Andreas Kwiatkowski - Kreativer Beruf ohne „Schema F”

Kreativität, Vielseitigkeit und Erfolg – das sind Begriffe, die Andreas Kwiatkowski mit dem Ingenieursberuf verbindet. Zu seinem Bedauern teilen nicht alle Menschen diese Vorstellung. „Viele stellen sich den Ingenieur immer noch als ärmelschoner-tragenden Konstrukteur vor, der nach ‚Schema F’ arbeitet und mit dem Bleistift lange Zahlenreihen notiert”, sagt der 38-jährige Elektroingenieur.

Nach seiner Ausbildung zum Energie-Elektroniker entschied sich der gebürtige Lübecker 1993 für ein Elektrotechnik-Studium an der Technischen Universität in Hamburg-Harburg (TUHH). Ausschlaggebend für seinen Entschluss waren der gute Ruf der Hochschule und die Atmosphäre auf dem Campus.

Mit dem Hochschulabschluss als Diplomingenieur in der Tasche stieg Andreas Kwiatkowski in das Berufsleben ein und begann 1999 im Entwicklungsbereich der Ingenieursgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) GmbH, mit über 3000 Mitarbeitern weltweit einer der führenden Partner der Automobilindustrie. „Das war eine spannende Zeit mit vielen interessanten Aufgaben in der Motorregelung”, erinnert sich der Ingenieur. Als er nach zwei Jahren das Angebot bekam, als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die TUHH zurückzukehren, zögerte er nicht lange und promovierte am Institut für Regelungstechnik über „Linear Parameter-Veränderliche Systeme”. Mit Hilfe seines Modellansatzes können - relativ einfach - Regelungen für komplexe technische Systeme wie Roboter und Motoren entworfen werden. „Ich war neugierig auf die Lehre und hatte Lust, wissenschaftlich zu arbeiten”, begründet er seine damalige Entscheidung. In dieser Zeit leitete er auch Übungen für Studenten im Bereich Regelungstechnik. „Während meiner wissenschaftlichen Tätigkeit habe ich fachlich und menschlich sehr viel dazu gelernt, zum Beispiel, wie man seine Arbeit professionell vor einem Publikum präsentiert und wie man ein Team führt und motiviert”, erinnert er sich.

Seit 2007 ist Andreas Kwiatkowski wieder in der Wirtschaft tätig. Bei der STILL GmbH in Hamburg, einem Hersteller von Gabelstaplern, arbeitet er als Ingenieur an der Entwicklung neuer Produkte. „Ich erstelle Konzepte und entwickle Software für unsere neuen Fahrzeuge. Zu meinen Arbeitsalltag gehören aber auch Tätigkeiten an Prüfständen sowie Testfahrten oder Gespräche mit internationalen Zulieferern”, erzählt er. Diese Vielseitigkeit sei es, die den Beruf des Ingenieurs auszeichne, und genau aus diesem Grund empfiehlt Andreas Kwiatkowski das Studium an der TUHH weiter: „Wer an der TUHH studiert, lernt, wie man strukturiert an Lösungen von technischen Problemen herangeht. Genau diese Kompetenz wird später im Beruf, egal in welcher Sparte man tätig ist, ob in der Forschung und Entwicklung, dem Service und Vertrieb oder dem Marketing und der Produktion, gebraucht.”

Mit „Schema F” und dem stupiden Notieren von Zahlenreihen habe die Ingenieurstätigkeit rein gar nichts zu tun – im Gegenteil: „Die typischen Ingenieursaufgaben setzen ein hohes Maß an Kreativität voraus. „Denn zur Lösung von Problemen gehört es, zuerst die richtigen Fragen zu stellen, um zu richtigen Antworten zu gelangen”, sagt er. Zugleich müsse man wissen, wie man bestehende ‚Werkzeuge’, zum Beispiel Software, Messtechnik oder einen theoretischen Modellansatz, zur Lösung von Problemen nutzen könne. Stets seien auch die Phantasie und Kreativität angesprochen. „Genau diese Fähigkeiten werden an der TUHH geschult”, sagt der Liebhaber moderner Jazzmusik. Auch ihm seien „die richtigen Werkzeuge” für das Berufsleben mitgegeben worden: ein starkes methodisches Wissen einerseits und andererseits die Fähigkeit, seine Phantasie bei der Suche nach neuen Wegen einzusetzen.