
Name, Vorname: Tomasik, Jakob M.
Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: München, Deutschland
Studiengang/Abschluss: Informatik-Ingenieurwesen (Dr.-Ing.), Elektrotechnik (Dr.-Ing.)
Abschlussjahr: 2004/2010
Arbeitgeber und Position: Apple, Europäisches Zentrum für Chip-Design
Herr Dr. Tomasik, was war Ihre Motivation, Elektrotechnik/Informationstechnik an der TU Hamburg zu studieren – und später sogar zu promovieren?
Ich bin in Hamburg aufgewachsen, daher gab es eine Präferenz für den Ort. Zur TU Hamburg hat mich ein Tag der offenen Tür gebracht: Bei einem Rundgang wurde uns gezeigt, wie integrierte Schaltkreise (sogenannte „Chips“) hergestellt werden. Als Kind hatte mich schon in den 80ern für Heimcomputer begeistert - ich wollte immer verstehen, wie sie funktionieren. Und nun gab es die Möglichkeit, so etwas selbst zu entwickeln! Die Promotion gab mir die Gelegenheit, noch tiefer in die Technik einzusteigen und lehrte mich gleichzeitig das wissenschaftliche Arbeiten.
Wie würden Sie den Charakter der TU Hamburg in drei Eigenschaften beschreiben?
Die erste Eigenschaft, die mir einfällt, ist „familiär“, denn wir hatten schon früh im Studium einen direkten Kontakt zu den Professoren. Die zweite wäre „international“: Besonders in der Promotion hatte ich mit vielen Institutionen in ganz Europa Kontakt. Die dritte Eigenschaft wäre das hohe Niveau: Als Studienanfänger etwas abschreckend, heute profitiere ich davon täglich.
Gab es während Ihrer Studienzeit an der TUHH ein für Sie prägendes oder unvergessliches Erlebnis?
Im Hauptfach musste man sich für einen Schwerpunkt entscheiden. Gleich die erste Vorlesung zum Thema Mikrosystemtechnik hat mich begeistert: „Ich mache etwas mit Halbleitern!“. Der Professor der Vorlesung Mikrosystemtechnik hat mich auch in der Promotion begleitet: Er war der zweite Gutachter meiner Arbeit.
Nach Ihrem Studium und Ihrer Promotion an der TUHH sind Sie in die Industrie gewechselt – heute arbeiten Sie bei Apple in der Halbleiterentwicklung. Wie sah Ihr beruflicher Werdegang nach der Uni konkret aus?
Im Jahr 2011 habe meine Karriere in Duisburg bei einer Infineon-Tochter als Entwickler von Schaltungen für Microcontroller begonnen. An die Stelle bin ich über eine Initiativ-Bewerbung gekommen. Später bin ich zu Intel im Bereich Mobilfunk gewechselt, erst als Ingenieur im Hochfrequenzbereich, dann als Engineering Manager in München. Nach einer kurzen Tätigkeit bei Infineon bin ich 2020 zu Apple ans Europäische Zentrum für Chip-Design in München gewechselt.
Halbleiterentwicklung gilt als ein hochspezialisierter und zugleich strategischer Bereich der Technologiebranche. Was fasziniert Sie an diesem Feld besonders?
Das ist relativ einfach zu beantworten: Zum einen fasziniert die Technik, moderne Chips bestehen aus Milliarden von Transistoren mit einer Größe im Nanometerbereich. Zum anderen werden diese Chips in einer großen Anzahl von Geräten verwendet. Man entwickelt also etwas, das tausende, wenn nicht sogar Millionen von Menschen täglich verwenden.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag in den großen forschenden Unternehmen aus, für Sie gearbeitet haben?
Es ist ein Mix aus Entwicklungsarbeit, Meetings und manchmal auch administrativen Aufgaben. Bei der Entwicklungsarbeit ist man nicht alleine: Oft stehen wir am Whiteboard und gehen neue Schaltungsideen im Team durch. Da man meist mit vielen verschiedenen Disziplinen und Standorten zusammenarbeitet, ist eine gute Kommunikation essenziell.
Ihre Arbeit findet an der Schnittstelle zwischen Elektrotechnik, Systemarchitektur und globaler Tech-Industrie statt. Was sind, Ihrem Gefühl nach, aktuell die größten technologischen Herausforderungen?
Da denke ich spontan an das „Mooresche Gesetz“. Es besagt, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem integrierten Schaltkreis etwa alle zwei Jahre verdoppelt, während die Kosten pro Transistor sinken. Es wird spannend, welche Neuentwicklungen helfen können, den Trend zu halten. Wir sind bereits bei Transistoren im Nanometerbereich angekommen und weitere Miniaturisierung ist wirklich herausfordernd.
Was würden Sie heutigen Studierenden und Absolvent*innen mit auf den Weg geben, die ebenfalls in ein internationales Hightech-Unternehmen möchten?
Ganz klassisch, tiefe inhaltliche Arbeit und ein hervorragender Abschluss. Hinzu kommt, wie schon gesagt, eine exzellente Kommunikationsfähigkeit. Und ganz wichtig: Die Begeisterung, in einem Unternehmen zu arbeiten und großartige Dinge zu entwickeln. Um es mit den Worten von Steve Jobs zu sagen: “The only way to do great work is to love what you do”.
Ich würde gerne mal einen Tag tauschen mit…
Steve Wozniak in den 70ern. Wie hat es sich angefühlt, als aus den selbst gebauten Hobbycomputern die ersten Produkte entstanden?
Was würden Sie einen allwissenden Forscher aus der Zukunft fragen?
Wie künstliche Intelligenz die Menschheit verändern wird.