Stellungnahme zum AfD-Post

Im Studierendenparlament haben wir uns mit einem Post der AfD Hamburg zum Thema "Anschlag auf das World Trade Center" befasst, in welchem unsere Universität und die studentische Selbstverwaltung im direkten Bezug auf das Attentat genannt werden. In Reaktion auf diesen Post haben wir eine Stellungnahme verfasst und diese per Brief an die AfD Hamburg gesendet.

Thema Raumknappheit: Rückantwort des StuPa's auf die Antwort des Präsidenten

Sehr geehrter Herr Prof. Antranikian, sehr geehrtes Präsidium,

wir danken Ihnen und dem gesamten Präsidium für Ihre Reaktion vom 31.05.2017 auf unsere Stellungnahme zur Raumknappheit an der TUHH vom 02.05.2017.

Wir freuen uns, dass auch Sie zur Kenntnis nehmen, dass das maßlose Wachstum der TUHH „in vielen Fällen zu einer Verschlechterung der Studienbedingungen geführt“ hat. In Anbetracht der gegenwärtigen, prekären Situation und der Tatsache, dass die nötigen strukturellen Anpassungen erst in vielen Jahren greifen werden (siehe z.B. Abriss und Neubau des Gebäude B), genügt uns Ihre
Antwort zu unserer Stellungnahme nicht.

Auch in diesem Jahr wird aller Voraussicht nach die vorgesehene Kapazität von 1323 Studienplätzen weit überschritten werden. Welche unmittelbaren Auswirkungen dies auf alle an Studium und Lehre beteiligten Menschen an der TUHH hat, haben wir in unserer Stellungnahme bereits deutlich gemacht. Dieser Trend wird sich sehr wahrscheinlich auch in Zukunft fortsetzen. Betrachtet man das Wachstum der Studierendenzahlen der letzten 8 Jahre (TUHH Jahrebericht 2016 S. 15) und führt dieses (linear) fort, so streben wir - theoretisch - 10.000 eingeschriebenen Studierenden in den nächsten 8 Jahren entgegen. Angesichts dieser Tendenz ist es unerlässlich, dass die Verantwortlichen an der TUHH klar Position beziehen und geeignete Maßnahmen nennen können. Es kann nicht im Sinne einer guten Lehre sein, dass hohe Abbruchquoten die genannten Probleme lösen sollen – mit der Folge, dass junge Menschen einem hohen Leistungsdruck und Wettkampf untereinander ausgesetzt werden. Daher finden wir als Vertretung der Studierendenschaft es wichtig, von Seiten den Präsidiums konkretere Aussagen als eine reine Zusicherung qualitativer und quantitativer Besserungen zu erhalten.

Als Ziel haben Sie „ein räumliches Wachstum der TUHH um 30.000 qm“ angegeben. Bereits seit mehreren Jahren wird auf die laufenden Gespräche „mit Verwaltung und Politik“ verwiesen. Die Strategischen Ziele in den letzten Jahresberichten der TUHH beinhalten an erster Stelle immer die
„Bereitstellung eines bedarfsgerechten, qualitätsvollen Studienplatzangebotes[...]“ Im Widerspruch dazu finden sich allerdings keinerlei Aussagen zum zukünftigen, räumlichen Ausbau unserer Universität. Zwar können auf Erfolge wie Fertigstellung der Kaserne, Neubau Gebäude B, Ausbau
Gebäude Q (welcher auch erst auf den Druck aus der Studierendenschaft hin geschah), etc. verwiesen werden. Diese werden aber nicht dem grundlegenden strukturellen Problem gerecht. Die TUHH braucht eine Perspektive.

Aus diesem Grund möchten wir gerne folgendes wissen:

1. Wo genau sollen diese neuen Flächen geschaffen werden?

2. In welchem Stadium befindet sich deren Planung und mit welchem zeitlichen Rahmen kalkuliert das Präsidium deren Fertigstellung?

