Internationale Kooperationen

In einer Zeit der Globalisierung der Märkte und der Zunahme der internationalen Konkurrenz ist es für den Standort Deutschland und die Region Hamburg zwingend erforderlich, weltweit mit internationalen Partnern zu kooperieren. Dazu müssen Beziehungen zwischen Menschen aufgebaut und gepflegt werden.

In loser Folge wird das internationale Kooperations-Netzwerk der TUHH vorgestellt:

Shanghai

Die seit 1987 bestehenden wissenschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Bereichen Hochfrequenztechnik der damaligen Shanghai University of Science and Technology (SUST) und der TUHH, in deren Verlauf der Humboldt Gastprofessor Pan 1 Jahr an unserer TU forschte, mündete 1991 in einen förmlichen Partnerschaftsvertrag, den der damalige Präsident Mecking mit dem Vizepräsidenten Xu Deming der SUST abschloß. Dieser Vertrag sieht einen Wissenschaftleraustausch vor, wobei die aufnehmende Seite jeweils die Aufenthaltskosten übernimmt, einen Austausch von Erfahrungen in der Lehre sowie von Erkenntnissen in der Forschung, schließlich aktive Unterstützung der SUST beim Aufbau einer modernen, wissenschaftlichen Bibliothek leistet. Die damalige Absichtserklärung wurde in der Folgezeit mit vielfältigem Leben erfüllt. Neben einigen kürzeren gegenseitigen Arbeits- und Informationsbesuchen kam es zu ein- bis zweijährigen Aufenthalten von Gästen aus Shanghai auf verschiedenen Ebenen. Beispielsweise weilte ein Bibliotheksmitarbeiter für ein halbes Jahr in Hamburg-Harburg, um in EDV gestützte Organisation einer Wissenschaftsbibliothek eingearbeitet zu werden, ein Techniker arbeitete über drei Jahre am Arbeitsbereich Werkstoffphysik und wurde hier mit Aufbau und Bedienung moderner Versuchsanlagen bekannt gemacht, zwei Wissenschaftler forschten mit großem Erfolg über einen Zeitraum von je einem Jahr am Arbeitsbereich Digitale Kommunikationssysteme. Dieser erfreulich aktive Austausch fand jedoch bisher leider nur in einer Richtung statt. An gemeinsamen Aktivitäten in Shanghai sind lediglich die zweimalige Organisation einer internationalen Konferenz (in Shanghai sowie in Peking) und die Betreuung eines dortigen Doktoranden vom Arbeitsbereich Hochfrequenztechnik zu nennen. Dieser Doktorand, Herr Su Yong, kommt jetzt für ein Jahr nach Harburg, um seine Forschungsarbeiten auf dem hochmodernen Gebiet des chaotischen Verhaltens oszillatorischer Systeme zu ergänzen und zu vertiefen. Promoviert werden soll er dann nach Abschluß seiner Arbeiten in China.

Spezielle Erfahrungen aus unserer Partnerschaft mit der Shanghai University (zu der 1994 die SUST mit einigen weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen zusammengeschlossen wurde) betreffen zum einen deren Organisation und praktische Ausgestaltung, zum anderen das Kennenlernen der Denk- und Arbeitsweise chinesischer Diplomingenieure. Hinsichtlich der praktischen Ausgestaltung ist große Sorgfalt darauf zu verwenden, daß der chinesische Partner aus den Gastaufenthalten auch wirklich Nutzen ziehen kann. Dazu sollten diese von begrenzter Dauer sein und in die Ausbildung integriert werden, so daß die gesammelten Erfahrungen dann unmittelbar und vollständig der entsendenden Universität zugute kommen. Das Kennenlernen der chinesischen Ausbildung sowie der damit verbundenen Denk- und Arbeitsweise stellt zugleich einen wesentlichen Vorteil der Partnerschaft dar, ermöglicht es doch eine Einschätzung des Leistungsvermögens dieses wichtigen Partners und Konkurrenten auf dem durch internationale Verflechtungen und Abhängigkeiten bestimmten Weltmarkt. Da die typischen Grundmerkmale durch die stets gegenwärtigen Auswirkungen von System und Gesellschaft markiert sind, können sie nur infolge eines längeren persönlichen Kontaktes erkannt werden. Es ist daher dieser Partnerschaft, die sicher auch die große Zahl der jedem offensichtlichen Vorteile enthält, eine stetige Blüte und Weiterentwicklung zu wünschen.

Prof. Dr. Ing. Klaus Schünemann, Tel. 040/7718-3019