Wie kommt Trinkwasser in trockene, abgelegene Gebiete Afrikas?

 

Lernen vom Feinsten 

Prof. Dr. Ralf Otterpohl schüttelt den Kopf. Er kann es einfach nicht begreifen. Schon mehr als 15 Jahre beschäftigt er sich mit den unterschiedlichen Aspekten des rural Development, der ländlichen Entwicklung also, „und da gibt es ein unglaubliches Defizit an den Universitäten dieser Welt, an denen wesentliche Entwicklungen fast gar nicht gelehrt werden“, sagt der promovierte Ingenieur. Hier will Otterpohl mithilfe seines Teams und der HOOU Abhilfe schaffen.

In immer mehr Regionen der Welt wechseln sich Trockenheit und Überschwemmungen als Folge der Bodenzerstörung ab. „Es gibt fantastische Methoden, Erosion zu beenden und umzukehren, um die Regionen wieder produktiv zu machen“, weiß Ralf Otterpohl, Leiter des Instituts für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz an der Technischen Universität Hamburg (TUHH). „Doch das ist etwas, dass an den Unis so gut wie gar nicht vorkommt, obwohl es eigentlich eine der wichtigsten Aufgaben für eine lebenswerte Zukunft ist.

Mit dem Lernangebot „Sustainable Rural Development and highly productive New Towns“ (Nachhaltige ländlichen Entwicklung und hoch-produktive neue Städte) verfolgt das Team um Professor Otterpohl eine kleinräumige Entwicklung, einen kleinbäuerlichen Ansatz. Denn: „Auf der Ebene ist extrem wenig Wissen vorhanden.“

Die Idee: ein globales Ausbildungstool

Über das Projekt Hamburg Open Online University (HOOU) will Otterpohl für die interessierten Universitäten dieser Welt eine erste Komponente für die spätere multilinguale Studienrichtung „Restoration Engineering“ anbieten, die Fachleute ausbildet, die wiederum ganze Regionen wieder in eine positive Entwicklungsrichtung steuern können. „Hierfür suchen wir aus allen Projekten, die es zu Themen wie Bodenverbesserung oder Erosionsbekämpfung auf der Welt gibt, die guten Komponenten raus und kombinieren diese erneut“, erklärt Otterpohl. Sein Ziel: „Wir machen das hier zwar schon an der TU seit über 15 Jahren, aber hier erreichen wir vielleicht hundert Studenten pro Jahr. Wir wollen aber eigentlich ein paar Hunderttausend erreichen!“

Schon seit einer Weile spielte Ralf Otterpohl daher mit dem Gedanken, ein Online-Ausbildungstool aufzubauen. „Aber das wäre sehr primitiv geworden“, gibt er unumwunden zu. „Durch die HOOU können wir das jetzt sehr viel professioneller aufbauen und für Interessierte in aller Welt realisieren.“ Medienprofis helfen bei der Realisierung, das Umfeld anderer Early Bird Projekte wie dem von Ralf Otterpohl ermöglicht einen engen methodischen Austausch.
In zehn Hauptsprachen der Welt soll hauptsächlich auf Video und Animationen basierendes Material angeboten werden. In einem TUHH-Modellprojekt in Äthiopien werden bereits praktische Materialien für die HOOU aufbereitet. Otterpohl weiß: „Das muss spannend sein, interessant, abwechslungsreich und ganz wichtig: interaktiv“ – ein weiteres zentrales Element der HOOU als Arbeitsgruppen-Tool.

Der Plan: Informationen auf drei Wissensebenen

Die Informationen werden auf drei Wissensebenen angeboten, um gerade jene Menschen mit wenig Ausbildung aber viel Engagement nicht nur wegen eines hohen wissenschaftlichen Anspruchs auszuschließen – und so gleichzeitig die Nachfrage nach den auszubildenden Ingenieuren und Beratern überhaupt aufzubauen. Entscheidungsträger aus Politik oder NGOs, die sich schnell informieren möchten, bekommen einen kurzen Überblick. Wer mehr wissen möchte, kann sich in unterschiedlichen Richtungen weiterklicken und bekommt eine Vertiefung zu Schwerpunkten wie etwa Wasser, Boden oder Energie. Auf der Ingenieursebene geht es dann ans wissenschaftlich-anwendungsorientierte Eingemachte in Sachen „Restoration Engineering“.

Wer sich mit Ralf Otterpohl über sein HOOU-Projekt unterhält, der merkt, dass er sich schon lange mit dem Thema beschäftigt und sich schon viele detaillierte Gedanken über Umsetzung und Ziele gemacht hat. Er ist begeistert von den Möglichkeiten, die ihm die  HOOU bietet. „Was mir besonders gut gefällt, das ist der Peer-to-Peer-Ansatz. Die Leute haben ähnliche Fragen, der eine weiß das schon, der andere das. Das ist großartig!“ Viele Menschen hätten ein Bedürfnis, sich auszutauschen, bestehende Foren würden das zeigen. „Da antworten Experten detailliert, auf hohem Niveau, unentgeltlich und ohne den gegenüber zu kennen, einfach weil sie Lust drauf haben. Dieses Lernen durch unterrichten – man hat dann was verstanden, wenn man es jemand anderem erklären kann – wenn das auch bei uns funktioniert, dann wird das Lernen vom Feinsten!“

Auf einen Blick:

Lernangebot: RUVIVAL (Sustainable Rural Development and highly productive New Towns“)
Verantwortlich: Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl, Leiter des Instituts für Abwasserwissenschaft und Gewässerschutz an der TUHH
 und Ruth Schaldach
Themengebiet: Ländliche Entwicklung

Keywords: Bodenverbesserung, Erosionsbekämpfung, Regenwassernutzung
Start des Projekts: 17.11.2016
Zugang zum Projekt: Ruvival


Zum Projekt auf der Homepage der HOOU: www.hoou.de


TUHH - Pressestelle
Jasmine Ait-Djoudi
E-Mail: jasmine.ait-djoudi@tuhh.de
Tel.: +49 40 428 78 3458
Fax: +49 40 428 78 2366

 

 

Nach oben