Frischer Twen - Seit zwei Jahrzehnten ständig in Bewegung

Die Technische Universität Hamburg-Harburg ist am 22. Mai 1978 gegründet worden und würdigt dieser Tage in einer Sondersitzung des Hochschulsenats ihr zwanzigjähriges Bestehen.

Zwanzig Jahre sind in der deutschen Hochschullandschaft eine kurze Zeit. Und doch gibt es über die TUHH, die noch immer zu den jüngsten Hochschulen in Deutschland gehört, viel Geschichtliches zu berichten. Das mag daran liegen, daß die TUHH aufgrund ihrer Jugend eine beachtliche Dynamik an den Tag gelegt hat, sei es beim Ausbau ihrer Kapazitäten zur Lehre und Forschung, bei der Aufnahme und Pflege von Kontakten zur internationalen Hochschulwelt und Wirtschaft oder bei der Entwicklung von innovativen Studiengängen.

Genau ein halbes Jahrhundert, nachdem der damalige Altonaer Oberbürgermeister Max Brauer die Denkschrift "Die Technische Hochschule an der Niederelbe”veröffentlicht hatte, wurde das Gesetz zur Einrichtung der TUHH verkündet. Unter dem Gründungspräsidenten Prof. Hans Günter Danielmeyer nahmen die ersten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im folgenden Jahr, 1979, ihre Arbeit auf. Sie bezogen ein ehemaliges Fabrikgebäude an der Harburger Schloßstraße im Binnenhafen, das zu diesem Zweck umgebaut worden war. Ein weiteres Jahr später begann der Forschungsbetrieb, und die ersten Professoren wurden berufen. 1982 wurde das erste Gebäude auf dem heutigen Campus an der Eißendorfer Straße, das "Technikum", fertiggestellt, und der Lehrbetrieb begann - zunächst mit Studierenden aus höheren Semestern, im Wintersemester «83/«84 schließlich mit Erstsemestern.

Nach Erhalt der Rechtsselbständigkeit 1985 ging die TUHH mit großen Schritten den Weg zu der weithin bekannten und geschätzten Bildungsinstitution, die sie heute ist. In den Jahren «86 bis heute wuchs der Campus durch die Bauabschnitte I bis IV. Dabei wurde darauf geachtet, den Lebens- und Arbeitsraum der Studierenden und des Personals möglichst ansprechend zu gestalten - man darf sagen erfolgreich, denn der Campus der TUHH gilt unter Angehörigen der Universität wie unter der anliegenden Bevölkerung als "grüne Oase".

Mit den wachsenden Kapazitäten an Raum und wissenschaftlichem Personal einher ging der Ausbau des Lehrangebotes und der Forschung. Von 85 Studierenden (65 Erstsemester) im WS «83/«84 auf heute 4083 Studierende (561 Erstsemester) bewegten sich die Zahlen, und die TUHH wächst weiter. So werden die in Zusammenarbeit mit anderen Hamburger Hochschulen eingerichteten hochschulübergreifenden Studiengänge weitere Studierende nach Harburg ziehen. Zudem bietet die TUHH auch ausländischen Studierenden ein attraktives Studium mit individueller Ausrichtung und, seit Einrichtung der "Master«s Programmes”im letzten Jahr, mit international anerkannten Abschlüssen.

Die TUHH sollte von Beginn an engen Kontakt zum regionalen Umfeld halten. Dies wurde nicht zuletzt im Gründungsauftrag von 1978 festgeschrieben, welcher stichpunktartig lautet: Forschungspriorität, Interdisziplinarität, Innovation und - Regionalität. Kooperationen mit regionalen und überregionalen Unternehmen fördern nicht nur die wirtschaftliche Attraktivität der Region; sie
kommen auch der TUHH zugute, z.B. in Form materieller und personeller Ausstattung. Davon profitieren sowohl die Forschung als auch die Lehre. Im Laufe der Jahre wurden unter Federführung oder Beteiligung der TUHH zahlreiche Projekte ins Leben gerufen, die der
Existenzgründung, Technikvermittlung oder wissenschaftlicher Zusammenarbeit dienen.

Ein Blick in die nahe und fernere Zukunft verspricht weitere, vielversprechende Schritte auf dem eingeschlagenen Weg, der die TUHH zu einer kompetenten und kreativen Institution heranwachsen ließ. Vernetzung der Hochschulen, Ausbau nationaler sowie internationaler Beziehungen im akademischen und wirtschaftlichen Bereich, Internationalisierung des Studiums und Flexibilisierung der Studienpläne bilden Marksteine auf diesem Weg. Die Ideen und Projekte, welche die TUHH entwickelt hat, haben manchmal Anlaß zu kontroversen Diskussionen gegeben. Dies ist sicherlich angebracht, da die TUHH einen gesellschaftlichen Auftrag zu erfüllen hat, dessen sie sich auch voll bewußt ist. Ihre Entwicklungsgeschichte hat jedoch wiederholt gezeigt, daß die junge TUHH als Wegbereiterin für neue Konzepte Schwung in die deutsche Hochschullandschaft bringen kann. Die bundesweit geführte Debatte um private Hochschulen und daran angelehnte Modelle etwa wird selbstverständlich auch an der TUHH wahrgenommen und weitergeführt. Prognosen zu dieser Entwicklung sind noch sehr zurückhaltend abzugeben und zu bewerten. Sicher ist, daß die TUHH ihrer Geschichte noch viele bedeutsame Daten hinzufügen wird.

Matthias Wendt