TUHH-Technologie GmbH

Beispiel für ein modernes Transferkonzept

Bedeutung des Technologietransfers für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen
Die Förderung von Innovationen wird allgemein als Schlüssel für die Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und damit für wirtschaftliches Wachstum und für die Schaffung neuer Arbeitsplätze hervorgehoben. Technische Innovationen basieren auf wissenschaftlichem und technologischem Wissen. Während die für die Innovation erforderliche Wissensgenerierung früher überwiegend in den innovierenden Unternehmen selbst erfolgte, führten die Verkürzung der Innovationszeiten, die zunehmende Komplexität und Interdisziplinarität in Wissenschaft und Technik sowie, als Folge dieser Faktoren, die steigenden Kosten für Forschung und Entwicklung dazu, daß sich die Unternehmen zunehmend technologisches Wissen aus externen Quellen, aus Hochschulen, Forschungsinstituten oder anderen Unternehmen, beschaffen.
Beinahe jedes sechste Unternehmen bezieht heute F&E - Leistungen überwiegend von fremden Unternehmen oder Forschungseinrichtungen. Der Bedarf an Technologietransfer, d.h. an der planvollen Übertragung wissenschaftlichen und technologischen Wissens zwischen Personen und Institutionen mit dem Ziel Innovation, wird in Zukunft weiter steigen. Dabei ist Technologietransfer nicht als Einbahnstraße, sondern als aktive Kooperation zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstituten zu verstehen.

In einer Reihe neuerer regionaler und nationaler Untersuchungen zum organisierten Technologietransfer in Deutschland ist die seit 1980 gewachsene Transferstruktur, insbesondere hinsichtlich der unterschiedlichen intermediären Vermittlungsagenturen, in heftige Kritik geraten. So wird in der im Auftrag des
Bundeswirtschaftsministeriums erstellten ifo-Studie die mangelnde Fachkompetenz der Mittlereinrichtungen beklagt, andererseits aber auch fehlende Transfervoraussetzungen bei den direkten Transferpartnern (Produzent, Nachfrager) bemängelt. Hier werden insbesondere Motivations-, Kompetenz- und Kompatibilitätsprobleme als Transferhindernisse festgestellt.

Für die Technologiemittler postuliert die ifo-Studie als Aufgaben eine möglichst unternehmensnahe Bereitstellung bzw. Vermittlung technologieorientierter Erstinformationen und -kontakte, den Transfer von schutzrechtlich abgesicherten Forschungsergebnissen sowie die Bildung von Transfernetzwerken. Hochschultransferstellen sollen unter marktähnlichen Bedingungen, d.h. mit interner Leistungsverrechnung, subsidiär zur Unterstützung der direkten Transferpartner aktiv werden und sich zu Kompetenzzentren mit eigenständigem Leistungsprofil entwickeln.
 

TUHH - Technologie GmbH
Im Herbst 1992 wandelte die Technische Universität Hamburg-Harburg als erste deutsche Universität ihre bisherige Technologietransferstelle in eine privat-wirtschaftlich organisierte Gesellschaft, die TUHH - Technologie  GmbH (TuTech), um, die sich im Markt über Aufträge selbst finanziert. Damit wurden neue, effizientere Möglichkeiten geschaffen, das vorhandene Potential der Hochschule nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu erschließen und Unternehmen zugänglich zu machen. Die Technische Universität Hamburg-Harburg schließt mit Hilfe ihrer eigenen Technologieberatungs- und -verwertungsgesellschaft die Lücke zwischen universitären Forschungsergebnissen und ihrer Umsetzung als Produkt oder Verfahren im Markt. Der Bau und Betrieb von Pilotanlagen, die Fertigung von Prototypen sowie die Implementierung von an der TUHH entwickelten Produkten oder Verfahren in Unternehmen durch eine hochschulnahe Firma garantieren einen Technologietransfer der kurzen Wege. Dabei orientiert sich TuTech am Kunden. Ziel ist immer das optimale Ergebnis für das Unternehmen. Umgekehrt profitiert die TUHH bei der Zusammenarbeit durch neue Impulse für Forschung und Lehre und - nicht zuletzt - durch zusätzliche Finanzmittel für angewandte Forschung.
 