3. Wie wird dieser Ausbau finanziert werden?

4. In welchem Umfang können Studierende in die Planungen zu neuen Räumlichkeiten involviert werden oder sind dies bereits? Ist dies von Seiten  des Präsidiums gewollt?

Mit Schrecken haben wir festgestellt, dass die im Rahmen der „Dekade der Wissenschaft“ zur Verfügung stehenden Mittel (eine Milliarde Euro für „Bauprojekte im Hochschulbereich“ ) an der TUHH vorüber gehen werden. Wir fragen uns: Wie konnte das trotz „eines intensiven Dialoges“ passieren?

So erfreulich es ist, dass sich nun auch die rot – grünen Bürgerschaftsfraktionen für ein Wachstum der TUHH einsetzen, so bedauernswert ist es, dass weder im Antrag selbst noch in der dazugehörigen Pressemitteilung auf das Problem mit den Räumlichkeiten eingegangen wird. Stattdessen wird vorgeschlagen, dass sich das Wachstum „sowohl in Studiengängen, als auch bei der Setzung neuer Schwerpunkte manifestieren“ könne. Aussagen über eine räumliche Erweiterung der TUHH bleiben, wenn überhaupt, vage. Somit fordern wir auch von Seiten der Politik, dass dieses Problem anerkannt und an einer Lösung mitgearbeitet wird. Dementsprechend hoffen wir, dass das Präsidium diese Forderung teilt und an den entsprechenden Stellen dafür entschieden einsteht. Der (finanzielle) Wettbewerb zwischen den Hochschulen darf nicht weiter auf den Schultern der Studierenden ausgetragen werden.

Das Studierendenparlament der TUHH

Stellungnahme zur Raumknappheit an der TUHH

Wenn überfüllte Veranstaltungsräume zum Alltag werden, wird gute Lehre eine absurde Forderung. Was sind das für Zeiten in denen gutausgebildete Ingenieur*innen gesucht werden, man ihnen im Studium aber faktisch den Zugang zur Lehre verhindert?

Alle Jahre wieder im Oktober: Die Studienanfänger*innenzahlen sind wieder einmal gestiegen. Waren es im WiSe 14/15 noch 1910 und im WiSe 15/16 schon 2077 neuzugelassene Studierende, so sind es in diesem Jahr 1962 und das bei einer vorgesehenen Kapazität von ca. 1323 Studienplätzen.

So quetschen sich jede Woche wieder Studierende in die beiden größten Hörsäle unserer Universität, doch finden einige nicht einmal mehr Platz auf den Treppenstufen. Sie wollen Grundlagenvorlesungen besuchen, bei denen verkündet wird, dass jede*r Zweite nach dem ersten Semester nicht mehr an der TU wäre. 

Aber stimmt das? Und bedeutet das, dass sich das Problem nur auf das erste Semester bezieht und danach zerstreut? NEIN - schaut man auf die Immatrikulationszahlen für die Masterstudienplätze fällt auf, auch hier fangen im Schnitt 20 Prozent mehr Studierende an als vorgesehen. Einige Studiengänge sind sogar mehr als Fünfzig Prozent überbelegt. Dies ist zum Teil der konsequenten Entscheidung der TUHH geschuldet, allen Studienanfänger*innen eine qualifizierte Ausbildung bieten zu wollen und ihnen den Weg zum Masterabschluss nicht zu verbauen. Denn im Gegensatz zur Einstellung der Behörde, erlaubt die TUHH allen Absolvent*innen eines Bachelorstudienganges der TUHH komplikationsfrei und direkt den Weg zu dem konsekutiven Masterstudiengang.

Die Überbelegung der Veranstaltung liegt jedoch zum maßgeblichen Teil an der Entscheidung mehr Studierende aufzunehmen, um mehr Gelder zu erhalten. Zusätzlich greifen auch die Maßnahmen zur Reduktion der Abbruchquote, sodass steigende Absolvent*innenzahlen die Konsequenz sind. Bei keiner Erhöhung der räumlichen Kapazitäten führt dies also schlussendlich zu einer Raumknappheit. 

