Baut Brücken in Wilhelmsburg

Ergebnisse eines studentischen Wettbewerbes für Studierende der Studiengänge Städtebau/Stadtplanung und Bauingenieurwesen/Umwelttechnik der TUHH

Der Stadtteil Wilhelmsburg wird von vielen HamburgerInnen meist nur als “Transitraum”, z.B. auf dem Weg zum Arbeits- oder Studienplatz, wahrgenommen. Verläßt dann doch jemand die S-Bahn an der Haltstelle “Wilhelmsburg”, um einen bislang unbekannten Stadtteil zu entdecken, fehlt dem Ortsunkundigen bereits am S-Bahnhof die Orientierung. Die Eisenbahngleise im Westen stellen eine Barriere dar, die zu überwinden sich scheinbar nicht lohnt und die östliche Perspektive bietet einen Busbahnhof und ein baulich verschachteltes Einkaufszentrum, das in den 70er Jahren “up to date”, heute jedoch mit offensichtlichen Mängeln behaftet ist.

Diese Problematik des fehlenden “Eingangstors” und die Zerrissenheit des Hamburger Stadtteils Wilhelmsburg, durch nord-südlich verlaufende Verkehrsbänder, hat der studentische Ideenwettbewerb “Baut Brücken in Wilhelmsburg” zum Inhalt.

Studierende der Studiengänge Städtebau/Stadtplanung und Bauingenieurwesen/Umwelttechnik der TUHH entwickelten Ideen für eine Neu- und Umgestaltung der geographischen “Wilhelmsburger Mitte”, einem Gebiet zwischen dem Einkaufszentrum im Osten und dem Rathaus und Bürgerhaus im Westen.

Zwei Schwerpunkte charakterisieren das Thema des Wettbewerbes: Zum einen der Neubau oder die Umgestaltung von Brücken zur Überwindung der Eisenbahntrasse, zum anderen den Bau von Brücken - im übertragenden Sinne - als Zusammenführung der zwei, durch Straßen und Eisenbahngleise, zerrissenen Wilhelmsburger Stadtquartiere.

Initiiert wurde dieser Wettbewerb von Rolf Petersen, Inhaber des Wilhelmsburger Ingenieurbüros Petersen. Herr Petersen greift die zum Teil heftigen, emotional geführten Diskussionen im Stadtteil, über den Erhalt oder den Neubau der Brücken, auf. Als Verbindungselemente und als wichtige Fluchtwege bei Flutgefahr erhalten die Brücken für die WilhelmsburgerInnen eine hohe Bedeutung.

Die Arbeiten der Preisträger verdeutlichen das vielschichtige Spektrum der Ergebnisse. Den ersten Preis erhielten Christian Albrecht und Rüdiger Kinast (Städtebau/Stadtplanung) für ihre Arbeit “die Mitte im Kopf”. Ein System von Wasserkanälen gliedert eine Polderlandschaft mit den verschiedenen Nutzungsschwerpunkten Kultur, Sport und Bildung. Henning Ehlers (2. Preis, Bauingenieurwesen/Umwelttechnik) konstruierte eine Schrägseilbrücke zur Überwindung der Bahngleise. Mit einer auffälligen, weithin sichtbaren Konstruktion sollen die Vorbeireisenden aufmerksam und neugierig gemacht werden. Einen anderen Schwerpunkt setzt die Arbeit “blue box - Archipel Wilhelmsburg” von Julian Petrin (2. Preis, Städtebau/Stadtplanung). Ein Planungspavillon - in dem, zusammen mit den Wilhelmsburger BürgerInnen, Perspektiven für den Stadtteil diskutiert und entwickelt werden können. Mit Hilfe einer CD-ROM präsentiert Julian Petrin verschiedene Projekte; Ideen, die Lösungsmöglichkeiten zur Reduzierung der räumlichen Zerrisssenheit des Stadtteils darstellen. Die Arbeit “Wilhelmsburg Stadtteil statt Teile” von Rüdiger Bleck und Hans Olaf Klingenberg (2. Preis, Städtebau/Stadtplanung) bindet die bestehenden Nutzungen in eine Parklandschaft ein. Wohnen und Arbeiten im Park lassen die Vision von einem neuen, attraktiven Stadtteil entstehen. Der 3. Preis wurde an Ulrike Schulz und Peter Klink (Städtebau/Stadtplanung) vergeben. Ihre Arbeit “Brückenköpfe Wilhelmsburg” stellt Ideen für eine Neugestaltung des S-Bahnhofs und des angrenzenden Einkaufszentrums dar.

Claudia Hüttner erhielt einen Sonderpreis für ihre Arbeit “Brücke als Mitte?”. Ein Modell mit unterschiedlich gestalteten Brücken, die von den Betrachtern flexibel entlang der Bahntrasse angeordnet werden können, bietet die Möglichkeit der spielerischen Auseinandersetzung mit der Thematik, wodurch Denkprozesse über eine “Mitte” in Wilhelmsburg in Gang gesetzt werden sollen.

Die Arbeiten werden ab 6. Juni im AUDIMAX der TUHH in der Denickestr. 22 ausgestellt.

Dipl.-Ing. Birgitta Plass 040/7718-2926, 040/75 105 259