Rezension: J. Andrew Large, Lucy A. Tedd und Richard J. Hartley: Information seeking in the online age: Principles and practice

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London: Bowker-Saur, 1999. Preis: 35 - ISBN 1-85739-260-4

Erschienen in: Auskunft 20(2000)83-85

"Training for searching of electronic resources (for online searching) can be defined as the acquisition of knowledge and skills necessary to realize the potential offered by such resources (by online searching)."

Dieser Satz findet sich fast genau gleich sowohl im hier zu besprechenden Werk (S. 273) als auch in dessen erster Auflage aus dem Jahre 1990 (S. 248, Version im Zitat in Klammern), die unter einem etwas anderen Titel erschienen ist (R.J. Hartley, E. Michael Kien, J. Andrew Large, L.A. Tedd: Online searching: principles and practice. London: Bowker-Saur, 1990). Mit der Beschreibung des Zieles eines solchen Trainings, nämlich das notwendige Wissen und die Fähigkeiten zu erwerben, das Potential der Recherche in elektronischen Datenbanken wahrzunehmen, ist auch das Ziel dieses Buches charakterisiert. Beschrieben werden allgemeine Prinzipien und Recherchestrategien für die Suche nach Informationen in elektronischen Datenbanken, ohne dass bestimmte Datenbanken oder Suchmaschinen im Detail beschrieben werden. (siehe auch Thomas Hapke, Bibliotheksdienst 33(199)1113-1129)

Recherche nach Information online bedeutet heutzutage Recherche nach Information im Internet. Die zu diesem Thema im Buchhandel erhältlichen Werke beschreiben oft bis ins Detail die Angebote, deren Oberflächen oft nach mehreren Monaten schon wieder ganz anders aussehen oder gar ganz verschwunden sind. Das hier zu besprechende Werk aber bietet Grundlagen für die Suche in elektronischen Informationssystemen (in der Regel Datenbanken), egal ob diese online im WWW oder lokal auf CD-ROM zur Verfügung stehen. Ein Vergleich der beiden Auflagen illustriert auch noch einmal die Entwicklung, die zwischen den Jahren 1990 und 1999 stattfand.

Der Begriff "Seeking" im Titel der zweiten Auflage soll andeuten, dass neben dem Suchen (Searching) das eher zufällige Finden von Informationen, also das Browsing nach Information, angesichts der Informationsflut eine immer größere Rolle spielt (vgl. auch Sandra Erdelez: Information encountering ... Bulletin of the American Society of Information Science 25(199)3, S. 25ff). Folgerichtig ist dem Browsen auch ein eigenes Kapitel gewidmet (Kapitel 7).

In der Neuauflage sind die Kapitel zu den mehr "physischen" Formen von Datenbanken, also den technologischen Plattformen, ebenfalls verschwunden (z.B. "Locally stored Databases", "Videotex and Teletext Systems" oder Online Public Access Catalogues"). Dafür ist in der Neuauflage den Benutzeroberflächen ("Interfaces") ein eigenes Kapitel gewidmet, einem Thema, das in der Zeit der Endnutzer-Recherche immer wichtiger wird.

Obwohl im Mittelpunkt des Buches also nicht die Vorstellung spezifischer Datenbanken oder Suchmaschinen steht, wird im Kapitel 3 trotzdem ein kurzer nützlicher Überblick über Datenbankanbieter und Datenbanken (Bibliothekskataloge, CD-ROM-Datenbanken, klassische Online-Datenbanken, Internet-Suchmaschinen) geboten.

Im Kapitel 4 geht es um Sprache und Information Retrieval. Behandelt wird die Problematik der Auswahl von Suchbegriffen (Synonyme, Wortvarianten) sowie der verschiedenen Formen kontrollierten Vokabulars. Im Teil "Information Organization" wird auf die grundsätzlichen Strukturen von Datenbanken und Datensätzen eingegangen, wobei auch die Gesichtspunkte Hypermedia und Metadaten nicht fehlen. Der Abschnitt "Searching" enthält neben dem Booleschen Retrieval auch, anschaulich beschrieben, Formen des Best Match Retrieval. Integriert sind hier auch die Kapitel "Search Strategies", "Retrieval Facilities" und "Beyond Boolean Searching" der alten Auflage.

Endete die alte Auflage noch mit dem aus heutiger Sicht prophetisch erscheinendem Kapitel "Beyond Boolean Seraching", das ja durch die Anwendungen im Internet immer wichtiger wird, schließt die Neuauflage mit dem Thema "Recherche Evaluation", zu der in Zukunft verstärkt auch die Bewertung von Datenbanken gehören wird. Wie Ulrich Babiak richtig schreibt, ist für den Suchenden nicht mehr wie früher das Finden einer gesuchten Information problematisch, "sondern vor allem das Aussieben verläßlicher Informationen aus einer Vielzahl ähnlicher Angebote". Dies gilt zunehmend auch für die Auswahl der Datenbanken. Angesichts des wachsenden Datenbank-Angebotes im Netz - jeder Informationsproduzent, ob professionell oder privat, kann heute selbst eine eigene Datenbank erstellen und anbieten - wird es die primärste und notwendigste Fähigkeit nicht nur des professsionellen Rechercheurs sein, Datenbanken zu erkunden (database exploration) und zu bewerten.

Jedem Kapitel sind aktuelle Literaturhinweise zur weiteren Information beigefügt. Viele Abbildungen von Recherche-Oberflächen illustrieren die einzelnen Kapitel. Das Buch stellt für all diejenigen eine Art Pflichtlektüre dar, die sich nicht nur ab und zu aufmachen, Informationen jeder Art im Netz zu recherchieren.


Copyright: Thomas Hapke, 12.9.2000

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