Nils Ole Tippenhauer - Von der TU in Hamburg an die ETH in Zürich

Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, kurz ETH, hat in ihrer über 150-jährigen Geschichte zahlreiche berühmte Söhne hervorgebracht: Albert Einstein und der Nobelpreisträger Wilhelm Conrad Röntgen studierten hier. Gottfried Semper, der die Oper in Dresden entwarf, war an der ETH von 1855 bis 1871 Professor für Architektur. Und auch der Schriftsteller Max Frisch sowie Carl Gustav Jung, der neben Sigmund Freud zu den Vätern der Psychoanalyse zählt, sind mit der Zürcher Hochschule verbunden. Auch heute zählt die ETH Zürich zu den weltweit besten Universitäten. Sie ist Studien-, Forschungs- und Arbeitsplatz von über 18 000 Menschen aus 80 Nationen. Einer von ihnen ist Nils Ole Tippenhauer. Der gebürtige Hamburger promoviert an der ETH Zürich auf dem Gebiet der Systemsicherheit.

Den Grundstein für seine akademische Laufbahn hat der 27-Jährige in Hamburg gelegt – an der Technischen Universität.

2001, nach seinem Abitur und dem Zivildienst, schaute sich Nils Ole Tippenhauer nach einem Studienplatz um. „Da ich seit jeher eine Affinität zu Computern hatte, war für mich klar, dass ich etwas mit Informatik studiere”, sagt er. Bereits als Grundschüler hat der Sohn eines Informatik-Lehrers in den Ferien kleine Computerprogramme geschrieben und sich am liebsten mit der Informatik beschäftigt, all dies Jahre bevor er dann in der neunten Klasse sein Hobby als Unterrichtsfach wählen konnte.

„Die Studienrichtung war also klar, die Frage war bloß: wo studieren?”, erinnert sich Tippenhauer. Nach Informationsveranstaltungen an der Uni Hamburg und der TUHH entschied er sich für die Ingenieurwissenschaften. „Mir gefiel der Bezug zur Anwendung, der – im Gegensatz zu einem reinen Informatik-Studium – im Studiengang Informatik-Ingenieurwesen an der TUHH Programm ist. Außerdem hatte die TUHH den Ruf, besonders anspruchsvoll zu sein”, sagt Nils Ole Tippenhauer.

Dass die Anforderungen tatsächlich hoch sind, hat der 27-Jährige schnell gemerkt. „Besonders in den Kernfächern Mathematik und Elektrotechnik hatte ich im Grundstudium trotz erheblichen Lernaufwands manchmal Probleme. Ich musste, anders als ich es von der Schule kannte, deutlich mehr tun, um in diesen Fächern mitzukommen”, erinnert sich Tippenhauer. Ein erster richtiger Schritt sei die Gründung kleiner Übungsgruppen gewesen, um gemeinsam mit Freunden für die Klausuren zu büffeln. „Das machte Spaß und brachte den nötigen Erfolg.”

Höhepunkt seines Studiums war sein Auslandssemester an der University of Waterloo in Kanada. „Nach meiner Rückkehr war ich noch motivierter, mein Studium zügig abzuschließen und bestand im folgenden Semester fast alle noch ausstehenden Klausuren”, sagt Tippenhauer. Der Arbeitsalltag während seines Praktikum bei Philips Semiconductors sei dagegen schon fast eine Erholung gewesen. Bei der Firma, die heute NXP heißt, schrieb der Student auch seine Diplomarbeit über „Seitenkanalattacken auf Smartcards”. „Es ging darum, den Stromverbrauch von Rechnern oder Chipkarten während einer Verschlüsselungsoperation zu beobachten. Aus dem Verbrauch lässt sich dann ableiten, mit welchen Werten gerechnet wurde. Dadurch können die geheimen Schlüssel, die auf solchen Chipkarten gespeichert sind, quasi durch einen ‚Seitenkanal’ ermittelt werden”, erklärt Nils Ole Tippenhauer das komplizierte Thema seiner Arbeit.

Nach dem Studienabschluss war der Hamburger entschlossen, in die Forschung zu gehen: „Die Arbeit dort ist meiner Meinung nach generell freier, kreativer und verantwortungsvoller als Entwicklungsarbeit in der Industrie.” Nach einigen Bewerbungen bei diversen Fraunhofer-Instituten sowie anderen Forschungseinrichtungen musste Tippenhauer lange auf Antwort warten. „Gleichzeitig wurde ich von Headhuntern angesprochen, die mir einen Job vermitteln wollten. So schaute ich mir auch ein paar Stellen in Entwicklungsabteilungen der Industrie an”, sagt er. Dann kam die ersehnte Zusage aus Zürich, und damit war für ihn klar, dass er in die Forschung gehen und promovieren würde. „Abgesehen von dem angenehmen sozialen Umfeld einer Universität, ist das Doktoratsstudium in Zürich auch finanziell attraktiv – vergleichbar mit einer Ingenieursstelle in der deutschen Industrie. Dafür kann ich den größten Teil meiner Arbeit selbst festlegen und bekomme, wenn alles gut geht, nach drei bis vier Jahren einen Doktortitel”, sagt der junge Wissenschaftler.

Viel von dem, was Tippenhauer an der TUHH gelernt hat, kann er an der ETH anwenden. Denn seine Forschungen über „Hardware-Sicherheit” erfordern ein tiefes Hintergrundwissen besonders in Elektrotechnik, Mathematik und Informatik, das er sich an der TUHH erworben habe.

Wie es weitergeht, wenn Nils Ole Tippenhauer den Doktortitel in der Tasche hat, weiß er noch nicht: „Ich habe bisher keine konkreten Pläne. Ein Teil meiner Familie ist aber vor knapp vierzig Jahren nach Kanada ausgewandert. Ich war schon sehr oft dort und kann mir deshalb gut vorstellen, auch einmal in Kanada zu arbeiten und zu leben.”

Seine Entscheidung für das Studium an der TUHH bereut er nicht, obwohl es „kein Spaziergang” gewesen sei: „Man muss sich die Grundlagen hart erarbeiten. Dafür erlaubte mir das Hauptstudium eine Spezialisierung in Bereichen, die mich am meisten interessierten.” Auf keinen Fall sollte man sich von den Studiengebühren von einem Studium abschrecken lassen, weil die Möglichkeiten nach erfolgreichem Abschluss um ein vielfaches größer seien.