Wie sieht die Realität der Studierenden aus, die versuchen sich zu bilden und zu lernen? Womit müssen sie sich jeden Tag herumschlagen? 

Sowohl im Sommer- als auch im Wintersemester mussten sich Studierende des Masterstudiengangs Energie- und Umwelttechnik in Pflichtveranstaltungen bitten lassen, das Seminar oder Labor ein Jahr später zu belegen, da die Anmeldungen für die Veranstaltungen der doppelten Anzahl der vorgesehenen Plätze entsprach. Eine Nicht-Teilnahme hätte die gravierende Konsequenz, dass sich das Studium verlängert, da der Beginn der Masterarbeit an eine feste ECTS-Grenze gebunden ist. 

Die Vorlesung Strömungsmechanik II ist für einige Master-Studiengänge ein zentrales Fach, da sie die Grundlagen vieler Anwendungen der Energie-, Verfahrens oder Umwelttechnik behandelt. Im Wintersemester waren laut der elektronischen Lernplattform 139 Studierende für die Veranstaltung eingetragen - der Raum, in dem Vorlesung und Übung stattfinden, ist jedoch für 80 Teilnehmer ausgelegt und alle größeren Räume der TUHH von größeren Veranstaltungen belegt. 

Die Hörsaalübung zur Vorlesung Mathematik I fand im WiSe 16/17 zwei Mal im Audimax 1 statt. Dieser Veranstaltungssaal ist der größte an der TU und umfasst 680 Sitzplätze. Für etwa 1200 Studierende im ersten Semester reichen die Plätze aus. Jedoch gibt es bei einer Durchfallquote von 40 Prozent reichlich Studierende, die die Klausur erneut antreten müssen und somit sind beide Veranstaltungen vollkommen überfüllt. 

Falls es doch gelungen ist, einen Platz in dem Veranstaltungsraum zu ergattern, gibt es vereinzelt Lehrende, die sich verweigern ihre Vorlesungen in überfüllten Räumen abzuhalten, was auch nachvollziehbar ist. 

In diesem Sommersemester sollte die Veranstaltung Numerik gewöhnlicher Differentialgleichung in einem Raum mit 50 Plätzen stattfinden. In der Veranstaltung eingetragen sind jedoch 109 Studierende. Da bei den ersten Terminen, der Raum zu klein war, wurde in einen größeren gewechselt, mit 58 Plätzen. 

Die Politik des Hamburger Senats und der Bundesregierung erzwingt, dass die Hamburger Hochschulen mehr junge Menschen für ein Studium aufnehmen müssen, als ihre Kapazität zulässt. Dieser Umstand wird sogar mit Ausgleichszahlungen, den sogenannten Hochschulpakt-Mitteln vergütet. Für jede*n Studierende*n oberhalb der Kapazitätsgrenze erhält die Universität Geld, welches in Lehrverbesserungen fließen soll. Fraglich ist jedoch wie jene Studierenden von diesen Lehrverbesserungen profitieren sollen, denen in ihren Lehrveranstaltungen ein Stuhl zum Sitzen und ein Tisch zum Mitschreiben fehlt. 

Seit Jahren fragen Studierendenvertreter*innen in Gesprächsrunden mit dem Präsidium und dem Hochschulrat, welche Pläne bestehen, diese Probleme in den Griff zu bekommen. Und regelmäßig heißt es, man sei mit der Stadt im Gespräch über neue Räumlichkeiten in der Harburger Schlossstraße (Channel). Die Zeit zwischen den Vorlesungen reicht jedoch nicht aus, um zeitig von Campus zum Channel zu kommen. 

