Technologie- und Prozessinnovation in der Logistik

Im Zuge der Globalisierung versuchen Unternehmen zunehmend durch die Internationalisierung ihrer Supply Chain Kostenvorteile zu realisieren, indem beispielsweise arbeitsintensive Teile der Produktion in Niedriglohnländer ausgelagert werden und einzig  die Montage in den heimischen Werken stattfindet. Ergebnis dieser Entwicklung ist das Aufstreben der Logistik als industrieller Sektor in den letzten Jahrzehnten.

Da das zu erwartende Wirtschaftswachstum und die damit einhergehenden zukünftigen Transportvolumina die existierenden Infrastrukturen überfordern werden, sucht die Logistik nach Maßnahmen und Methoden die Kapazitätsauslastungen der Verkehrswege zu reduzieren und gleichzeitig einen höheren Effizienzgrad der Transportdienstleistungen zu erreichen. Die derzeit notwendige Vielzahl an menschlichen Interaktionen und Entscheidungen innerhalb der Logistik eröffnet Möglichkeiten Prozesse zu automatisieren, und in Folge dessen Durchlaufzeiten zu reduzieren und Logistikunternehmen zu entlasten. Durch Technologie- oder Prozessinnovationen können die Logistikunternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern. Unsere Forschergruppe entwickelt technologiebasierte und prozessorientierte Konzepte zur Steigerung der logistischen Leistungsfähigkeit und zur Unterstützung der Logistiker im weltweiten Wettbewerb.

Projekte

ChainLog
Transparente Lieferketten in der Industrie können die Effizienz und den Kundennutzen erheblich steigern. Doch die Rückverfolgung des Produkts ist aktuell sehr aufwändig, oder gar nicht möglich, da meist viele Parteien involviert sind. Fehlende Transparenz kann bspw. im Lebensmittelsektor gesundheitliche Auswirkungen haben, wenn in der Produktion oder im Transport die Kühlung zwischenzeitlich gestört wurde. Blockchain als neue Technologie und treibende Kraft für die digitale Transformation eröffnet Transparenz sowohl in der Logistik, als auch in der Supply Chain und bietet einen gemeinsamen und manipulationssicheren Datensatz. Mithilfe der verteilten Blockchain-Architektur lässt sich Vertrauen in die Daten ohne zentrale Instanz herstellen.
Projekt „RiskBlock“
Durch die stark zunehmende Anzahl an temperatursensiblen Produkten ist die Notwendigkeit einer vollständig überwachten Supply Chain wichtiger denn je. Aktuell müssen sich die Beteiligten darauf verlassen, dass Containerbetreiber Temperaturabweichungen kurzfristig und korrekt an den Kunden kommunizieren. Durch den Einsatz einer Blockchain für temperaturgeführte Dienstleistungen kann die Zuverlässigkeit der Informationen validiert und ein aktives Risikomanagement unterstützt werden. Darüber hinaus ermöglicht diese Technologie sowohl kleinen, mittleren als auch großen Unternehmen die Entwicklung neuer Dienstleistungen.
Forschungsprojekt DIMLA
Ziel des Projekts DIMLA ist es, ein flexibles und anwendbares KPI-System zu entwickeln, um den Reifegrad von Unternehmen in der Luftfahrtindustrie zu bewerten. Das KPI-System soll dabei folgende Bereiche abdecken: a) Beschreibung und Kategorisierung der betrachteten Unternehmen, b) Reifegrad der Digitalisierung und c) Reifegrad der Internationalisierung.
Situationsadäquate Lean Implementierung
Entwicklung einer Methodik zur situationsadäquaten Implementierung von Lean Management in der Logistik
RFID in der maritimen Containerlogistik
RFID Technologie ist im Bereich des Containertransportes aufgrund fehlender Standards oftmals kritisiert worden, weshalb ein weltweiter Einsatz der Technologie unmöglich erscheint. Transportkettenbeteiligte sind nur dann gewillt die Infrastruktur für diese Technologie zu finanzieren, beziehungsweise zu entwickeln, wenn die Kompatibilität mit der RFID Hardware anderer Akteure garantiert ist und sie nicht das Risiko eingehen, die Infrastruktur mehrfach implementieren zu müssen. Die Verfügbarkeit von RFID-ISO Normen (license plate, shipment tag, eSeal) ermöglicht es nun den Beteiligten der Supply Chain, eine standardisierte Hardware zu implementieren.
Multi-Agenten-basierte Automatisierung in der Containerlogistik
Die Entscheidungsfindung bezüglich des nächsten Transportschrittes eines Containers bietet die Möglichkeit der Automatisierung. Heutzutage werden Entscheidungen bezüglich Transportfahrzeug, Route, Zeit und Preis manuell, d.h. durch Personen, getroffen. Sich schnell ändernde Marktbedingungen, globale Lieferketten und stetig steigende Transportvolumina wirken sich maßgeblich auf die logistischen Planungs- und Kontollprozesse aus. Die Dynamik und die deutliche Verzweigung von Transportketten führen zu einer steigenden Anzahl möglicher Transportstrecken und damit zu einer erhöhten Menge an Informationen. In diesem Zusammenhang wird die Versorgung der zentralen Entscheidungsinstanzen mit relevanten Informationen erschwert bzw. teilweise sogar blockiert und der menschliche Entscheidungsprozess langsamer und ungenauer, da nicht alle existierenden Optionen in Betracht gezogen werden können. Um diesem Problem zu begegnen, sind zentrale Systeme (d.h. zentrale Entscheidungen) nicht zukunftsweisend. Erforderlich ist vielmehr ein neues Kontrollparadigma für Logistikprozesse, welches sich auf dynamisches, dezentralisiertes und autonomes Entscheiden konzentriert, anstatt auf eine zentrale Kontrolle. Dieser Paradigmenwechsel verlagert zentrales Planen auf viele dezentralisierte logistische Objekte, wie beispielsweise auf Container oder Transportfahrzeuge.