Marcus Gohl - Heute Elektrotechniker, morgen Maschinenbauer in der Automobilindustrie

Schon als Kind hat sich Marcus Gohl brennend für Mathematik und Naturwissenschaften interessiert. Für ihn war früh klar: Später sollte es beruflich genau in diese Richtung gehen.

So kam es dann auch. 1990, nach dem Abitur, schrieb sich Marcus Gohl an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) für den Studiengang Elektrotechnik ein. „Die TUHH war mir als erfolgreiche technische Hochschule bekannt, die auch hohe Ansprüche an ihre Studenten stellt”, erinnert sich der 38-Jährige. Vor allem bei den Klausuren hat er schnell gemerkt, dass das Studium nicht mit links zu meistern ist. „Doch die ständige Motivation sowohl von Seiten der Kommilitonen als auch der Professoren und das Lernen in Gruppen haben mir geholfen, dass Grundstudium mit dem Vordiplom zügig abzuschließen”, erzählt der gebürtige Hamburger.

Weiter ging es für ihn im Hauptstudium mit der Vertiefungsrichtung Mess-, Steuer- und Regelungstechnik. „Da zeigte sich gleich, wie wertvoll die breitgefächerte Ausbildung der TUHH in der Praxis ist”, sagt Gohl. Während eines Auslandssemesters an der European Synchrotron Radiation Facility im französischen Grenoble entwickelte er unterschiedliche Röntgendetektoren. Seine Studienarbeit über Solartechnik schrieb er in Madrid. „Sie war Teil eines großen Projektes für die weltweit größte Photovoltaikanlage, die auf den Kanarischen Inseln gebaut worden ist”, erzählt Marcus Gohl stolz. Seine Diplomarbeit beschäftigte sich mit einem ganz anderen Thema: der Massenspektroskopie. Dabei ging es um die Entwicklung einer elektronischen Sonde zur „Probenahme” giftiger Gase, mit deren Hilfe Gefahrstoffe vor Ort extrem schnell analysiert werden können. Diese im Rahmen eines von der Autoindustrie geförderten Forschungsprojekts entwickelte mobile Technologie wird von Feuerwehren, zum Beispiel bei Chemieunfällen und bei Bränden in Industriegebieten, eingesetzt.

Sein Fachwissen über Massenspektrometrie setzte Marcus Gohl gleich nach seinem Studium im Bereich der Abgasmessung für die Automobilindustrie ein. Während seiner Promotion an der TUHH (1998 bis 2002) entwickelte er in einem Forschungsteam eine neue Methode zur Messung des Ölverbrauchs und der Schadstoff-Emissionen bei Verbrennungsmotoren. „Das Interesse der Automobilindustrie ist unverändert groß, beides, den Ölverbrauch- und die Schadstoffemissionen, zu minimieren”, erklärt der promovierte Ingenieur. „Wir messen, in welchem Umfang neu entwickelte Motoren dieses Ziel erreichen.” Bevor ein neuer Motor bzw. ein Auto auf den Markt kommt, wird die Neuentwicklung vielfachen Testreihen unterzogen. Die neue an der TUHH entwickelte Technologie ermöglichte erstmals eine enorme Verkürzung dieser Testzeit von mehreren Tagen, auf, sage und schreibe, wenige Stunden. 2003 bekam Dr. Marcus Gohl dafür den „MAZ Award”, mit dem in Hamburg wissenschaftliche Arbeiten mit dem größten Existenzgründungspotenzial ausgezeichnet werden. Und erregte so Aufsehen: Viele Firmen zeigten starkes Interesse an der neuen Technologie. Darum entwickelte Marcus Gohl die Messtechnik weiter: 2004 stand das erste Messsystem für industrielle Anwendungen bei der Firma APL Automobil-Prüftechnik Landau GmbH bereit. „Seitdem betreue ich dort diese Technik als Teamleiter", sagt er. Mittlerweile seien mehrere Systeme im Einsatz und das Team arbeite mit zahlreichen namhaften Automobil- und Komponentenherstellern zusammen. Gohl unterstützt die Kunden aus der Automobilindustrie zum Beispiel bei der Auslegung von Kolben und Zylinderlaufbahnen sowie der Zusammensetzung von neuen Schmierölen, dies alles sind Faktoren, die einen Einfluss auf den Emissionsgehalt haben. „Meine Tätigkeit hat sich zeitweise stark in den Bereich des Maschinenbaus, der Chemie und der Verfahrenstechnik verschoben. Die Elektrotechnik aber wird durch die Hybridtechnologie sowie die Entwicklung von neuen Online-Messtechniken künftig wieder mehr in den Vordergrund treten,” erklärt der Alumni der TUHH.

Nirgendwo ist der Ingenieurnachwuchs stärker nachgefragt als in dieser Branche: Gohl ist überzeugt, dass Elektrotechniker auch weiterhin sehr gute Berufschancen haben. „Gerade die hohen Anforderungen an der TUHH führen zu einem sehr umfassenden Grundwissen und einem allgemeinen Systemverständnis. Damit erwirbt man sich eine solide Basis, die einen zu einer erfolgreichen Umsetzung von interdisziplinären Projekten in quasi allen Bereichen der Ingenieurwissenschaften befähigt.”