Gleichzeitig soll die TUHH auch zahlenmäßig weiter wachsen. Auf der studentischen Vollversammlung im WiSe 16/17 erklärte der Präsident Prof. Dr. Antranikian, es sei strategisch sinnvoll im Wettbewerb mit anderen Universitäten und um wirtschaftliche Herausforderungen besser schultern zu können. Die Grenze von 10.000 Studierenden solle dabei aber auch perspektivisch nicht überschritten werden.

Zum Vergleich: Im WiSe 16/17 waren 7.620 Studierende an der Technischen Universität Hamburg eingeschrieben. 

Strukturell bedeutet dies für Studierende, eine hohe Flexibilität, um alle Veranstaltungen besuchen zu können, denn immer mehr Vorlesungen finden in Randzeiten statt, da nur dann Räume zur Verfügung stehen. Teilweise beginnt die erste Vorlesung morgens um 8 Uhr und die letzte endet um 21Uhr. Dies ist schon für Studierende, die in direkter Umgebung der Universität wohnen sehr belastend, für Studierende mit Kindern oder zu pflegenden Angehörigen bedeutet dies jedoch faktisch den Ausschluss von den Vorlesungen. 

Doch nicht nur in den Vorlesungen fehlen Plätze, auch die Übungen sind extrem überbelegt, so kommt es, dass Ersties auch nach den ersten Wochen noch keinen Platz in einer Übungsgruppe zu ihren Pflichtfächern bekommen können. Studierende des ersten Semesters, die für die entsprechenden Erstsemesterklausuren pflichtangemeldet sind, haben keinen Platz in der Übung!

Das Problem geht noch wesentlich weiter. Studierende höherer Fachsemester, die in einer Wiederholungsprüfung sind, dürfen nicht an den Übungen teilnehmen, da nicht ausreichend Kapazitäten vorhanden sind und der Zugang mithilfe von Anwesenheitslisten verwehrt wird.

Hier wird das Problem besonders deutlich. Denn die Raumknappheit und der langjährige Sparkurs der Stadt verschlechtern das Betreuungsangebot dramatisch. Denn nicht nur die Räume, vor allem große Veranstaltungsräume werden knapp, sondern auch das Verhältnis von Studierenden zu Professor*innen von 75 auf 85 innerhalb eines Jahres angestiegen. Und die strukturelle räumliche Verbesserung der Prüfungssituation soll hier eigentlich auch keine Erwähnung finden.

Wir fordern, dass der Hamburger Senat umgehend der Forderung nach mehr Studierenden durch ausreichende Räumlichkeiten entgegen kommt.

Wir fordern, dass ohne durchdachte Pläne von einem weiteren Wachstum der Studierendenzahlen Abstand genommen wird. Die TUHH ist ein Ort des gemeinsamen Lernens und Forschens und sollte nicht marktwirtschaftlichen Zwängen unterliegen. Je mehr junge Menschen bei gleich bleibender Anzahl Lehrender an der TUHH studieren, desto weniger Raum und Zeit bleibt für gute Betreuung und Forschung und Lehre in kleinen Gruppen auf Augenhöhe.

Wir fordern, dass zusätzliches Geld nicht an Überkapazitäten gekoppelt ist, sondern wieder ein vernünftiges Konzept zur Ausfinanzierung der Hamburger Hochschulen erarbeitet wird.

 

Hier eine PDF-Version der Stellungnahme: Stellungnahme zur Raumknappheit

Stellungnahme zu G20 in Hamburg

Diesen Sommer bietet Hamburg mit den G20–Staaten einigen der wohl umstrittensten Vertretern der Weltpolitik eine Bühne mitten im Herzen der Hansestadt. Während Olaf Scholz die Entscheidung für Hamburg als Austragungsort für „eine gute Sache“ hält, formiert sich an vielen Stellen in Hamburg und darüber hinaus breiter und vielfältiger Widerstand. Auch wir als gewählte Vertreter*innen der Studierendenschaft sehen uns deshalb in der Pflicht, zu diesem Großereignis Stellung zu beziehen.

