Berkeley - Diplomarbeit in Kalifornien gefällig?

Seit Herbst 1997 existiert ein Austauschprogramm zwischen der TUHH und dem Department of Mechanical Engineering der University of California at Berkeley (UCB). Diese Verbindung nutzten im vergangenen Jahr die Maschinenbaustudenten Henning Dechow und Karsten Mareck, gefördert von der Stiftung zur Förderung der TUHH. Das Kurzinterview gibt einige Eindrücke von ihrem 8 1/2 monatigem Auslandsaufenthalt wieder.

Spektrum: Was hat Sie dazu bewegt, Ihre Diplomarbeit an der UCB zu schreiben?
Dechow: Während der Schulzeit absolvierte ich ein Jahr an einer High School im US-Bundesstaat Oregon, und dort kam in mir der Wunsch auf, irgendwann einmal an einer amerikanischen Universität zu studieren. Dieser Wunsch wurde dann Wirklichkeit im vergangenen Jahr.

Der Campus von Berkeley mit seinem Wahrzeichen

Spektrum: Wie lange hat es gedauert, bis sich für Sie eine Art „Alltagsleben” an der UCB eingestellt hat?
Mareck: Das hat wesentlich länger gedauert, als ich es mir vorgestellt hatte. Die ersten ein bis zwei Monate vergingen mit der Wohnungssuche, der Anschaffung eines Fahrrades und Autos. Auch an die allgemeine Arbeits- und Forschungsweise im Lab(oratory) sowie das Büchereisystem mußte ich mich erst einmal gewöhnen. Außerdem verging in den ersten Wochen viel Zeit damit, das mit dem Professor vereinbarte Thema der Diplomarbeit mit den anderen Lab-Mitgliedern abzustimmen.

Spektrum: Verlief Ihr Aufenthalt reibungslos?
Dechow: Nein. Das erste Problem ließ nicht lange auf sich warten, denn bereits kurz nach meiner Ankunft mußte ich feststellen, daß das Thema, welches ich mit dem dortigen Professor für meine Diplomarbeit abgesprochen hatte, bereits vergeben war. Darüber hinaus mußte ich feststellen, daß eine finanzielle Unterstützung durch meinen Professor zur Anschaffung von Werkzeugen und Werkstücken nicht möglich war. Somit mußte ich mich um die Organisation der benötigten Materialien selbst kümmern. Auf der anderen Seite war aber gerade die Überwindung dieser Schwierigkeiten besonders reizvoll und für mich ein Erfolgserlebnis.

Spektrum: Inwieweit wäre aus Ihrer Sicht die Bearbeitung Ihrer Diplomarbeit hier an der TUHH anders verlaufen?
Mareck: Prinzipiell kann man sagen, daß die Art und Weise der Bearbeitung an der TUHH komplett anders verlaufen wäre. Das liegt an drei Dingen: Die Amerikaner fertigen ihre Diplomarbeit über den Zeitraum des gesamten Hauptstudiums an, und die Professoren sind somit nicht mit einer zeitlichen Begrenzung auf vier Monate Bearbeitungszeit vertraut. Außerdem gibt es keine formulierten Projekte am Schwarzen Brett. Die Diplomarbeiten sind grundsätzlich Ideen der Studierenden selbst, und das gilt auch für Austauschstudierende, was für uns eher ungewohnt ist. Hinzu kommt, daß die Betreuung in Berkeley sehr viel freier gestaltet ist als in Harburg. Dadurch wird natürlich eine viel höhere Selbständigkeit der Studierenden gefordert.

Spektrum: Was für Voraussetzungen sollte ein Student mitbringen für einen Studienaufenthalt an der UCB aus Ihrer Sicht mitbringen?
Dechow: Bezüglich der Diplomarbeit ist es wichtig, daß der Student sich bereits im Vorfeld um einen betreuenden Professor an der TUHH bemüht. Dieser muß unbedingt dazu bereit sein, kurzfristige Änderungen in der Themenstellung zu akzeptieren und dem Studenten freie Hand zu lassen. Von der Persönlichkeit her muß eine ausreichende Portion Arbeitswilligkeit – eine 6-Tage-Woche ist normal, eine 7-Tage-Woche nicht die Seltenheit! – gegeben sein. Hinzu kommt die Bereitschaft, sich schnell in ein neues Arbeitsumfeld einzuarbeiten. Dafür ist es wiederum erforderlich, daß man kontaktfreudig und offen für neue Dinge und Kulturen ist, nicht zuletzt auch wegen der Botschafterfunktion, die man im Ausland automatisch mitzuerfüllen hat. In Berkeley ist das Campusleben sehr multikulturell.

Spektrum: Was ist Ihr nächstes Ziel?
Dechow: Seit dem 10. März bin ich in Stade mit der Seitenleitwerksfertigung für den Airbus im Bereich der Technologieplanung beschäftigt. Außerdem habe ich mir vorgenommen, meinen ersten Urlaub wieder in der „Bay Area” zu verbringen, da durch meinen Aufenthalt viele Freundschaften entstanden sind, die ich gerne pflegen möchte. Mareck: Auch bin in das Berufsleben eingetreten. Seit dem 1. April bin ich bei der Firma Bosch in Bamberg im Bereich der Qualitätssicherung beschäftigt. Gerade in den Bewerbungsgesprächen wurde mir wieder verdeutlicht, wie sehr sich der Aufenthalt in Berkeley gelohnt hat. (sk)