieren mußten, denn in Halle 2 des Balai Sidang Convention Centers herrscht noch allgemeines Durcheinander. Immerhin läßt sich bald jemand finden, den orthografischen Mißstand zu beheben.

Es ist Dienstag, Vorabend der "Qualification Asia ´97". Unsere Gruppe, bestehend aus Sandra Purkayastha von dem Akademischen Auslandsamt der TUHH, Prashant Rao, Maschinenbaustudent, Prof. Klaus Rall, stellvertretender Studiendekan Maschinenbau und Koordinator des Master-Programms "Mechatronics" und mir, studentischer Hilfskraft der Pressestelle, macht sich daran, für den morgigen Tag alles vorzubereiten. Diverse Zentner Informationsmaterial werden ausgepackt und verstaut, Poster aufgehängt, ein Internetanschluß eingerichtet. Noch weiß niemand, was uns die Messe bringen wird. Hektik und Chaos? Gähnende Langeweile?

Die "Qualification Asia ´97" bot vom 25. bis 28. Juni drei ausgesuchten deutschen Hochschulen die Möglichkeit, ihr internationales Studienangebot in der Hauptstadt Indonesiens vorzustellen. Unterstützt vom DAAD waren neben der TUHH die FH Aachen und die UGH Duisburg vertreten. Die TUHH präsentierte ihre Master-Programme, die ab dem WS ´97/´98 Studierende aus aller Welt einladen, ein technisches Studium in Deutschland mit dem international anerkannten "Master of Science" abzuschließen. Dieses Angebot ist neu in Deutschland und kommt doch spät, gemessen am Vorsprung anderer Länder auf dem Gebiet "Internationalisierung des Studiums". Besonders die Vereinigten Staaten und Australien besitzen für indonesische Studierende eine hohe Anziehungskraft, was sicherlich auch am hohen Werbeaufwand liegt, den die dortigen privaten Universitäten bereits in indonesischen Schulen betreiben. Unser Ziel auf der Messe konnte also (neben der einen oder anderen Bewerbung für ein Master-Programm an der TUHH) zunächst nur sein, überhaupt bekannt zu werden und Kontakte zu knüpfen für einen dauerhaften Austausch von Informationen. Zudem wollten wir Erfahrungen sammeln für zukünftige Öffentlichkeitsarbeit im Ausland.

Samstag abend. Die Messe ist gelaufen, und wir sitzen in höchst angenehmer Atmosphäre mit den Aachenern und Duisburgern zur Bier- und Bestandsaufnahme. Die Grundstimmung ist zufrieden, denn neben den messeüblichen Jägern und Sammlern haben sich zwei Gruppen von interessierten Besuchern und (allerdings in der Minderheit) Besucherinnen herausgebildet. Es sind dies zum einen natürlich indonesische Studierende, die differenziert erfragten, was ihnen ein Studium in Deutschland bietet und welche Voraussetzungen sie dafür mitbringen müssen. Die zweite Gruppe ist die der "Verteiler" mit guten Kontakten zu Schulen, Hochschulen oder bildungspolitischen Institutionen. über 300 Gespräche konnten wir im Verlauf der Messe führen. Dabei wurde ein großes Interesse an einem deutschen Hochschulstudium offenbar gepaart mit Erstaunen über die neuen Möglichkeiten, wie die TUHH sie bietet. Für uns bedeutet das: der Wunsch nach Information ist, nicht nur in Indonesien, stark ausgeprägt. Geben wir sie! Für die Zukunft gilt es, die neuen Kontakte zu vertiefen und in bundesweiter Zusammenarbeit ein Konzept zu erstellen, mit dem das an Attraktivität gewinnende deutsche Studienangebot weltweit beworben werden kann.

Unserer Gruppe blieb leider wenig Zeit, um abseits von Hotel und Messezentrum Eindrücke zu gewinnen von einer Stadt, die auf der Fläche Hamburgs gut elf Millionen Menschen beherbergt. Dennoch bleiben von den acht Tagen in Idonesien neben einer gelungenen Premiere auf einer internationalen Messe einige unvergleichliche Erinnerungen. Wer könnte schon von sich behaupten, mit erwachsenen Menschen in Amt und Würden Karaoke gesungen zu haben?

Matthias Wendt