Die G20, sprich die 19 führenden Industrie – und Entwicklungsländer sowie die Europäische Union, versammeln sich (mindestens) einmal jährlich an wechselnden Orten zu informellen Treffen, um „Die globalen Herausforderungen unserer Zeit zu meistern und zu gestalten[...]“ .

Zu diesen Herausforderungen zählen für sie „neben der Stabilisierung der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte auch Geopolitische Konflikte, Terrorismus, Migrations- und Flüchtlingsbewegungen, Hunger, der voranschreitende Klimawandel und Pandemien.“ 

Wir sind ebenso der Meinung, dass die hier aufgezählten Herausforderungen zu den größten und wichtigsten zählen und dringend bewältigt werden müssen.

Wir finden jedoch, dass globale Herausforderungen, die alle Länder weltweit betreffen, nur auf einer globalen Ebene gelöst werden können. Hierfür darf die Teilhabe nicht nur wirtschaftlich privilegierten Teilnehmern oder ihren handverlesenen Gästen ermöglicht werden, sondern es muss – wie beispielsweise im Rahmen der Vereinten Nationen versucht wird - allen Ländern gleichberechtigt eine Stimme gegeben werden.

Außerdem wissen wir aus der Vergangenheit, dass G20 Gipfel, trotz der propagierten hehren Ziele, nur selten mit greifbaren, geschweige denn hilfreichen Lösungen enden, denn hier versammeln sich vorrangig Länder und Institutionen, die – direkt oder indirekt, gemeinsam oder im Alleingang – für die Entstehung genau dieser Probleme verantwortlich zu machen sind, während die direkt Betroffenen höchstens eine untergeordnete Rolle spielen.

Sei es die ‘Ukrainekrise‘, der ‘Kampf gegen den Terror‘ im nahen Osten oder der Bürgerkrieg in Syrien. Dies sind nur die jüngsten Beispiel auf einer Liste, die man vermutlich noch beliebig fortsetzen könnte. Doch nicht nur in militärischen Konflikten sind die G20 omnipräsent, auch vereinigen sie zusammen circa 90%  des Welthandels auf sich, was in der heutigen Welt eine kaum infrage zustellende Machtposition bedeutet.

Diese Machtposition festigen die G20, zu denen neofaschistoide, autokratische, diktatorische und totalitäre Staaten gehören, auch durch die indirekte Beteiligung an Konflikten.

Allein die 19 eigenständig vertretenen Länder – AU, APEC, ASEAN und den Rest der EU  nicht eingerechnet – haben im letzten Jahr Rüstungsgüter im Wert von mindestens 1.365.340.000.000 USD produziert, dies sind 84%  der weltweit produzierten Rüstungsgüter.

Wir finden, dass, wer für die Lösung bewaffneter Konflikte stehen will, diese Konflikte nicht zur selben Zeit mit Waffen versorgen kann.

Auch klimapolitisch wollen sich die G20 Herausforderungen stellen, die sie selbst verursacht haben. Denn sie selbst sind es, die für 75%  der jährlich ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich sind.

Der Weg, um den dadurch verursachten Klimawandel und seine katastrophalen Folgen einzudämmen, wurde im als historisch gefeierten “Übereinkommen von Paris“ festgelegt. Expert*innen beschreiben das Abkommen jedoch nur als nicht ausreichenden kleinsten gemeinsamen Nenner, da viele Ziele und deren Umsetzung nur vage formuliert sind und  Sanktionierungsmechanismen gänzlich fehlen. 

Weil das Übereinkommen dennoch von einigen der G20 Staaten nicht unterschrieben bzw. ratifiziert wurde glauben wir nicht, dass diese für eine entschiedene und wirksame Antwort auf den menschengemachten Klimawandel stehen.

Die Länder der G20, und stellvertretend Staatsoberhäupter mit einem fragwürdigen Demokratieverständnis wie Erdogan (Türkei), Putin (Russland), Salman (Saudi Arabien), Temer (Brasilien), Trump (USA), Xi (China), Zuma (Südafrika) etc., stehen somit nicht für eine gerechtere Welt von morgen, sondern für die Verteidigung des Status Quo und all seine Auswirkungen auf uns und den Rest der Welt.

