Zugschraubenosteosynthese bei Wirbelkörper-Kneifzangenfrakturen 

M. Auerswald, P. Messer, K. Sellenschloh, M.M. Morlock, J. Wahlefeld, D. Rundt, M. Faschingbauer, G. Huber

 

Ventrale Wirbelkörperspaltbrüche (AO 2.2/2.3) stellen hinsichtlich der Beurteilung ihrer Stabilität eine Grauzone dar. Während sie nach der AO-Klassifikation1 eine stabile Fraktur darstellen, welche konservativ behandelt werden kann, werden sie im klinischen Alltag häufig operativ versorgt2. Die Versorgung selber reicht von der dorsalen Spondylodese bis hin zur dorso-ventralen Fusion mit Wirbelkörperersatz. 

Die Zugschraubenosteosynthese, welche bei Frakturen in anderen Bereichen des Skeletts ein gängiges Verfahren zur Versorgung repräsentiert, ist bei Verletzungen der Wirbelsäule bisher nicht beschrieben. 

Ziel ist es festzustellen, ob die Segmentsteifigkeit von Kneifzangenfrakturen durch eine transpedikuläre Zugschraubenosteosynthese wiedererlangt werden kann.

Die Untersuchungen werden an 18 humanen Wirbelsäulen vorgenommen. Unter Belastung durch eine Follower-load3 werden bi-segmentale Präparate in Extension/Flexion, Seitneigung und Torsion bewegt. 

Erwartet wird ein im Vergleich zum nicht-frakturierten Präparat erhöhtes Bewegungsausmaß nach Fraktur und ein wiederum geringeres Bewegungsausmaß nach Osteosynthese.

Die Zugschraubenosteosynthese ist als rekonstruktives Verfahren in der Wirbelsäulentraumatologie bisher nicht genutzt. Bei ausreichend großem ventralen Fragment einer Kneifzangenfraktur besteht die Möglichkeit, eine knöcherne Heilung durch dieses Verfahren zu erreichen. Nach radiologisch gesichertem Durchbau ist sogar eine komplette Materialentfernung möglich. Damit wäre ein erstes wiederherstellendes Verfahren beschrieben, welches bei Kneifzangenfrakturen erfolgreich zum Einsatz kommen könnte.

Referenzen:

  1. Magerl, F., Aebi, M., Gertzbein, S. D., Harms, J. & Nazarian, S. A comprehensive classification of thoracic and lumbar injuries. Eur. Spine J. 3, 184–201 (1994).
  2. Ladurner, A., Forster, T. & Külling, F. A. Wirbelkörperfrakturen im Rahmen eines generalisierten epileptischen Anfalls. Unfallchirurg 118, 1067–1069 (2015).
  3. Patwardhan, A. G., Havey, R. M., Meade, K. P., Lee, B. & Dunlap, B. A follower load increases the load-carrying capacity of the lumbar spine in compression. Spine (Phila. Pa. 1976). 24, 1003–9 (1999).