Maritime Systeme

(Maritime Systems)

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„Singende” Schiffsschrauben, effizientere und schadstoffärmere Großdieselmotoren – und sichere Rumpfkonstruktionen: Der TUHH-Forschungsschwerpunkt „Maritime Systeme” nimmt sich der vielfältigen und drängenden Themen rund um den europäischen Schiffbau an. Um die Zukunft der maritimen Industrie zu sichern, arbeiten die Forscherinnen und Forscher unter dem Motto, mindestens so viel besser zu sein, wie sie teurer sind.

Die Nähe zu Nord- und Ostsee und die Elbe direkt vor der Tür – bestimmendes Element der Hansestadt Hamburg war und ist das Wasser. Am größten Hafen Deutschlands, der nach Rotterdam und Antwerpen auch europaweit an der Spitze liegt, haben sich mehrere große und kleine Werften angesiedelt. Sie erwirtschaften einen Gesamtumsatz von über einer Milliarde Euro im Jahr. Diese Gegebenheiten, kombiniert mit dem ingenieurswissenschaftlichen Fachwissen der TUHH, sind ideale Voraussetzungen für einen TUHH-Forschungsschwerpunkt „Maritime Systeme”. Sein Ziel ist es, sich mit den drängenden Fragen des Schiffbaus und der Meerestechnik zu beschäftigen und auf diese Weise Lösungen zu finden, die die Zukunft der maritimen Wirtschaft in Hamburg und Europa langfristig sichern.

Um dies zu erreichen, muss der deutsche und europäische Schiffbau zusammen mit der maritimen Systemtechnik in Verbindung mit der maritimen Infrastruktur und Logistik tief greifend erneuert und zugleich nachhaltig weiter entwickelt werden. Der interdisziplinär arbeitende Forschungsschwerpunkt „Maritime Systeme” verfolgt damit im Kern zwei Forschungsrichtungen: Erstere lässt sich unter dem Namen „Schiffbau und maritime Systemtechnik” zusammenfassen. Hierbei werden unter anderem Fragen rund um den sicheren Bau und Betrieb von Schiffen, wirtschaftlicheren Produktionsverfahren und effizienteren Systemen an Bord untersucht.

Die zweite Forschungsrichtung, „Maritime Infrastruktur und Logistik”, widmet sich vor allem Themenfeldern wie sicheren Offshore-Bauwerken, beispielsweise Ölplattformen und Windenergieanlagen, und neuen Konzepten zum maritimen Transportwesen. Die Arbeit innerhalb der zahlreichen unterschiedlichen Projekte im Forschungsschwerpunkt „Maritime Systeme” fußt dabei stets auf drei Säulen: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen die Grundlagen, arbeiten die neuesten Standards der Wissenschaft und Technik für die Industrie auf und stehen der öffentlichen Hand beratend zur Seite.

Die erfolgreiche Umsetzung der vielfältigen Vorhaben des Forschungsschwerpunktes ist dabei nicht nur wünschenswert, sondern eine Notwendigkeit für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit: Denn kaum eine Branche hat so einschneidend unter der aktuellen Wirtschaftskrise gelitten wie die maritime Industrie, und so ist zu befürchten, dass ein nicht unerheblicher Teil der Arbeitsplätze in dieser Industrie wegfallen könnte, wenn nicht gegengesteuert wird. Dieser Situation kann nur begegnet werden, wenn europäische Schiffe tatsächlich um so viel besser sind, wie sie teurer sind. Einen großen Einfluss in diesem Hinblick bietet die Optimierung der Energieeffizienz von Schiffen und ihren Systemen. Durch Konzepte für umgelenkte Strömungen am Schiffspropeller und eine veränderte Kavitation kann beispielsweise Energie eingespart werden – ebenso wie mit Hilfe von Nachtstromanalysen oder verbesserten Manövrier-Manövern. Weitere Forschungsaufgaben sind beispielsweise die Reduzierung der Stickoxid-Emissionen von Großdieselmotoren und die der Schwefeloxid-Emissionen durch Abgasnachbehandlung oder die Lagerung von Propellerwellen im instationären Bereich.

Insgesamt sollen alle Projekte im Forschungsschwerpunkt ihren Beitrag zum erfolgreichen und schnellen Umsetzen des „Systems 30” beitragen – In Deutschland gebaute Schiffe sollen auf diese Weise künftig 30 Prozent besser und sicherer werden, 30 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen und Schadstoffe ausstoßen und 30 Prozent mehr Marktanteil haben. Um den gleichen Anteil sollen auch die Life-Cycle- Kosten und die Durchlaufzeit sinken sowie die Umschlagsleistung steigen. Mittel- bis langfristig ist geplant, aus dem Forschungsschwerpunkt zunächst eine Forschungsgruppe zu entwickeln – die ihrerseits zu einem Sonderforschungsbereich ausgebaut werden soll. In diesem soll dann die breit angelegte Thematik „Sicherheit maritimer Systeme” aufgegriffen werden. Gegenwärtig ist geplant, diese Aktivitäten unter den Titel „Nachhaltigkeit und Sicherheit in Entwurf, Produktion und Betrieb von Schiffen und deren Komponenten” zu stellen.

Die Umsetzung der ambitionierten Ziele des Forschungsschwerpunkts „Maritime Systeme” wird langfristig nicht nur zur Zukunftssicherung der maritimen Industrie in Deutschland beitragen, sondern gleichzeitig auch die deutschlandweite Spitzenposition der TUHH im Bereich Schifffahrt aktiv ausbauen – und somit über Jahre hinweg für exzellent ausgebildeten Forscher-Nachwuchs sorgen.

Homepage: http://www.tuhh.de/fsp-marsys/