Wir wenden uns gegen diesen Status Quo, der es zulässt, dass jeder neunte Mensch Hunger leiden muss, während einige wenige einen unermesslichen Reichtum ansammeln. Wir treten ein für eine Reform hin zu mehr sozialer Verantwortung und hin zu einer Weltwirtschaft, in der nicht die Reichen den Kuchen unter sich aufteilen, sondern die allen Menschen ein selbstbestimmtes und freies Leben ermöglicht. 

Wir sehen Bildung als Grundvoraussetzung für ein solches Leben. Als Studierende einer Hochschule, die sich dem Humboldtschen Bildungsideal, welches eine allgemeine Menschenbildung für jedes Individuum anstrebt, verpflichtet fühlt, sehen wir es auch als Aufgabe eben dieser Hochschule Kompetenzen zu vermitteln, die es ermöglichen, dass jedes Individuum in unserer Gesellschaft selbstbestimmt an Politik und Gesellschaft, Kultur und Ökonomie teilnehmen kann. Dies sollte, neben den bereits bestehenden Angeboten, auch durch Veranstaltungen geschehen, die sich auf aktuelle Geschehnisse und Thematiken beziehen. Hierfür sollte die TUHH sowohl eigene Konzepte ausarbeiten, als auch engagierte Studierende in jeder Hinsicht unterstützen, denn die Bildung jedes einzelnen Menschen, ist die Bedingung zu einer höher- und weiterentwickelteren, sowie aufgeklärteren Gesellschaft.

Als Veranstaltungsort für den Gipfel 2017 wurden die Messehallen in Hamburg gewählt. Gelegen in zentralster Innenstadtlage, in nächster Nähe zu Wohngebieten und “ nur einen Steinwurf entfernt“ (Stern) von mehreren linken Zentren, dem Karo - Viertel, dem Gängeviertel und der  Schanze, stößt diese Entscheidung nicht nur bei den Anwohner*innen, die sich auf ein Leben im militärisch anmutenden Sperrgebiet einstellen müssen, auf Unverständnis, sondern wird auch die Kosten für Sicherheitsmaßnahmen in die Höhe treiben und mit der Einschränkung weitestgehender Freiheiten der AnwohnerInnen und der Behinderung des täglichen städtischen Lebens – schon weit vor dem Gipfel – enden.

Im Rahmen des G20 Gipfels, und der damit verbundenen Proteste, steht uns Hamburgern eine Neuauflage der 2014 zu trauriger Berühmtheit gelangten Gefahrengebiete bevor. Trotz der von vielen Seiten, darunter dem Datenschutzbeauftragten und dem höchsten Gericht (OVG), zweifellos festgestellten Verfassungswidrigkeit hält die Hamburger Polizei weiter an dieser Praxis fest. Wir befürchten daher, dass es im Rahmen des G20 Gipfels, neben der bereits fest eingeplanten Sperrzone,  in der ein normales Leben der Anwohner*innen unmöglich ist – so wurden z.B. 2009 den Bewohner*innen eines Hochhauses mit Blick auf das Tagungsgelände verboten, sich in den, dem Gelände zugewandten Zimmern aufzuhalten, während die Polizei das gesamte Gebäude in einen ‘Belagerungszustand‘ versetzte  -,  wieder zur Ausrufung flächendeckender Gefahrengebieten kommen wird.

Aussagen über die Höhe der Kosten sind allenfalls vage, deren Verteilung wird, mit dem Hinweis auf noch laufende Gespräche, gänzlich ausgeklammert. 