In 1997 haben die Fachhochschule Hamburg und TuTech einen Kooperationsvertrag über die Zusammenarbeit in Auftragsforschung, -entwicklung und Technologietransfer bezogen auf die Aktivitäten des Instituts für Werkstofftechnik und Schweißtechnik der Fachhochschule Hamburg geschlossen. Mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wurde ebenfalls eine Zusammenarbeit im Bereich Industriekoope-ration vereinbart. Die praktische Arbeit des Kieler Büros der TuTech wird im Mai auf- genommen.

Statistik
Im Mai 1998 beschäftigt TuTech in Forschung/Entwicklung, Beratung und Projektverwaltung 105 wissenschaftliche, technische bzw. kaufmännische Angestellte sowie 45 studentische Hilfskräfte. Der Gesamtumsatz von TuTech einschließlich der Mittel für Vertragspartner und Unterauftragnehmer aus EU-Verbundprojekten belief sich 1997 auf rd. 18,5 Mio. DM.

Projektbewilligungen 1997
In 1997 sind insgesamt 538 neue Auftragsforschungsprojekte und Entwicklungsaufträge mit einem Gesamtvolumen in Höhe von rund 10,8 Mio. DM (ohne EU-Verbundprojektpartner) neu eingeworben worden. Dabei entfallen auf Projekte, die in Verbindung mit Arbeitsbereichen der TUHH stehen, rund 8,5 Mio. DM.

Strategische Neuausrichtung des Technologietransfers in Hamburg
Zusammenführung von TUHH - Technologie GmbH (TuTech) und Technologie - Beratungszentrum - Hamburg (TBZ)
Durch Zusammenführung ihrer Kräfte zu einer Transfereinheit haben TuTech und TBZ im Frühjahr 1997 die Grundlage für die Optimierung des Technologietransfers in Hamburg gelegt.  Im Zusammenwirken mit Hamburger Hochschulen sowie Forschungs- und Beratungseinrichtungen bietet die „neue” TuTech Wirtschaft und Wissenschaft ein komplettes Bündel an Technologietransferleistungen an.

Das erfolgreiche Transferkonzept der TuTech, das inzwischen zum Modell für die Gründung weiterer hochschulnaher Technologietransfer - Gesellschaften in Deutschland avanciert ist, bildet die Basis für eine strategische Neuausrichtung der Hamburger Technologietransferszene. Nachfrageorientierung und kurze Transferwege sind die Schlagworte der neuen Struktur. Als „one-stop-shop” berät TuTech Unternehmen bei technischen Fragestellungen, vermittelt die geeigneten Experten und übernimmt im Auftrag auch das Management der Kooperationsprojekte zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Europaweit hat sich dieses Konzept technologienaher  Kompetenzzentren als erfolgreiches Transfermodell herauskristallisiert, bei denen der Nachfrager eine Komplettlösung seines Problems unter Einschaltung von Experten unterschiedlicher Institutionen erhält. Für die erfolgreiche Arbeit solcher Zentren sind Kompetenzen hinsichtlich  Fachwissen, Projekt-/Prozeßmanagement, Vertragsgestaltung, Finanzierung und Patentfragen erforderlich. Querschnittskompetenzen wie Projektmanagement, Vertragsgestaltung und Finanzierung sind in einer Serviceeinrichtung, die gleichzeitig die Aufgaben einer zentralen Ansprechstelle für Technologietransfer wahrnimmt, zusammengefaßt.

Durch die Zusammenführung von TuTech und TBZ sind bisher über Hamburg verteilte und nur unzureichend koordinierte Ressourcen nunmehr in einer Einrichtung gebündelt, die Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen des Hamburger Wirtschaftsraums gleichermaßen als Brücke zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zur Verfügung steht. Dabei schlägt TuTech nicht nur die Brücke zur TU Hamburg-Harburg sondern bezieht, wie die bereits erfolgreich praktizierten Kooperationen mit der Fachhochschule Hamburg und dem GKSS Forschungszentrum Geesthacht zeigen, ausdrücklich auch andere Hochschulen und Forschungs- und Technologieeinrichtung in die Arbeit mit ein.

Dr. Helmut Thamer
Geschäftsführer TuTech