Call for Papers/Tagungsankündigung

Agentengesellschaften außer Kontrolle?

Sozialtheoretische Mechanismen für den Bau von künstlichen Sozialsystemen

Der Arbeitsbereich Technikbewertung und Technikgestaltung der Technischen Universität Hamburg-Harburg plant eine Buchpublikation und eine Tagung zum Thema "Agentengesellschaften außer Kontrolle?" am 07. November 2003 in Hamburg. Zur Vorbereitung eines neuen interdisziplinären Schwerpunktprogrammes bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft sollen sich unterschiedlichste Disziplinen der Frage nähern, welche Chancen und Risiken mit der rapiden Ausbreitung von autonomen und mobilen Agentenprogrammen im Internet, die sich zu dynamischen und selbstorganisierenden Netzwerken (artificial social systems) zusammenschließen, verbunden sind. Von entscheidender Bedeutung ist dabei das Dilemma zwischen der Autonomie der Selbstorganisation und der Funktionalität der Technik.

Wir laden hiermit Interessenten ein sich an diesem Buchprojekt und der Tagung zu beteiligen. Bitte senden sie ein Thesenpapier für die Tagung und/oder einen vorläufigen Titel mit Abstract für die Buchpublikation bis spätestens 10. Oktober 2003 an Marco Schmitt, Technikbewertung und -gestaltung, Technische Universität Hamburg-Harburg, Schwarzenbergstraße 95, 21073 Hamburg oder per e-mail an marco.schmitt@tuhh.de.

Für den anschließenden Tagungsband sind Beiträge mit einer Länge von ca. 20 Seiten in deutscher Sprache geplant. Als vorläufiger Abgabetermin für die Beiträge ist der 15. Februar 2004 vorgesehen. Zu Anforderungen an Format und Style später mehr auf dieser Seite.

Inhaltlich wird sich die Tagung und die anschließende Buchpublikation auf ganz unterschiedliche Weisen mit den Problemen sich dynamisch entwickelnder und selbst organisierender Netzwerke von autonomen und mobilen Agentenprogrammen im Internet beschäftigen. Angesichts einer rapiden Verbreitung von mobilen und autonomen Programmen im Internet und den dabei zu erwartenden emergenten Effekten von selbstorganisierenden Prozessen, kommen bisher unbekannte Chancen und Risiken auf Benutzer, Betreiber, Serviceanbietern und Software-Entwickler zu, aber auch Gelegenheit für techniksoziologische Folgenabschätzungen und zeitdiagnostische Betrachtungen.

Die zentrale Problematik dieser Entwicklung liegt im Dilemma zwischen der Autonomie der Netzwerkreproduktion und der Funktionalität der neuen Technologien. Das Autonomie-Kontroll-Dilemma, das jede Agententechnologie begleitet stellt sich mit der Entwicklung von künstlichen Sozialsystemen in neuer und verschärfter Form. Denn nicht nur jeder einzelne Agent weist einen spezifischen Autonomiegrad auf, sondern auch der koordinierte Zusammenhang einer größeren Zahl von solchen Agentenprogrammen ist hinsichtlich seiner Reproduktion autonom und entzieht sich damit tendenziell dem Zugriff von Außen.

Die Tagung „Agentengesellschaften außer Kontrolle?“ will sich diesem Thema auf drei verschiedenen Wegen nähern: Zunächst bietet die Problemstellung Potential für zeitdiagnostische und techniksoziologische Betrachtungen zur Entwicklung des Internets und der Rolle von autonomen und mobilen Programmen bei dieser Entwicklung. Dann steht die Frage von Prozessen der Selbstorganisation und der Simulation sozialer Prozesse im Zentrum der Aufmerksamkeit. Das Forschungsgebiet der Sozionik widmet sich schon seit einiger Zeit diesen Fragestellungen. Im Rahmen des Workshops geht es jedoch um eine Zuspitzung auf den Anwendungskontext Internet hin. Schließlich geht es um die informatische Sicht auf mobilen Code und wie dabei noch die Sicherheit in offenen Systemen zu gewährleisten ist, also um die technische Fassung des Autonomie-Kontroll-Dilemmas und mögliche Lösungsansätze. Bei allen drei Themenfeldern bietet sich ein Zugang über bestimmte Anwendungsbereiche an, die eng mit der allgemeinen Entwicklung des Internets verknüpft sind.

Die Tagung und die anschließende Buchpublikation wollen unterschiedlichste Disziplinen und Perspektiven zu diesem Problemkreis zusammenbringen und interdisziplinär anschlussfähige Fragestellungen herausarbeiten und diskutieren. Außerdem dient er der Vorbereitung eines neuen Schwerpunktprogrammes bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das zum einen auf den Ergebnissen aus der Sozionik aufbaut, aber zum anderen auch einen ganz neuen Bereich von Problemen eröffnet.






[ Letzte Aktualisierung am 25.11.2003, TU-Hamburg-Harburg ]
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