Wir finden jedoch, dass die Finanzierung von Großereignissen einer maximalen Transparenz bedarf, denn, die Erfahrungen vorangegangener Gipfel legen nahe, dass die Kosten im oberen dreistelligen Millionenbereich liegen und größtenteils an der Stadt Hamburg hängen bleiben werden . In Heiligendamm, dem letzten großen internationalen Gipfel auf deutschem Boden, beispielsweise übernahm der Bund nur knapp ein Viertel der Kosten . Was dies für die chronisch verschuldete Stadt Hamburg, die durch ihre schwierige finanzielle Lage in der Vergangenheit zum Beispiel Einsparungen im sozialen oder im Bildungsbereich begründet hatte, bedeuten würde, liegt auf der Hand.

Wir als Student*innen und Bürger*innen dieser Stadt können und dürfen es nicht kommentarlos zulassen, dass für ein paar prestigeträchtige Fotos mit den Mächtigen dieser Welt bald in Hamburg wieder der Rotstift angesetzt werden muss. Wir rufen daher alle Student*innen auf, sich selbst eine eigene Meinung zu bilden, die Notwendigkeit dieses Gipfels kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls die vielfältigen Möglichkeiten für zivilgesellschaftliches Engagement rund um den G20–Gipfel – und darüber hinaus – zu nutzen.

[1]  https://www.g20.org/Content/DE/_Anlagen/G7_G20/2016-g20-praesidentschaftspapier-de.pdf?__blob=publicationFile&v=5

[2]  ebd

[3]  http://www.attac.de/kampagnen/finanzmarktkrise/g20-proteste/g20-infos/

[4]  https://www.sipri.org/sites/default/files/Milex-constant-USD.pdf

[5]  http://www.zeit.de/wissen/2016-08/klimapolitik-g20-kohle-co2-emissionen-studie

[6]  https://www.theguardian.com/environment/2015/dec/14/paris-climate-change-deal-cop21-oxfam-actionaid

[7]  https://www.welt.de/regionales/hamburg/article157792968/G-20-Gipfel-in-Hamburg-stellt-alles-in-den-Schatten.html

[8]  https://www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/56751/g20-%E2%80%93-sicherheitskosten.pdf

[9]  http://www.focus.de/politik/deutschland/g8-gipfel/g8_aid_63193.html

 

Hier eine PDF-Version der Stellungnahme: Stellungnahme zu G20

 

 

Stellungnahme zu Vandalismus

Das Studierendenparlament sieht, bedingt durch die Zunahme von Vorfällen seit Beginn des Jahres, die Notwendigkeit eine Stellungnahme zu Vandalismus zu verfassen.

Die Häufung der Vorfälle führt zu einem angespannten Verhältnis zwischen der Verwaltung und der Studierendenvertretung. Im Januar kam es während einer studentischen Veranstaltung zu Schmierereien an den Wänden im Ostflügel und im Foyer des Gebäudes A. Als Konsequenz dieser Sachbeschädigung wurden in Zusammenarbeit mit dem Präsidium die Nutzungsbedingungen für Veranstaltungsräume verschärft.

Nach studentischen Veranstaltungen im Juni wurden Schmierereien entdeckt, welche nicht nur eine Sachbeschädigung darstellen, sondern auch rechtsextreme Botschaften verbreiten.

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Abbildung 1: Dieses Zitat erlangte Bekanntheit als Torbogen zum Vernichtungslager Auschwitz.

Derartige Sprüche verharmlosen die systematische Vernichtung von über sechs Millionen Menschen. Solche Taten tolerieren wir nicht, denn sie stehen im Gegensatz zu allem, was wir vertreten und wofür wir einstehen.

Wir alle sollten keine Angst davor haben bei solchen Aktionen einzugreifen oder diese zu melden.

Vandalismus während Veranstaltungen wird zudem die Diskussionsgrundlage mit allen Akteur*innen  schmälern, sodass mit erheblichen Einschränkungen bei der Planung und Umsetzung weiterer Veranstaltungen zu rechnen ist. 

(Diese Stellungnahme gibt es hier nochmal als PDF.)